# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 36 — kann, wie geſagt, kein Menſch in den Himmel kommen, der nicht bekehrt iſt und ein neues Herz hat, aber nicht um der Bekehrung oder dieſes neuen Her⸗ zens willen wird er ſelig, ſondern er muß erſt vor Gott erſcheinen als ein armer Sünder, der gar nichts hat, das Gott gefallen könnte, und der werth wäre, daß er in Abgrund der Hölle käme, dann apellire er an Gottes Barm⸗ herzigkeit und tröſte ſich der vollgiltigen Erlöſung JEſu Chriſti und ergreife ſein ganzes Verdienſt, ſo wird er gerecht. Es muß mit ganzem Ernſt betont werden, daß Gottes Zorn durch Chriſti Thun und Leiden von allen Men⸗ ſchen gewandt iſt und daß durch das Evangelium jeder eingeladen wird: Nun nimm die Gnade hin! Müßte ein Prediger mit dem Gedanken vor eine Zuhörerſchaft hintreten: Auf denen ruht Gottes Zorn noch, und die müſſen bewogen werden, daß ſie ihn verſöhnen — es wäre erſchrecklich; aber weil er weiß, die Erlöſung iſt ſchon für alle geſchehen, Gottes Zorn gegen alle ausgelöſcht, darum kann er getroſt reden: „Laſſet euch verſöhnen mit Gott“, nehmt ſeine Gnadenhand nur an. Die Concordienformel deutet darum auch an, daß ſelbſt Pharao nicht verdammt worden ſei, weil er von Gott nach einem unbedingten Rathſchluß verworfen war, ſondern weil er in der Verſtockung gegen die Gnadenzüge Gottes beharrte. Wenn im Verhält⸗ niß Gottes zu den Menſchen durch Chriſti Leiden und Sterben keine Ver⸗ änderung eingetreten wäre, welche Bedeutung hätte dann das Wort Verſöh⸗ nung? Wir müßten es ausſtreichen aus der Bibel, wenn Gott, nachdem das Werk der Verſöhnung geſchehen iſt, noch denſelben Zorn gegen das Menſchen⸗ geſchlecht hielte, als ob es nicht vollbracht wäre. So gewiß in der Bibel ſteht: „Gott war in Chriſto und verſöhnete die Welt mit ihm ſelber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu“, ſo gewiß muß in ſeinem Herzen kein Zorn mehr ſein, ſofern er ſich die Welt in Chriſto vorſtellt. Das aber, daß Gott die Welt ſo anſehe, iſt nicht eine leere Einbildung, denn in der That hat ja Chriſtus die Sache der Welt auf ſich genommen und damit auch ihre Strafe und den Zorn Gottes, hat alles gethan, was ein Stellvertreter thun muß, und alles bis auf den letzten Heller bezahlt. Wie wäre es denn nun möglich, daß Gott nach dem allem die Menſchen aufs neue mit Zorn und Haß anſehen könnte? So kann man ſich die Welt vorſtellen als die Ge⸗ ſammtheit derer, für die Chriſtus genug gethan hat, und ſo angeſehen iſt lauter Liebe, lauter Gunſt, lauter Gnade über ihr. Nun ſieht ſich aber Gott auch in der Welt um, wie die Leute ſich zu dieſer Erlöſung Chriſti verhalten, und da ſieht er viele, die wollen nicht ſo erlöſ't ſein, ſie wollen dieſe Verſöh⸗ nung nicht annehmen; ſie wollen in neueſter Zeit lieber Abkömmlinge von Affen ſein, lieber zum Vieh gehören. Nun freilich, gegen die iſt ein bis in die unterſte Hölle hinunter brennender Zorn Gottes in ſeinem Herzen. Dabei iſt kein Widerſpruch. Wohl aber widerſpricht ſich das, wenn man behauptet, Gott werde erſt durch unſern Glauben verſöhnt. Gott iſt nicht mehr der Feind, der zu verſöhnen iſt, ſondern der Menſch iſt es; aber ſobald er anfängt zu glauben, nimmt er die Hand Gottes an, und das thut er