# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 40 — dieſen Handel von der Rechtfertigung; darum haſſen ſie die Lehre vom ſtell⸗ vertretenden thätigen Gehorſam Chriſti (wie die Methodiſten ſchon ſeit Jah⸗ ren dagegen öffentlich geſchrieben haben) und von ſeiner vollkommenen Er⸗ löſung und meinen, wenn ſie durch Chriſtum nur der vergangenen Sünden los ſeien, dann wollten ſie ſchon ſo heilig werden auch in ihrem eigenen Leben, daß ſich der liebe Gott darüber verwundern ſoll. Wir dagegen bekennen uns als verlorne und verdammte Sünder und ſagen, Gott muß zu unſerer Selig⸗ keit Alles thun und uns eine Gerechtigkeit ſchenken, über die ſich alle hei⸗ ligen Engel, ja über die ſich Gottes Sohn ſelbſt wundert. Ja, es iſt dies nicht zu viel geſagt; er hat es gethan, denn Joh. 3, 16. ſpricht er ſelbſt: „Alſo hat Gott die Welt geliebet, daß er ſeinen eingebornen Sohn gab“, als wollte er ſagen: Nein, wer hätte ſo etwas gedacht, alſo, ſo ſehr, ſo brünſtig hat Gott die Welt geliebet, daß er ſeinen Sohn einem ſolchen Haufen von ſchändlichen Sündern ſchenkte, und zwar in dem Sinn, daß er ſagt: Da habt ihr ihn, nun macht mit ihm, was ihr wollt; gibt ſeinen Sohn in die Rappuſe und ſo völlig preis, daß ſie ihm Schmach und Schande anthun, in ihn ſtechen, ja, ihn ſchlachten können, und das thut Gott, damit die Welt erlöſ't würde. Darüber wundert ſich Gottes Sohn mit den Wor⸗ ten: „Alſo hat Gott die Welt geliebt, daß er ſeinen eingebornen Sohn gab.“ Darum ſagt auch der Apoſtel Röm. 8, 3. 4.: „Das dem Geſetz un⸗ möglich war (ſintemal es durch das Fleiſch geſchwächet ward), das that Gott, und ſandte ſeinen Sohn in der Geſtalt des ſündlichen Fleiſches, und ver⸗ dammte die Sünde im Fleiſch durch Sünde. Auf daß die Gerechtig⸗ keit, vom Geſetz erfordert, in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleiſche wandeln, ſondern nach dem Geiſt.“ Weil er unſer Bruder, Fleiſch von unſerem Fleiſch geworden iſt, ſo iſt alſo die Gerechtigkeit in uns erfüllet; nicht zwar in jeder einzelnen Perſon, aber in unſerer Menſchheit. Daher iſt es ſo wichtig, daß Chriſtus nicht eine Menſchheit vom Himmel mitgebracht hat, ſondern daß er dieſelbe von Maria der Jung⸗ frau an ſich nahm, denn nun iſt wahrhaftig unſere Menſchheit gerechtfertigt in ihm. Das nun ſollen wir predigen, und wer das ergreift, dem iſt ge⸗ holfen und der iſt ein ſeliger Menſch. Unglückſelig dagegen der, dem das nicht zuſagt, denn Gott ſchreit es hinaus in die Welt: „Es iſt alles bereit“, nun geſchwind kommt und nehmt Gnade, Heil und Leben an, aber ach, der ſtolze Menſch will von dieſer allerköſtlichſten Gabe Gottes nichts wiſſen, die er im Evangelio anbietet und darreicht, ja, recht verſtanden, auch der ganzen Welt mittheilt. Es iſt jedoch beſſer, das Wort mittheilen von der allgemeinen Rechtfertigung der Welt nicht zu gebrauchen, weil es faſt immer in unſerer deutſchen Sprache nicht nur ein Darreichen von Gottes Seite, ſondern auch ſchon ein Annehmen von des Menſchen Seite anzeigt. Theſis 5: „Wie durch den ſtellvertretenden Tod Chriſti die Sünden⸗ ſchuld der ganzen Welt getilgt und die Strafe derſelben erduldet worden iſt, ſo iſt auch durch die Auferſtehung Chriſti Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit