# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 43 — welche Erklärung die Synodal⸗Conferenz abgebe in Bezug auf die Vorwürfe, welche ihnen die Iowa⸗Synode darüber macht, daß ſie die allgemeine Rechtfer⸗ tigung vertreten hätten, wurde geantwortet: Es iſt dieſe Lehre geradezu aus⸗ geſprochen in der Stelle Röm. 5, 18. und iſt es darum nicht blos eine bibli⸗ ſche Lehre, ſondern auch ein bibliſcher Ausdruck, daß die Rechtferti⸗ gung des Lebens über alle Menſchen gekommen ſei. Nur eine calviniſtiſche Exegeſe könnte dieſe Stelle dahin erklären, daß nur die Aus⸗ erwählten gerechtfertigt ſeien. Auch rechtgläubige ältere Theologen unſerer Kirche reden darum von der allgemeinen, für alle erworbenen und dargereich⸗ ten Rechtfertigung. Gerhard ſagt, Chriſti Auferſtehung ſei die allgemeine Abſolution; Abſolution iſt aber nichts anderes, als Rechtfertigung.*) In Chriſto iſt eben die ſündige Welt zum Tod verdammt und in ſeiner Auf⸗ erſtehung iſt eben dieſe Welt gerecht erklärt worden. Wenn nun der Pre⸗ diger abſolvirt, ſo theilt er einen Schatz aus, der ſchon vorhanden iſt, nämlich die ſchon erworbene Vergebung der Sünden. Wäre der Schatz nicht vor⸗ handen, ſo könnte auch kein Prediger abſolviren, ja, wir könnten auch gar nicht von der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben reden, denn glauben heißt ja hinnehmen, was da iſt. Wäre nun die Welt nicht ſchon gerechtfertigt, ſo müßte glauben heißen, ein Werk zur Rechtfertigung vollbringen. Die ganze Predigt des Evangeliums aber iſt eine Botſchaft Gottes von einer Gerechtigkeit, die vor ihm ſchon erworben und da iſt für alle. Deshalb hat die Rede, daß in Chriſto die Rechtfertigung der ganzen Welt ſchon geſchehen iſt, nicht nur nichts Verfängliches, ſondern ſie iſt auch ganz bibliſch. Diejenigen, welche ſagen, daß Gott die ganze Welt gerecht ge⸗ macht, aber nicht gerecht erklärt habe, leugnen damit eigentlich wieder die ganze Rechtfertigung, denn die Gerechterklärung des Vaters iſt von der Ge⸗ rechtmachung des Sohnes nicht zu trennen, da er Chriſtum auferweckt hat von den Todten. Freilich hilft das alles noch keinem Menſchen zum Beſitz der Gerechtigkeit und Seligkeit, wenn er die Rechtfertigung nicht auch an⸗ nimmt. Wenn ein König einen Haufen Verbrecher begnadigt, ſo ſind die⸗ ſelben von Seiten des Königs alle freigeſprochen von Schuld und Strafe, wer aber von ihnen die Begnadigung nicht annimmt, der muß für ſeine Schuld weiter büßen; ebenſo verhält es ſich auch mit den Sündern in der Rechtferti⸗ gung, die durch Chriſti Tod und Auferweckung geſchehen iſt. Ja, hätte Gott den Begnadigungsbrief nicht geſchrieben und beſiegelt, ſo wären wir Prediger Lügner und Verführer der Leute, wenn wir ihnen ſagten: Glaubt nur, ſo ſeid ihr gerecht; nun aber Gott durch die Auferweckung ſeines Soh⸗ nes den Gnadenbrief für die Sünder unterzeichnet und mit ſeinem göttlichen Siegel verſehen hat, ſo können wir getroſt predigen: die Welt iſt gerechtfer⸗ *) Die Concordienformel ſagt: „Wir gläuben, lehren und bekennen, daß nach Art heiliger Schrift das Wort ‚rechtfertigen‘ in dieſem Artikel heiße ‚abſolviren‘.“ (Art. 3. S. 528.)