# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 49 — ergreifen und desſelben theilhaftig werden können. Es iſt beſonders hervor⸗ zuheben, daß die Verheißung Gottes nicht ein leerer Schall iſt, ſondern eine Darreichung der Güter, ſo daß Gott wirklich in den Gnadenmitteln das auch bringt, was er im Evangelio verſprochen hat, und ebenſo iſts mit den Sacramenten. Dadurch unterſcheiden wir uns von allen, die nicht glauben, daß es Gnadenmittel gibt, durch welche uns Gott wirklich das anbietet, dar⸗ reicht und ſchenkt, was uns Chriſtus durch ſein Leiden und Sterben erworben hat. Wenn Jemand die Schwärmer in der Angſt über ſeine Sünden fragt: Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde, daß ich die Gnade und Ge⸗ wißheit der Gnade Gottes bekomme, daß mir meine Sünden vergeben wer⸗ den? da ſagen die Schwärmer: Bete, bete; falle auf deine Kniee und ringe nun ſo lange mit Gott, bis ers dir ins Herz gibt. Und wenn ſie dann füh⸗ len, als habe es ihnen Gott ins Herz gegeben, ſo ſpringen ſie auf und rufen: Gloria, jetzt habe ich Gnade! Nun ſei es ja ferne von uns, zu leugnen, daß der Geiſt der Gnaden ſich auch bemerklich mache im Sünderherzen, wenn der Menſch ſich ſeinen Wirkungen nicht muthwillig verſchließt; aber eine ent⸗ ſetzliche Verwechslung iſt es, wenn man dieſes Gefühl, welches ſich in den Schwärmern durch ihr Beten und Ringen regt, für dieſe Gnade ſelbſt hält. Im beſten Falle (denn gar oft iſt dieſes Gefühl ja noch von ganz andern Urſachen bewirkt, nicht durch den Heiligen Geiſt) iſt es eine Gnadenwirkung des Heiligen Geiſtes, was die Schwärmer Gnade nennen. Die Gnade iſt ja etwas außer, nicht in uns, wie auch die Gerechtigkeit etwas außer uns iſt. Darum wenn ein armer Sünder zu einem lutheriſchen Prediger kommt und ſagt: Wo ſoll ich denn Gnade finden? Ich habe jetzt erkannt, daß ich ein armer verlorener und verdammter Sünder bin, daß ich darum vor dem gerechten Gott nicht beſtehen kann! ſo antwortet der lutheriſche Prediger: Tröſte dich der Gnade Gottes. Dieſe Gnade aber iſt im Evangelio und in den heiligen Sacramenten. Glaube dem, was Gott dir da geſagt hat, und tröſte dich der Gnade, die dir damit geſchenkt iſt. Tröſte dich deiner Taufe und daß dir in ihr die Gnade ſchon geſchenkt wurde. Gebrauche die Abſo⸗ lution, gehe zum heiligen Abendmahl, denn da iſt es, wo dir Gott Gnade und Vergebung aller deiner Sünden anbietet, darreicht, ſchenkt und verſiegelt. Das aber iſt es gerade, was die Schwärmer leugnen. Sie wiſſen wohl von einer Gnade, aber ſie wiſſen nicht, wo dieſe Gnade zu finden iſt; ſo wollen ſie denn dieſelbe auf ihren Knieen erbeten. Es wäre ja freilich ſchrecklich, etwas wider das Gebet zu ſagen; denn wir wiſſen, Gott hat es befohlen, und verheißen, daß er uns wolle erhören; aber ebenſo ſchrecklich iſt es, zu meinen, daß das Gebet ein Gnadenmittel ſei. Beten kann ja nur der recht, der ſchon Gnade hat. Gott um Gnade anrufen kann und ſoll ich wohl im Gebet, aber die Gnade mittheilen, geben, bringen kann es nicht. Darinnen aber irren alle Secten. Sie ſagen alle vom Worte Gottes, daß es eine be⸗ zeugende und allenfalls auch eine bewirkende Kraft habe, aber die mittheilende Kraft ſprechen ſie ihm ab. Es iſt aber zu unterſcheiden zwiſchen der vis et