# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S191 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 191 Stiftsversammlungen. Aber sie sind schwerlich eine genügende Garantie der kirchlichen Selbständigkeit. Und was hilft eine solche auf dem Gebiet der Verfassung, wenn sich eine Kirche freiwillig, wie die dänische durch ihre Geistlichen in den Herzogthümern thut, in den Dienst der politischen Interessen des Staats begiebt und ihre eigne Würde so sehr vergißt, daß sie aus der Kanzel eine politische Tribüne macht? Die Scheidung des kirchlichen und staatlichen Gebiets, wie sie in Dänemark geschehen ist, wird sich vielleicht mit der Zeit auch in Deutschland als unvermeidlich herausstellen. Die Ehescheidungsfrage ist ein Keil, welcher die Verbindung von Staat und Kirche lockert. Und wie sich der Taufzwang sittlich rechtfertigen lasse, weiß ich nicht zu sagen. Oder inwiefern die Forderung des Nachweises der Confirmation zur Gründung einer bürgerlichen Existenz innerlich begründet sei, wird schwer zu beantworten sein. Und was dem Aehnliches mehr ist. Aber diese Scheidung vornehmen, ehe die Kirche eine selbständige kirchliche Verfassung hat, heißt sie ruiniren. Das Concordat nöthigt die Evangelischen Oestreichs sich mehr kirchlich zusammen zu fassen. Freilich ist das völlig durchzuführen so lange unmöglich, als nicht die unglaubliche Anomalie beseitigt ist, daß an der Spitze des Consistoriums in Wien ein Römischer als Präsident steht. Das Concordat und die durch dasselbe garantirten Freiheiten der römischen Kirche in Würtemberg haben auch dort Anstoß zu Bewegungen und Petitionen gegeben, welche größere Selbständigkeit der evangelischen Kirche Würtembergs bezwecken. Der Hinweis auf das eigenthümliche und anomale Verhältniß, in welchem das protestantische Oberconsistorium zum Ministerium in Bayern steht, war es, welches den bekannten Giechschen Interpellationen ein tiefer gehendes Interesse und Bedeutung verleiht. Nach derselben Seite hin nun richten sich die Erwartungen und Hoffnungen, mit denen wir in Sachsen den Verfassungsvorlagen entgegensehen. Leipzig. Superintendent Großmann in Grimma hat den städt. Behörden Kenntniß von einem Legat von 100 Thlrn. gegeben, welches sein Vater, unser verewigter Superintendent, als Beitrag zu dem Amtsgehalt einer neuzugründenden geistlichen Stelle, sei es an einer neuerbauten Kirche oder zur Vermehrung des Gottesdienstes an einer bestehenden, gewidmet habe. Es möge dieses Legat die öffentliche Aufmerksamkeit darauf richten, daß für die Seelsorge in Leipzig weder Kirchen noch Geistliche in zureichender Zahl vorhanden seien. In einer Eingabe hatten sich „Viele gleichgesinnte Bürger“ mit dem Ersuchen an die Stadtverordneten gewendet, dahin zu wirken, daß die in Leipzig vakante Superintendentur durch einen ächt protestantischen Geistlichen besetzt werde, der auf dem Standpunkt der Gegenwart stehe und nicht die Absicht habe, seine Gemeinde in die trüben Jahrhunderte des Mittelalters zurückzuführen.“ Anonyme Eingaben werden gewöhnlich bloß ad acta genommen; auf den Antrag des Stadtv. Adv. Rose beschloß aber die Versammlung: Daß dieses Gesuch acht Tage auf dem Bureau der Stadtverordneten ausgelegt und falls ein Stadtverordneter sich dasselbe aneigne, wiederholt zum Vortrag gebracht werde. (S. K.- u. Schulbl.) Frequenz der Universität Leipzig im Winterhalbjahr 1857-58: 850, darunter 232 Ausländer. Zuwachs 22, darunter 13 Ausländer. Der Theologie-Studirenden sind 187, darunter 52 Ausländer. Die Universität Erlangen zählt in diesem Semester 326 Theologen, darunter 155 Ausländer. Im vorigen Semester zählte sie 281, im vorhergehenden 253 Theologen. (S. K.- u. Schulbl.) Würtemberg. Ein Correspondent des Sächs. Kirchen- und Schulblattes schreibt zu Ende vorigen Jahres: Es ist schon oft gesagt worden, daß unsere Würtemberger Kirche eine durchaus eigenthümliche Erscheinung sei im Kreise der lutherischen Gesammtkirche. Die geschichtlichen Ursachen dieser Sonderstellung haben wir nicht zu erörtern. Uns ist jene Bemerkung bloß wichtig, um die verhäl'nißmäßige Kargheit der Nachrichten zu erklären, die wir aus unserm kirchlichen Leben mit zutheilen haben. — Die sämmtlichen „brennenden Fragen“, welche unsert