# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 34 — auf dem einigen Menſchen JEſu Chriſto liegen, wie der Heilige Geiſt durch Jeſaiam Cap. 53, 6. zeuget, ſo liegen ſie freilich auf der Welt nicht; liegen ſie aber auf ihm nicht, ſo kanns nicht fehlen, ſie müſſen gewißlich noch auf der Welt liegen. Item, ſo Chriſtus aller unſerer Sünden, die wir je gethan haben, ſelbſt ſchuldig worden iſt, ſo ſind ja wir von allen Sünden abſolviret, frei und losgeſprochen; doch iſt ſolches nicht geſchehen durch uns ſelbſt, unſere Werke oder Verdienſt, ſondern durch ihn; ſo er aber unſchuldig iſt und unſere Sünden nicht träget, ſo müſſen wir ſie ſelbſt tragen und darunter, als unter einer ſchweren und unerträglichen Laſt, ſterben und immer und ewiglich ver⸗ derben. Gott aber ſei Lob und Dank, der uns den Sieg und Ueberwindung gegeben hat durch JEſum Chriſtum, unſeren lieben HErrn, Amen.“ (Erkl. des Galaterbriefs VIII, S. 2172. ff.) Die Schwärmer denken ſich die Sache gewöhnlich ſo, daß unſer lieber HErr JEſus Chriſtus deswegen gelitten habe, geſtorben und auferſtanden ſei und überhaupt das, was die Schrift Verſöh⸗ nung nennt, zuwege gebracht habe, damit der liebe Gott jetzt einen Menſchen blos um ſeiner Bekehrung willen doch noch in den Himmel nehmen könne. Sie glauben nicht, daß durch Chriſtum alles ohne Ausnahme geſchehen ſei, was geſchehen mußte, damit uns Gott ſelig machen und das ewige Leben ſchenken kann; das aber, daß durch Chriſtum alles geſchehen ſei und daher ohne unſer Zuthun Gott uns den Himmel frei umſonſt ſchenke, das glauben ſie nicht. Etwas, meinen ſie, bleibe doch auch für den Menſchen noch zu thun, und dieſes Etwas, meinen ſie, ſei die Bekehrung. Die Schrift aber lehrt, daß Chriſtus alles gethan und Verſöhnung mit Gott, Gerechtigkeit, Anrecht an die Kindſchaft Gottes uns ſchon erworben habe, daß es da nur bereit liege und ausgetheilt werde in der heiligen chriſtlichen Kirche durch das Evangelium. Nun hat niemand etwas weiter zu thun, als das Heil anzu⸗ nehmen. Denn die Gerechtigkeit iſt ja da, die Ausſöhnung Gottes mit allen Menſchen geſchehen und iſt nun nichts weiter zu thun, als daß ſich der Menſch deſſen, was Chriſtus gethan hat, tröſte. Das iſt es, was wir ſagen wollen, wenn wir von einer vollkommenen Erlöſung reden. Nicht daß der Menſch ſchon etwas habe und Gott das übrige erſtatte, auch nicht, daß Gott etwas gethan habe und der Menſch das Fehlende dazu thue, ſondern daß Gott alles ſchon ganz allein gethan habe. Wenn Lutheraner, die doch ſonſt lutheriſche Redensarten brauchen, leugnen, daß Gott mit der ganzen Welt verſöhnt ſei, ſo müſſen ſie fort und fort wieder leugnen, was ſie zugegeben haben. Der zürnende Gott kann doch keine Vergebung anbieten, ſondern nur der Gott, der, wie er es im Evangelio offenbart hat, alle in Chriſto liebt, weil ſie durch ihn erworben ſind. Freilich muß ſich der Menſch, der ſelig werden ſoll, be⸗ kehren, aber dieſe Bekehrung iſt es nicht, wofür Gott ſelig macht, ſondern der Weg, auf welchem der Menſch zum Glauben kommt, der nichts thut, als daß er die vollkommene und bereits geſchenkte Erlöſung annimmt.