# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 33 — nichts von Werken, die in Gottes Geſetz oder von Menſchen geboten werden; ſondern allein prediget und lehret ſie von der unbegreiflichen, unausſprech⸗ lichen Barmherzigkeit und Liebe Gottes, die er gegen uns unwürdigen und verdammten Sündern erzeiget hat: nämlich da er, der allergütigſte, barm⸗ herzigſte Vater, geſehen hat, daß wir durch den Fluch des Geſetzes ſo jämmer⸗ lich unterdrückt und darunter ſo gewaltig gehalten wurden, daß unmöglich war, daß wir uns durch unſere eigenen Kräfte in Ewigkeit heraus hätten können wirken, oder uns davon erlöſen und frei machen, hat er deshalb ſeinen eingebornen Sohn in die Welt geſandt, alle Sünden aller Menſchen auf ihn geworfen und alſo zu ihm geſagt: Du ſei Petrus, der da verleugnet hat, Paulus, der da verfolget, geläſtert und alle Gewalt geübt hat, David, der die Ehe gebrochen ꝛc., item der Sünder, der den Apfel im Paradieſe gegeſſen, der Mörder, der am Kreuz gehangen hat, in Summa, du ſollſt ſein, das alle Menſchen ſind, als hätteſt du aller Menſchen Sünde allein gethan; darum denke nun, wie du für ſie bezahleſt und genug thuſt. Da kommt ſo bald das Geſetz, klaget ihn an und ſaget: Da finde ich dieſen unter den Sündern, ja, der aller Menſchen Sünden auf ſich genommen hat und ſie trägt, und ſehe ſonſt in der ganzen Welt keine Sünde mehr, denn auf ihm allein; darum ſoll er herhalten und des Todes am Kreuz ſterben; dringet alſo das Geſetz mit ſeinem Anklagen und Schrecken mit aller Gewalt auf ihn und erwürget ihn. Durch ſolchen unſchuldigen Tod Chriſti iſt die ganze Welt von Sünden gereiniget und entlediget und derohalben erlöſet von dem Tod und von allem Uebel. Weil denn nun durch dieſen einigen Mittler zwiſchen Gott und Menſchen, JEſum Chriſtum, die Sünde und der Tod weggenommen ſind, wäre die ganze Welt wohl allerdings ſo rein, daß unſer HErr Gott darinnen nichts anders ſehen könnte, denn eitel Gerechtigkeit und Heiligkeit, wenn wirs nur gläuben könn⸗ ten. Und ob auch gleich etwas von Sünden noch übrig bliebe, könnte doch Gott ſolche Sünden vor dieſer klaren hellen Sonne, welche Chriſtus iſt, nicht ſehen. Auf jener Seite iſt kein Mangel; denn Chriſtus hat der ganzen Welt Sünde getragen, dafür genug gethan; an uns aber mangelt es, die wirs ſchwächlich glauben. Wenn wirs völlig gläubten, ſo wären wir ſchon aller⸗ dings ſelig und im Paradies; aber der alte Sack, der uns noch am Halſe hänget, der läßt uns zu ſolchem gewiſſen Glauben nicht kommen. Darum iſt hoch vonnöthen, daß wir den Artikel von der Gerechtigkeit, ſo wir in Chriſto haben, ohne Unterlaß treiben, groß und herrlich machen wider die Gerechtig⸗ keit, ſo aus dem Geſetz und Werken kömmt; wie wohl keine Sprache und Redekunſt in der ganzen Welt iſt, die ſeine Größe und Herrlichkeit genugſam begreifen, will geſchweigen, ausreden könne. Und eben dies Argument, das St. Paulus hier handelt, iſt ſehr trefflich und gewaltig wider allerlei Gerech⸗ tigkeit des Geſetzes, will der ſtröhernen Gerechtigkeit menſchlicher Satzungen geſchweigen. Denn der zweier muß gewißlich und unwider⸗ ſprechlich eins wahr ſein: Nämlich, ſo aller Welt Sünden