# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 46 — Sünden der ganzen Welt getragen habe und Gott der Vater Chriſtum auf⸗ erweckt hat von den Todten, können auch ſie nicht in Abrede ſtellen, alſo müſ⸗ ſen ſie ſich an einige Ausdrücke hängen, die vielleicht etwas unbequem ſind. Es gewinnt dadurch ſehr den Schein, daß ſie den ganzen Eifer nur deshalb anwenden, um die Aufmerkſamkeit der Kirche von ihren eigenen Schäden abzulenken und die Leute mit den vermeintlichen Schäden anderer Körper⸗ ſchaften derweilen zu beſchäftigen. Es iſt z. B. durchaus pelagianiſch, wenn ſie behaupten, daß die letzte Entſcheidung bei der Bekehrung Sache des Menſchen ſei. Und auch in dieſem Handel, obgleich ſie ſich den Schein der Recht⸗ gläubigkeit geben wollen, gelingt es ihnen doch nicht ganz; denn wenn G. Fritſchel behauptet: „Im Evangelio zeige Gott dem Sünder einen Aus⸗ weg, der ihn aus Tod und Verdammniß erlöſen und die Vergebung ſei⸗ ner Sünden zu Wege bringen kann“, ſo leugnet er damit, daß die Rechtfertigung durch Chriſtum ſchon vollbracht und alſo die vor Gott gel⸗ tende Gerechtigkeit ſchon vorhanden ſei. So aber lehren wie die Schrift, ſo auch die Bekenntniſſe unſerer Kirche, als im 6. Art. der Augsburgiſchen Confeſſion, wo es nach dem Lateiniſchen heißt: „die Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung wird durch den Glauben ergriffen“ (Müller S. 40) und „Gnade, Vergebung der Sünden und Rechtfertigung wird durch den Glauben ergriffen.“ (S. 45.) So auch die Apologie: „Der Glaube nimmt die Vergebung der Sünden an.“ (S. 98.) Ferner: „die Rechtfertigung iſt ein Ding allein um Chriſti willen umſonſt verheißen, daher ſie immer allein durch den Glauben vor Gott angenommen wird.“ (S. 123.) Dieſe Stellen zeigen ja klar an, daß erſt eine Recht⸗ fertigung vorhanden ſein muß, die der Glaube annehmen kann, daß ſie nicht der Glaube erſt bewirken müſſe, ſondern daß er ſie als ſchon vorhanden er⸗ greife. Wollte aber Jemand ſagen: die Vergebung der Sünden iſt wohl ſchon da, aber nicht die Rechtfertigung, der müßte wieder unſere Bekenntniſſe nicht kennen, welche ausdrücklich lehren, daß Rechtfertigung und Vergebung der Sünden dasſelbe ſei. „Wir gläuben, lehren und bekennen, daß nach Art heiliger Schrift das Wort rechtfertigen in dieſem Artikel heiße abſolviren, das iſt, von Sünden ledig ſprechen.“ (Concordienformel. Art. 3. S. 528.) Denke Niemand, es handle ſich bei dieſer Sache um ein Wortgezänk. Nein, es iſt hier die hochwichtigſte Sache gegen Angriffe und Irrthum feſt zu hal⸗ ten. Namentlich haben wir in dieſem Lande der Secten und Schwärmerei die Lehre von der allgemeinen Rechtfertigung ernſtlich zu treiben, denn ſie lehren wohl noch, daß der Menſch durch den Glauben gerecht werde, aber reden dann in ſolcher Weiſe vom Glauben, daß man bald merkt, ſie machen den Glauben wieder zur bewirkenden Urſache der Rechtfertigung, wodurch ſie dem HErrn Chriſto ſeine Ehre rauben. Denn was thut der anders, welcher ſagt, der Glaube mache deshalb gerecht, weil er Kraft zu guten Werken, zum Beten und Ringen gebe, als daß er Chriſti Verdienſt auf die Seite ſchiebt? Auch das Zeugniß eines Scandinaven, des Schweden Andreas Rohr⸗