# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 31 — gehorſam viel Sünder geworden ſind, alſo auch durch eines Gehorſam wer⸗ den viele gerecht.“ Röm. 5, 18. 19. Die Vergleichung beſteht alſo darin: Wie Sünde und Verdammniß über alle gekommen iſt durch Adam, ſo iſt Ge⸗ rechtigkeit und Seligkeit über alle gekommen durch Chriſtum, wie der Tod über alle gekommen iſt durch Adam, ſo das Leben durch Chriſtum. Die Allgemeinheit der Erlöſung iſt aber ſo anzuſehen, wie man etwa von einer Anzahl Sclaven, die losgekauft wurden, ſo bald das Geld für ſie bezahlt iſt, ſagt: die ſind alle frei, obwohl ſie, wenn ſie die Löſung nicht annehmen, nicht frei ſind als einzelne Perſonen. Sie ſind frei nach der Abſicht deſſen, der ſie losgekauft hat, aber gefangen wegen ihres böſen Willens. So hat Chriſtus die Menſchen, die Sclaven des Todes, des Teufels und der Hölle, alle frei gemacht, denn er hat alles bezahlt, was von ihnen zu fordern war, ſo daß keiner mehr ein Sclave ſein muß; aber trotzdem bleiben doch die meiſten in der Gefangenſchaft liegen, weil ſie ſein Löſegeld nicht für vollgiltig halten. Darum verdammt jetzt nach Chriſti Tod und Auferſtehung nicht ſowohl mehr die und jene Sünde, als der Unglaube, welcher die Sünde aller Sünden iſt. So ſagt darum auch der HErr: „Der Heilige Geiſt wird die Welt ſtrafen um die Sünde“ und ſetzt gleich hinzu: „Um die Sünde, daß ſie nicht glauben an mich“, anzuzeigen, daß, nachdem er, der Sohn Gottes, uns Menſchen frei gemacht hat, auch die Schuld der ganzen Welt wahrhaftig getilgt ſei. Dies bezeugt auch inſonderheit die Auf⸗ erſtehung Chriſti. Was war die Auferſtehung Chriſti? Sie war eine That Gottes, durch welche Chriſtus für gerecht erklärt wurde. Chriſtus war aber in den Tod gegangen, beladen nicht mit eigenen, ſondern mit den Sünden der ganzen Welt und mit aller ihrer Ungerechtigkeit. Um dieſer Sünden willen wurde er vom Vater verurtheilt, und dies Urtheil wurde an ihm voll⸗ ſtreckt; darum ſank er in den Tod. Als nun der Vater ihn wieder auf⸗ erweckte, erklärte er damit: Die Schuld iſt getilgt, er iſt gerecht. So wenig aber Chriſtus es war, der für ſeine Perſon verdammt wurde, ſondern die Menſchheit, deren Sünde er trug, ſo wenig iſt Chriſtus für ſeine Perſon durch die Auferſtehung erſt gerecht geworden; gerecht wurde aber dadurch die Menſch⸗ heit, für die er ſtarb und auferſtand. Wenn gefragt wird, wie das zu reimen ſei, daß einerſeits die heilige Schrift lehre, daß durch Chriſti Auferweckung die ganze Welt abſolvirt ſei, und daß ſie doch andererſeits bezeuge, daß die Schuld auf den Ungläubigen bleibe, ſo lange ſie im Unglauben verharren, ſo iſt zu antworten: Man muß zweierlei Weiſe unterſcheiden, wie Gott die Menſchen anſieht. Wenn Gott die Welt in Chriſto, ſeinem Sohne, anſieht, ſo ſieht er ſie an mit der innigſten Liebe; ſieht er aber die Welt an außer Chriſto, ſo kann er ſie nicht anders anſehen, als mit brennendem Zorn. Wer alſo nicht an Chriſtum glaubt, ja, Chriſtum verwirft, über dem bleibet der Zorn Gottes, trotzdem daß er denſelben, wenn er ihn in ſeinem Sohn an⸗ ſchaut und gedenkt, wie der auch für ihn genug gethan habe, mit Augen voll Liebe anſchaut; wie denn die Schrift ſagt Joh. 3, 16.: „Alſo hat Gott die