# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 52 — Sie ſind darum da und giltig auch ohne ſein Nehmen, aber er hat die Hand noch nicht ausgeſtreckt und ſie noch nicht genommen, ja, er hat Gott, der ſeine Hand ausſtreckte und ſie ihm darreichte, auf die Gnadenhand geſchlagen und die Güter von ſich geworfen und mit Füßen getreten. Dennoch hat ihm Gott im rechten Ernſt und wahrhaftig die Güter hingehalten und dargereicht, wie hätte er ſie ſonſt können mit Füßen treten? Was aber Gott darreicht, das gibt er für immer. Wer darum z. B. getauft iſt, der hat durch dieſes Gnadenmittel für immer empfangen Vergebung der Sünden, Erlöſung vom Tod und Teufel und das ewige Leben. Wohl geſchieht es ja leider, daß Einer viele Jahre dahin geht und lebt in Sünd und Schanden, tritt darum dieſe ganze Zeit Gottes hohe Güter mit Füßen, dennoch ſind und bleiben ſie ihm gegeben. Daher er jeden Augenblick zu ſeiner Taufe zurückkehren und alle die lang verachteten und verſchmähten Güter ergreifen und brauchen kann, ohne einen Diebſtahl zu begehen. Es wird da oft und auch von luthe⸗ riſchen Predigern verwechſelt das glauben dürfen und glauben kön⸗ nen. Wir behaupten nach Gottes Wort, daß es keinen Menſchen gibt, der nicht glauben dürfe, zugleich geben wir aber zu, daß es nur zu viele gibt, die nicht glauben können. Darum muß das Geſetz in all ſeiner Schärfe gepredigt werden, damit die Leute erſt ihr Sündenelend erkennen und fühlen lernen, und dann das Evangelium in ſeiner ganzen Süßigkeit, damit Gott ſie durch dasſelbe gnädiglich bewegt, daß ſie auch glauben können; denn das Dürfen verſteht ſich von ſelbſt. Die Schwärmer aber ſagen einem Menſchen, dem das Geſetz das Herz getroffen hat: Du biſt wohl jetzt erſchrocken über deine Sünden, und Gottes Gnade muß dir helfen, aber nun ſieh auch zu und greif ja nicht zu ſchnell zu. Geh erſt ins Kämmerlein, bete und ringe mit Gott, bis du dich zum Gefühl der Gnade hindurchgearbeitet haſt; dann darfſt du glauben, daß du ſie haſt. Das iſt eine gottloſe Weiſe, mit den Seelen umzugehen. So kann man ſie zur Verzweiflung, aber nicht zu rechter Gewißheit ihrer Seligkeit bringen. Darum ſoll man ſo zum Sünder ſagen: Bekennſt du denn, daß du ein Sünder biſt, und biſt du von Herzen darüber erſchrocken, daß du unter Gottes Zorn liegſt? Steht es ſo mit dir, dann glaube an den HErrn JEſum Chriſtum, ſo wirſt du ſelig. So hat der Apoſtel zum Kerkermeiſter geſagt: Glaube an den HErrn JEſum Chriſtum, ſo wirſt du und dein Haus ſelig. Und man bedenke: das ſagt er zu einem, der ſich eben mit eigener Hand hatte ermorden wollen, der aber nun in Angſt über ſeine Sünden war und fragte: „Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde?“ Was würde dem ein Methodiſt geantwortet haben? Der würde wohl geſagt haben: Ja, das geht nicht ſo ſchnell. Verſuchs einmal, bete und ringe; aber es kann lange dauern, bisbei dir die Gnade zum Durchbruch kommt, und bis du merkſt, daß dich der liebe Gott angenommen hat. Paulus war aber eben kein Methodiſt, das ſehen wir an ſeinem Verhalten gegen den Verbrecher, den Kerkermeiſter. Und warum konnte er ſo mit ihm reden? Weil er wußte, daß das Wort das Gnadenmittel ſei, mit welchem er Leben und Seligkeit zugleich darreiche.