# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 30 — unſere, ſondern auch für der ganzen Welt Sünde.“ 1 Joh. 2, 2. Und Joh. 1, 29. wird er genannt „das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.“ Es heißt von ihm 2 Cor. 5, 19.: „Gott war in Chriſto und ver⸗ ſöhnte die Welt mit ihm ſelber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu“ ꝛc., und Col. 1, 20.: „daß alles durch ihn verſöhnet würde zu ihm ſelbſt“, und daß „er von Gottes Gnaden für alle den Tod ge⸗ ſchmeckt“ habe. Ebr. 2, 9. Alle dieſe Stellen lehren, daß die Erlöſung, welche durch Chriſtum geſchehen iſt, für alle geſchah. Zur Erklärung der Worte: Chriſtus iſt der zweite Adam, dient, was die Apologie ſagt: „Die ganze Welt aber wird darum Gott unterthan, unterworfen durchs Geſetz; denn durch das Gebot des Geſetzes werden wir alle angeklaget, aber durch die Werke des Geſetzes wird niemands gerecht, denn durch das Geſetz wird die Sünde erkannt, aber die Schuld wird aufgelöſet durch den Glauben, und es ſcheinet wohl, als hätte das Geſetz Schaden gethan, denn es alle zu Schanden gemacht hat; aber der HErr Chriſtus iſt kommen und hat uns die Sünde, welche niemands konnte meiden, geſchenkt und hat die Handſchrift durch Ver⸗ gießen ſeines Blutes ausgelöſcht. Und das iſt, das Paulus ſagt zu den Römern Cap. 5, 20.: Die Sünde iſt mächtig geworden durchs Geſetz, aber die Gnade iſt noch mächtiger worden durch JEſum. Denn dieweil die ganze Welt iſt ſchuldig worden, ſo hat er der ganzen Welt Sünde weggenommen, wie Johannes zeugt: Siehe, das iſt das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde wegnimmt.“ (Symb. BB. von Müller S. 106.) Zwar muß man den Parallelismus nicht zu weit führen zwiſchen Adam und Chriſto, denn in einer Art iſt es anders mit der Gnade, als mit dem Fluch. Sobald ein Menſch ein Menſch iſt, iſt er freilich im Beſitz des Fluches, nicht ſo aber iſt er auch gleich im Beſitz des Verdienſtes Chriſti. Der Schatz iſt freilich für alle Men⸗ ſchen da, die Schuld aller iſt bezahlt, ſo daß im Blute Chriſti aller Menſchen Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit wieder gebracht iſt; damit aber der Menſch in perſönlichen Beſitz dieſer Güter komme, muß er das Werk Chriſti anerken⸗ nen, ſeine Gnade annehmen, glauben, und inſofern iſt ein Unterſchied zwiſchen Adam und Chriſto. Adam war nicht ein Mittler, ſondern ein Stamm⸗ vater, welcher den Tod fortpflanzte in ſeinen natürlichen Kindern. Chriſtus aber pflanzt nicht das Leben fort durch natürliche Nachkommenſchaft, ſondern geiſtlich, wenn der ſündige Menſch ſein Werk anerkennt und ſein Heil annimmt, welches durch den Glauben geſchieht. So müſſen wir die Bezahlung Chriſti, welche für alle dargelegt iſt, als unſer Eigenthum an⸗ nehmen und uns derſelben tröſten, ſo daß ſie uns als Einzelnen zugerechnet wird. Es ſteht ja nicht da: Wie durch einen Menſchen alle Menſchen in Sünden gezeugt ſind, ſo werden durch einen wieder alle gerecht gezeugt, ſon⸗ dern ſo ſteht da: „Wie durch eines Sünde die Verdammniß über alle Men⸗ ſchen gekommen iſt, alſo iſt auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menſchen gekommen. Denn gleichwie durch eines Un⸗