# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 55 — Dagegen ſagen wir, daß uns das Wort nicht nur verändert und für die Güter geſchickt macht, ſondern daß es uns dieſelben auch bringt und gibt, ſo daß ein Menſch nicht zu ſagen braucht, wenn er die himmliſchen Gaben im Wort genannt und beſchrieben hört: Ja, wie bekomme ich ſie aber? ſondern daß er ſagen kann: Da im Wort ſind ſie ja und in der Taufe ſind ſie mir übergeben. Spricht er: Ich bin aber gefallen nach der Taufe, ſo antwortet man ihm: Du biſt freilich gefallen, aber die Taufe iſt nicht gefallen; die ſteht noch mit all den Gütern, die Gott in ſie gelegt hat; greif nur wieder zu und nimm die Güter, welche dir ſchon damals gegeben wurden, als du getauft wurdeſt. Das glauben die Secten aber nicht. Sie meinen, die Bekehrung ſei es, welche einem Menſchen wieder die Gnade verſchaffe, daß ſein Herz ver⸗ ändert werde, und dieſe Veränderung ſei es, um welcher willen man wieder glauben könne, daß man Vergebung der Sünden habe. Das heißt die Pferde hinter den Wagen ſpannen; denn baue ich meinen Gnadenſtand auf mein neues Herz, ſo baue ich die Urſache auf die Wirkung. Daraus geht hervor, daß ſie einen ganz andern Begriff vom Glauben haben, als der bibliſche iſt; ſie meinen, Glaube ſei eine neue Empfindung des Herzens, die aber noch nichts hat, ſondern erſt etwas ſucht. Wie ganz anders redet unſer Katechismus von der Wirkung der Gnadenmittel; z. B. auf die Frage: Was gibt oder nützt die Taufe? antwortet er: „Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöſ't vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.“ Und auf die Frage: „Wie kann Waſſer ſo große Dinge thun?“ antwortet er: „Waſſer thuts freilich nicht, ſondern das Wort Gottes, ſo mit und bei dem Waſſer iſt, und der Glaube, ſo ſolchem Wort Gottes im Waſſer trauet.“ Ebenſo auf die Frage: „Wie kann leiblich Eſſen und Trinken ſo große Dinge thun?“ — „Eſſen und Trin⸗ ken thuts freilich nicht, ſondern die Worte, ſo da ſtehen . . . und wer denſel⸗ bigen Worten glaubet, der hat, was ſie ſagen und wie ſie lauten, nämlich Vergebung der Sünden.“ Sowie alſo das Wort erſchallt, ſo habe ich auch ſchon alles da, was es anzeigt; während die, welche ihm nur die bewirkende Kraft (vis effectiva) zuſchreiben, es als ein Samenkörnlein betrachten, woraus das alles erwachſen muß. Allein im Wort liegt eben beides, ſowohl die Gnadengeſchenke, als die Kraft, ſolche Geſchenke anzunehmen. Die nöthige Veränderung, welche mit jedem Menſchen vorgehen muß, wenn er ſelig werden ſoll, wirkt Gott, und er wirkt ſie durch die Gnadenmittel, durch welche des Menſchen Herz verändert wird. Das wird die Gnadenordnung genannt; da nemlich Gott einen Menſchen durch das Evangelium beruft, mit ſeinen Gaben erleuchtet und ihn im rechten Glauben heiligt und erhält. Außer dem muß der Menſch aber auch etwas bekommen, was nicht in ihm gewirkt werden kann: Gnade, Vergebung der Sünden, die Rechtfertigung. Dieſes letztere geht in Gott vor und iſt ſein, alſo kann es nicht im Men⸗ ſchen gewirkt, ſondern es muß ihm gegeben werden. Das iſt dann die mittheilende Kraft der Gnadenmittel (vis collativa). Die ſymboliſchen