# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 51 — ſolle, ſondern Mittheilung derſelben wird hier dem Evangelio zugeſchrieben. Es iſt eben ſtreng zu unterſcheiden zwiſchen bewirkender und mittheilender Kraft; denn das Wort Gottes iſt ein Wort des Geiſtes, welches göttliche und himmliſche Wirkungen in uns hervorbringt, in uns Buße, Glauben und Heiligung wirkt, es bringt uns aber nicht nur die Botſchaft, daß alle Güter der Gnade da und uns zugedacht ſind, ſondern es bringt uns auch die Güter ſelbſt. Es iſt nicht eine ſolche Botſchaft, wie ſie ein Gefangener von einem zufällig Kommenden durch ſein Kerkergitter erfährt, ſondern eine ſolche, wie ſie der vom König bevollmächtigte Botſchafter mit ſeinem beſiegelten Be⸗ gnadigungsſchreiben bringt. Ein ſolcher Bevollmächtigter iſt nun nach Chriſti Tod und Auferweckung, nachdem Gott die Begnadigungsbotſchaft in alle Welt ausgeſandt hat, jeder gläubige Chriſt. Will man es ihm nicht glauben, ſo nimmt er die Bibel her und ſagt: Hier ſteht es, da nimm es nur heraus: Alſo hat Gott die Welt geliebet, oder: Gott war in Chriſto ꝛc. Alſo wenn ein Prediger hintritt vor ſein Volk und verkündigt: Gott war in Chriſto ꝛc., ſo iſt das nichts anderes, als wenn der Bevollmächtigte vor den verurtheilten Verbrecher hintritt und ſagt: Sei ohne Sorgen, du ſollſt nicht umgebracht werden; ich erkläre dir hiemit im Namen ſeiner Majeſtät, des Königs: du biſt begnadigt. Und wenn der Prediger auf das Wort Gottes und die Sacramente hinweiſ't, ſo thut er, wie der Bevollmächtigte, wenn der Verbrecher ihm nicht glauben will, der dann auf den beſiegelten Begnadi⸗ gungsbrief weiſ't und ſagt: da ſtehts, lies es ſelbſt. So ſagt der Prediger zum ängſtlich Zagenden: Hier lies Gottes Gnadenbrief, mit Chriſti Blut verſiegelt und durch den Heiligen Geiſt bezeugt, und glaube es, ſo wird es auch durch denſelbigen Geiſt beſtätigt werden in deinem Herzen. Alſo man unterſcheide zwiſchen der Kraft der Gnadenmittel, nach der ſie den Glauben und alles, was in einem Menſchen vorgehen muß, damit er ein Kind Gottes bleibe, wirken können, und der Kraft und Wirkung, da ſie das auch wirklich mittheilen und übergeben, was die Worte ſagen und wie ſie lauten. Die erſtere Kraft geben die meiſten, welche noch Chriſten ſein wollen, noch zu; Zwingli freilich hat es nicht zugegeben; der ſagte, Gott brauche keinen Wa⸗ gen, und das Sinnliche habe gar keine Kraft im Geiſtlichen. Weit entfernt aber, daß alle, welche in der reformirten Kirche ſind, das glauben, ſo iſt's im Gegentheil alſo, daß alle Einfältigen unter den Secten Chriſti Worte glau⸗ ben, der da ſagt: Meine Worte ſind Geiſt und ſind Leben, und ſie nicht ſo erklären: Meine Worte bringen die Botſchaft vom Geiſt und Leben. Aber das leugnen alle, daß das Wort das mitzutheilen die Kraft habe, wovon es redet. Sie meinen eben, es würde dadurch die Lehre von der Bekehrung um⸗ geſtoßen. Nun muß ſich ja freilich ein jeder bekehren, wenn er in den Himmel kommen will, aber durch die Bekehrung kommt er nicht in den Himmel und in den Beſitz der Gnadengüter, ſondern dadurch, daß Gott ſie ihm gibt. Freilich bekommt er ſie nicht, wenn er ſie nicht nimmt, aber ſein Nehmen macht die Güter nicht, ſondern Gottes Gnade und die Erlöſung JEſu Chriſti.