# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 29 — Man ſpricht nämlich, wenn man die ganze Lehre von der Rechtfertigung darſtellen will, in der Regel von drei Urſachen, wenn man nämlich ver⸗ mittelſt des Urſachprincips die ganze Lehre beſchreiben will. Man fragt dann erſtlich, was iſt die bewirkende, was die bewegende und endlich, was die Mittel⸗Urſache, wodurch das, was die bewirkende mir zugedacht hat, in mei⸗ nen Beſitz kommt? Jene erſte Urſache der Rechtfertigung nun iſt der drei⸗ einige Gott; das aber gibt Jedermann, der noch von Rechtfertigung reden will, zu; darum wollen wir hier gar nicht weiter davon ſprechen. Die zweite Urſache iſt eine zweifache, eine innerliche und eine äußere. Die innerliche iſt Gottes Gnade und Barmherzigkeit; die leugnet wieder Niemand, ſelbſt der Pabſt nicht. Nun aber kommt eine neue Frage, nämlich: welches iſt die äußere Bewegurſache? Da ſagen wir nun: Das iſt die Erlöſung JEſu Chriſti, die bewegt den lieben Gott, uns arme verfluchte Sünder gerecht zu erklären. Der Mittelurſachen gibt es wieder zwei Arten, die einen ſind die von Seiten Gottes, die andere von Seiten des Menſchen. Von Seiten Gottes ſind es Wort und Sacrament. Da gehen denn ſchon alle Parteien auseinander. Von Seiten des Menſchen iſt es der Glaube, und hier iſt eine wahrhaft babyloniſche Verwirrung unter den Secten, wenn es nämlich dazu kommt, zu erklären, was Glaube ſei. Dem einen iſt es etwas im Verſtand Vorgehendes, dem andern das, was er im Gemüth empfindet ꝛc. Wollen wir uns darum unſerer Einigkeit bewußt werden, ſo wird es ſich alſo zunächſt um die äußere bewegende Urſache der Rechtfertigung, um die Erlöſung, und um die Mittelurſachen, d. i. um Wort und Sacrament und um den Glauben, handeln. Sind wir in dieſen Punkten einig, ſo ſind wir auch in der ganzen Lehre wahrhaft einig; denn bei dieſen Punkten findet ſich aller Unterſchied in der Chriſtenheit. Zwar kann man dieſe Lehre nicht betrachten, ohne das gänzliche Verderben des Menſchen, um deſſen willen derſelbe ein Kind des Zorns und der Verdammniß iſt von Natur, mit zu betrachten, allein der Blick muß vor allem darauf gerichtet bleiben, wie der verlorne und verdammte Menſch gerecht und ſelig wird. Theſis 4: „Wie in Adam alle Menſchen gefallen und unter den Zorn Gottes und die ewige Verdammniß als Strafe der Sünden gerathen ſind, ſo ſind auch in Chriſto als dem zweiten Adam alle Menſchen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle wahrhaftig erlöſ't worden und Gott iſt mit ihnen allen wahrhaftig verſöhnt.“ In dieſer Theſis wird ausgeſagt, daß gleichwie in Adam der Fall und ſeine Folgen über alle Menſchen gekommen ſei und alſo alle an dieſem Fall Theil haben, ſo ſei auch die Erlöſung, welche durch Chriſtum JEſum geſchehen iſt, nicht nur für einige wenige, ſondern ſchlechthin für alle Menſchen, alſo auch für die, welche verloren gehen, geſchehen. Dies beweiſ't die heilige Schrift, wenn ſie von der Erlöſung durch Chriſtum ohne Einſchränkung redet und ihr eine ſolche Allgemeinheit zuſchreibt, wie dem Fall Adams. „Chriſtus“, ſagt der Apoſtel, „iſt die Verſöhnung für unſere Sünden, nicht allein aber für