# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 37 — wieder durch lauter göttliche Gnade, denn ohne ſie kommt er auch nie zum Glauben. Dieſe Doppelſeite der Betrachtung müſſen wir in anderer Weiſe auch üben. Wir ſagen z. B. von Chriſto am Kreuz: er hängt da als ein Sünder und zugleich als ein Gerechter. Iſt er nun ein Sünder, oder nicht? Für ſeine Perſon nicht, denn er hat keine Sünde gethan, und inſofern iſt er ein Gerechter; für die Welt aber, deren Stellvertreter er iſt, iſt er ein Sünder, ja, wie die Schrift redet, „die Sünde“, ſo daß er der allergrößte Sünder, der je auf Erden geweſen iſt, ſein muß, weil ihm aller Sünder Sünden zu⸗ gerechnet werden. Alſo iſt Chriſtus, nach ſeiner Perſon betrachtet, der Ge⸗ rechte, nach ſeinem Mittleramte, der Sünder. So iſt's auch mit den Gläu⸗ bigen. Wenn man ſie nach ihrer Perſon anſieht, ſo ſind ſie Sünder, „denn wir täglich viel ſündigen und wohl eitel Strafe verdienen“; weil ſie aber zugleich durch den Glauben in Chriſto JEſu ſind, alſo die Gerechtigkeit, die Chriſtus ihnen erworben und geſchenkt hat, bei ihnen herrſcht und regiert, ſo werden ſie als Kinder Gottes ins Himmelreich aufgenommen. So iſt's aber auch in gewiſſer Beziehung mit der Welt: An ſich liegt ſie im Argen, unter dem Fluch und in der Verdammniß, aber als durch Chriſtum erlöſ't, weil er für ſie genug gethan hat, iſt Gott mit ihr verſöhnt. Inſofern gilt es, daß in der Welt keine Sünde mehr vorhanden iſt. Chriſtus hat ſie ja hinweg⸗ genommen und getragen bis ins Grab hinein; inſofern iſt auch die ganze Welt frei, los und ledig vom Tod, Teufel und Verdammniß. Und das ſoll nicht verſchwiegen, ſondern gepredigt werden. Die Furcht, die Leute möchten dadurch ſicher werden, darf uns nicht abhalten. Es mag ſchon ſein, daß einer denkt, wenn er ſolche Predigt hört: Iſt ſchon alle Sünde getilgt, ſo hat es mit mir keine Noth, ſo bin ich auch ſelig ohne Glauben, und mißbraucht alſo das Gnadenwort zu ſeinem Verderben. Allein die Frage iſt jetzt nicht, wie dieſe Lehre mißbraucht werden kann, ſondern, was zu unſerer Seligkeit geſchehen iſt. Nun ſollen wir den ganzen Rath Gottes verkündigen, alſo dürfen wir auch dieſe Lehre nicht aus Furcht, daß ſie mißbraucht werden könnte, verſchweigen. Dieſe Furcht iſt es gerade, welche die Schwärmer zu⸗ rückhält, daß ſie nicht die Erlöſung Chriſti ohne alle Einſchränkung verkün⸗ digen. Sie meinen immer, wenn ſie freihin jedermann die Gnade Gottes verkündigten, ſo möchten ſie die Leute ſicher machen. — Die Concordienformel redet von dieſer ganzen Sache ſo: „Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott gläuben, lehren und bekennen wir einhellig .., daß ein armer Sünder vor Gott gerechtfertiget, das iſt abſolviret, los und ledig geſprochen werde von allen ſeinen Sünden und von dem Urtheil der wohlverdienten Verdammniß, auch angenommen werde zur Kindſchaft und Erbſchaft des ewigen Lebens ohne einig unſer Verdienſt oder Würdigkeit, auch ohne alle vorgehende, gegen⸗ wärtige oder auch folgende Werke aus lauter Gnaden, allein um des einigen Verdienſtes, des ganzen Gehorſams, bittern Leidens, Sterbens und Auferſte⸗ hung unſers HErrn Chriſti willen, des Gehorſam uns zur Gerechtigkeit zu⸗ gerechnet wird. Welche Güter uns in der Verheißung des hei⸗