# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 32 — Welt geliebet, daß er ſeinen eingebornen Sohn gab.“ Demnach that Gott zweierlei, er zürnte über die Sünder, und zu gleicher Zeit liebte er ſie ſo bren⸗ nend, daß er ſeinen eingebornen Sohn für ſie hingab. Liebte er nun die Welt ſchon von Ewigkeit, wie gewiß wird er ſie jetzt noch lieben, nachdem ihm genug gethan iſt! Sieht nun Gott die Welt an ſo, wie für ſie genug ge⸗ than und ihre Schuld durch ſeinen Sohn bezahlt iſt, ſo ſieht er ſie an als eine verſöhnte Welt. Jetzt kommt aber der Einzelne und ſtößt dieſe Verſöh⸗ nung von ſich: den kann er nicht anders anſehen, da derſelbe ohne Chriſtum iſt, als mit ewigem brennenden Zorn. Nach der Erwerbung des Heils zu reden, zürnt er mit keinem Menſchen mehr, aber nach der Zueignung zu reden, zürnt er mit jedem, der nicht in Chriſto iſt. Man kann alſo ſagen: Inſofern der Menſch ein Theil der geſammten erlöſ'ten Menſchheit iſt, zürnt Gott nicht über ihn, inſofern er aber für ſeine Perſon ein Ungläubiger iſt, zürnt Gott mit ihm. Doch liegt hier ein un⸗ ausſprechliches und unergründliches Geheimniß. In Gott ſind ja nicht Bewegungen, wie in uns Menſchen, die wir bald ſo geſinnt ſind, bald anders, bald dieſe Empfindungen haben, bald jene. Von ihm ſteht ja geſchrieben: „Du bleibeſt wie du biſt.“ Mit ſeinem Weſen eins iſt aber alles, was Gott denkt und will. Gerade dieſe Einheit und Unveränderlichkeit Gottes bei dem, was ihm die heilige Schrift gegen den Sünder, wenn er nicht glaubt, und dann, wenn er glaubt, zuſchreibt, iſt uns ein undurchdringliches Geheimniß, weshalb wir auch nicht im Stande ſind, uns davon einen klaren Begriff zu machen, wie Gott die ganze Welt lieben, und doch zugleich mit dem einzelnen Ungläubigen zürnen kann; aber beides lehrt die heilige Schrift klar. Nun iſt es lutheriſche Weiſe: finden wir in Gottes Wort zweierlei, das wir nicht reimen können, ſo laſſen wir eben beides ſtehen und glauben beides ſo, wie es lautet. Ein Widerſpruch iſt indeſſen nicht darin, daß die heilige Schrift dies beides lehrt: Gott liebt die Welt und haßt die Ungläubigen; es muß eben hin⸗ zugedacht werden: in anderer Beziehung. Es iſt damit ähnlich, wie wenn wir ſagen: der Menſch iſt ſterblich und er iſt auch nicht ſterblich. Sterblich iſt er in Rückſicht ſeiner leiblichen Beſchaffenheit, und er iſt nicht ſterblich in Be⸗ zug ſeiner geiſtigen Beſchaffenheit. Chriſtus hat ſich an die Stelle der ganzen Welt geſtellt und für ſie genug gethan. So ſtellt ſich nun auch der große Gott die Welt vor, und ſofern er dies thut, ſo iſt ſein Vaterherz allen zuge⸗ neigt; aber freilich nicht außer Chriſto; wenn er die ungläubige Welt außer ihm betrachtet, ſo flammt das Feuer ſeines Zornes über ſie in Ewigkeit. Ja, wenn es möglich wäre, ſo müßte ſein Zorn jetzt noch größer ſein, als da er durch die Uebertretung des Geſetzes angezündet wurde. Fragt man nun, ob man ſagen könne, die Geſammtheit ſei wohl losgeſprochen, aber nicht die Einzelnen? ſo iſt zu antworten: Gott iſt durch Chriſtum mit allen und mit jedem Einzelnen verſöhnt. Jedoch über jede einzelne Perſon muß ein Ge⸗ richt ergehen entweder der Abſolution oder der Verdammniß. Luther ſagt hierüber: „Die allerliebſte und troſtreichſte Lehre des Evangeliums redet gar