# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — Die Wohlthaten des Reiches Gottes ſind nicht nur für die da, die in dieſem Reiche ſind, ſondern ſie ſind für alle da und allen erworben. Platz iſt für alle da, aber nicht alle kommen in Beſitz dieſes Platzes. Diejenigen, welche gegen die Lehre von der Vollkommenheit der Erlöſung Chriſti ſind, ſagen gewöhnlich: Ja, erlöſ't hat uns Chriſtus alle, aber vollkommen ſind wir erſt dann erlöſ't, wenn wir glauben. Die aber das ſagen, bedenken gar nicht, was ſie behaupten. Denn wenn ich dadurch ſelig werden ſoll, daß ich glaube, ich bin erlöſ't, ich bin mit Gott verſöhnt, meine Sünden ſind mir vergeben, ſo muß das alles doch ſchon vorher da ſein. Es wird doch kein Menſch ſo thöricht ſein, zu denken, dadurch, daß er glaube, es geſchehe etwas, bewirke er, daß es wirklich geſchehe; wer ſo dächte, der würde ein abergläu⸗ biſcher Menſch ſein. Das iſt aber ein Chriſt nicht, darum glaubt er, was geſchehen iſt. So gewiß uns nun Gottes Wort zuſagt, wir ſollen durch den Glauben gerecht, mit Gott verſöhnt und ſelig werden, ſo gewiß müſſen alle dieſe Dinge ſchon vor meinem Glauben da ſein, und ſie harren nur, daß ich ſie annehme. Wenn wir behaupten: Was du glauben ſollſt, muß ſchon vorher da ſein, ſo wollen wir den Leuten nicht etwa damit den Troſt geben: Wenn ihr auch nicht glaubt, ſo ſchadet das nichts, ihr könnt deshalb doch in den Himmel ſchlüpfen, denn es iſt ſchon für euch genug gethan. Nein, ſondern wir bezeugen ihnen, daß ihre Verdammniß, ſo ſie nicht glauben, darum eine um ſo ſchrecklichere ſein werde, weil Gott den Tiſch ſchon gedeckt und alles be⸗ reitet hatte, aber ſie wollten nicht kommen; darum ſoll keiner der Verächter ſein Abendmahl ſchmecken. Daß aber der Menſch durch den Glauben allein ge⸗ recht wird, iſt deshalb möglich, weil das, was zum Seligwerden nöthig iſt, bereits da und geleiſtet iſt, ſo daß von meiner Seite nur das Annehmen nöthig iſt. Dieſes Annehmen aber nennt eben die Schrift glauben. Der gerechte Gott könnte keinen Menſchen in den Himmel nehmen, wenn er nicht erſt mit ihm verſöhnt wäre; da er nun in den Himmel nimmt alle, die da glauben, ſo muß Gerechtigkeit und Verſöhnung ſchon da und geſchehen ſein. Das hat Chriſtus uns erworben durch ſein Leben, Leiden und Sterben, und Gott hat es beſtätiget dadurch, daß er ihn auferweckt hat, denn es war die Auferweckung unſeres Bürgen. Die Schwärmer ſehen den Glauben nicht als eine bloße Hand an, ſondern als eine Bedingung, die der Menſch erfüllt und um deren willen Gott den Menſchen in den Himmel aufnimmt, während der Glaube ja nichts iſt, als eine leere Hand, die ich ausſtrecke, damit Gott ſie fülle. Wenn ich alſo weiter nichts hätte, als den Glauben, und nicht Chriſtum (was freilich nicht möglich iſt), ſo würde ich mitſammt mei⸗ nem Glauben znr Hölle fahren, denn nicht die That des Glaubens iſt es, die mich Gott angenehm macht, ſondern Chriſtus iſt es und ſeine Gerechtigkeit, die ich mit der Hand des Glaubens erfaſſe. Das iſt es aber, was alle Schwärmer überſehen. Sie wollen noch irgend einen Platz finden für die Thätigkeit des Menſchen; ſo ſetzen ſie dieſelbe bald in ſeinen Glauben, bald in ſeine Buße, bald in ſeine Bekehrung, bald in ſeine Heiligung. Freilich