# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 50 — virtus operativa et collativa, der wirkenden und der mittheilenden Kraft. Joh. Benedict Carpzov ſchreibt: „Die Augsburgiſche Confeſſion han⸗ delt hier im 5. Artikel vom Wort und den Sacramenten, ſofern ſie wirkende Mittel und nach Art phyſiſcher Wirkung thätig ſind, da an dieſem Orte die Frage iſt: Woher der Glaube ſei? und ob Wort und Sacramente den⸗ ſelben bewirken? Denn außer dieſer Wirkungsweiſe kommt dem Wort und den Sacramenten noch eine andere zu, welche moraliſcher Art iſt und in Gebung, Darreichung oder Anbietung, Mittheilung und Verſiegelung des gerechtmachenden Gutes beſteht. Denn man darf, was Wort und Sacra⸗ mente thun, ſofern ſie den Glauben erzeugen, nähren oder erwecken, und was das Wort thut, ſofern es zur Rechtfertigung zunächſt beiträgt (concurrit), nicht mit einander verwechſeln. Denn während im erſten Falle Wort und Sacrament ſich wie Werkzeuge verhalten, welche nicht nur die übernatürlichen Kräfte zum Glauben bewirken (effectiva), ſondern auch die geiſtlichen Be⸗ wegungen des Glaubens erwecken (excitativa); ſo ſind ſie im anderen Falle, nämlich in der Rechtfertigung, nur das gerechtmachende Gut, welches Chriſti Gehorſam iſt, gebende, mittheilende und verſiegelnde (dativa, collativa et obsignativa) Werkzeuge. (Kurz,) Wort und Sacramente werden zweifach betrachtet: 1. als wirkende und erweckende (effectiva et excitativa) Werkzeuge, ſofern ſie den Glauben bewirken; 2. als gebende, mitthei⸗ lende und verſiegelnde (dativa, collativa et obsignativa) Werkzeuge, ſofern ſie zunächſt zur Rechtfertigung beitragen.“ (Isagog. in libros symbol. Lips. 1675. S. 251.) Die gebende und mittheilende Kraft, meinen die Secten, habe das Wort nicht. Darum glauben ſie nicht, daß die Gnadenmittel die Hand Gottes ſeien, durch welche uns alles, was wir zur Seelen Seligkeit brauchen, übergeben wird. Wer aber das nicht glaubt, der glaubt auch überhaupt nicht, daß es Gnadenmittel gibt. Wer von Gnaden⸗ mitteln reden will, der muß erſt glauben, daß die Gnade ſchon erworben ſei, welcher man durch ſolche Mittel theilhaftig wird, durch welche ſie Gott als mit ſeiner Hand austheilt: denn wenn es Mittel gibt, die Gnade darreichen, ſo kann das nur deshalb ſein, weil die Gnade ſchon da iſt. Nachdem wir aber die fünfte Theſis betrachtet und angenommen haben, iſt vorauszuſetzen, daß wir alle davon überzeugt ſind: die Gerechtigkeit iſt ſchon erworben, die Gnade ſchon da, und nun können wir getroſt weiter gehen und ſagen: Wort und Sacrament ſind die Hand Gottes, durch welche uns dargereicht wird, was Chriſtus uns erworben und aus dem Grabe mitgebracht hat. Wenn darum bei uns von der Kraft und Wirkſamkeit der Gnadenmittel geredet wird, ſo iſt das die Meinung: daß Wort und Sacrament nicht nur eine Anzeige und Verkündigung, auch nicht nur eine den Glauben erzeugende Kraft, ſondern eine Gebung, Mittheilung und Verſiegelung der Güter ſelbſt ſind, die ſie anzeigen und verkündigen. Röm. 1, 16. wird das Evangelium eine Kraft Gottes, die da ſelig macht, genannt. Alſo nicht nur ein Zeugniß von der Seligkeit, nicht nur eine Anweiſung, wie man Gerechtigkeit erlangen