# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 39 — reiniget uns von allen Sünden. Item: Der Gerechte wird ſeines Glaubens leben, Gal. 2.“ Heißt nicht Chriſti Lehre Evangelium, auf deutſch: eine frohe Botſchaft? Warum heißt ſie aber ſo? Darum, weil, wenn ich das Evangelium predige, ich nichts weiter predige, als was den Menſchen ſchon erworben und geſchenkt iſt und was ſie darum annehmen und deſſen ſie von Herzen froh werden ſollen. Das Evangelium iſt die frohe Botſchaft, daß Chriſtus das Werk gethan habe, welches wir hätten thun ſollen und es doch nicht thun konnten, und daß der himmliſche Vater durch die Auferweckung unſeres Verſöhners ein Zeichen vom Himmel gegeben hat, daß er dadurch vollkommen befriedigt ſei. Wer ſich nun darüber wundert, daß Gott jetzt den Leuten immer ſagen läßt: Seid doch froh, denn eure Schuld iſt getilgt und völlig bezahlt, warum bekümmert ihr euch denn noch? — wer ſich daran ſtößt, der ſtößt ſich an Chriſto und an ſeinem Evangelio; und wer da denkt, daß er damit den Leuten zu viel Troſt predige und ſie ſicher mache, der offenbart damit, daß er ſelbſt von dieſem Manna noch nicht gekoſtet habe. Wer ſelbſt den Troſt des Evangeliums erfahren hat, der wird ſagen müſſen: das iſt's, daß ich gekommen bin als der verlorne Sohn, zerriſſen und voller Schmerzen und Krankheit, daß ich ſagte zu meinem Gott: da bin ich, handle nun mit mir nach deiner Gnade. Da hat er mich angenommen und mich geküßt mit dem Kuß ſeines Mundes und hat mich bekleidet mit den Kleidern des Heils und einen Fingerreif an meine Hand gegeben und hat die Nachbarn und Freunde zuſammengeholt und ein Freudenmahl angerichtet. Wer das Evangelium nicht ſo predigen will, der kann den Koran oder Talmud oder des Pabſts Recht oder was er ſonſt will, predigen; will er aber fröhliche Chriſten machen, dann predige er dieſe frohe Botſchaft. Es ſind ohnedies noch genug ſondere Sachen, die ge⸗ predigt werden müſſen. Muß ja doch mit dem Geſetz vorgearbeitet werden, und dies muß ſo gepredigt werden, daß die Hörer erzittern und beben, daß ſie denken: Ei, der wirft uns ja alle in die Hölle; da iſt kein Rath, keine Ret⸗ tung, wir ſind verloren; dann aber zeigt man aus dem Evangelio das gerade Gegentheil. Wer ſo predigt, der ſtellt die Leute auf einen feſten Grund, daß ſie nicht wieder ins Geſetz zurück wollen. Die Schwärmer haben von der Erlöſung die Gedanken: Dadurch, daß Chriſtus Menſch geworden iſt, gelebt und gelitten hat, hat er es den Menſchen möglich gemacht, daß ſie nun ſelbſt das leiſten und ſo thun und leben können, was und wie es zu ihrer Seligkeit nöthig iſt. Wenn ſie darum auch viel vom Glauben reden, ſo ſteckt das doch in ihnen, und ſelbſt der Glaube wird dann bei ihnen zu einem verdienſtlichen Menſchenwerk. Es iſt das auch die rechte Pabſtlehre, denn wenn die Rö⸗ miſchen auch ſagen, Chriſtus ſei geſtorben für die Sünden der Welt, ſo glau⸗ ben ſie doch nicht, daß durch Chriſti Tod Schuld und Strafe abgethan ſei, ſondern lehren, der Menſch müſſe durch ſein Reuen, Büßen und andere gute Werke die Seligkeit ſchaffen, Chriſtus mache das freilich erſt verdienſtlich und Gott helfe nach. So mengen die Schwärmer des Menſchen Werk hinein in