# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 28 — jetzt, an wen wir glauben: dann haben ſie das beſte Theil für Zeit und Ewigkeit; dann halten ſie auch Kirchen und Synoden nicht mehr für Pfaffen⸗ inſtitute, die viel verbrauchen, aber Niemanden nützen, ſondern ſie wiſſen dann, daß es ſich immer darum handelt, ihnen und der ganzen Welt die frohe Botſchaft zu bringen: Ihr ſeid erlöſ't und ſelig gemacht! Glaubts nur, nehmts nur an! Und willig helfen ſie dann zur Verbreitung dieſer Botſchaft mit ihren Gaben. So überaus wichtig nun dieſe Lehre iſt, ſo kann ſie doch gepredigt werden in ihrer Fülle und ganzen Kraft, in ihrer Helle und ihrem Troſtesreichthum auch von weniger Begabten. Als die Reformation anfing, was für Prediger hatte man da? Alſo was für Truppen, um ſie dem Teufel und ſeinem Reich entgegen zu ſtellen? Es ſah damit ärmlich genug aus, ſo daß man nach menſchlicher Anſicht hätte ſagen müſſen: Du armer Luther, geh in deine Zelle und verkrieche dich, denn mit deinen armen banquerotten Prieſterlein wirſt du nichts ausrichten. Allein, ſiehe da, ſie hatten den Ar⸗ tikel rein, daß der Menſch gerecht werde aus Gnaden allein durch den Glau⸗ ben, und damit waren ſie eine unüberwindliche und ſieghafte Macht. Aehn⸗ lich ſteht es auch jetzt bei uns. Wie viel auch armer junger Studenten aus unſern Anſtalten hervorgehen, die ſo ſchwach ſind, daß, wenn man ſie mit denen vergleicht, welche vor 200 Jahren entlaſſen wurden, man verzagen möchte, ſo brauchen wir doch nicht zu verzagen; denn auch der Allerſchwächſte, wenn er nur die Lehre, daß die Gnade Gottes in Chriſto JEſu für alle Men⸗ ſchen erſchienen iſt und durch den Glauben ergriffen wird, erfaßt hat, kann den Leuten ſo predigen, daß ſie ihrer Seligkeit gewiß werden; und das wiegt alle Weisheit und alle Gaben und alle Schätze der Welt auf. Solchen Predigern wird es auch nie an Stoff fehlen. Sie werden immer von dem zu reden wiſſen, was Gott aus Gnaden an uns gethan hat, und das wird ihnen immer neue Freudigkeit geben. Was iſt denn alle Gelehrſamkeit, ſo nöthig ſie ja iſt an ihrem Platze, gegen die Weisheit Gottes, welche dann verkündigt wird, wenn auch nur der Spruch ausgelegt wird: „Alſo hat Gott die Welt geliebet“ ꝛc.? Darüber freuen ſich die armen Sünder, dar⸗ über wundern ſich alle heiligen Engel, davor ſollte die ganze Welt auf die Kniee ſinken und Gloria und Halleluja rufen. Wenn unſere angehenden Kirchendiener das predigen, dann ſind ſie die Leute, welche eine Reformation auch in dieſem Lande anfangen können; wie denn ja auch bereits auf die⸗ ſem Wege ein kleiner Anfang gemacht iſt. Denn das macht wirklich leben⸗ dige Gemeinden, nicht ſolche, die ein großes Geſchrei machen von ihrem Leben und ihren Thaten, ſondern ſolche, die, in dieſer Lehre lebend, Gott williglich opfern im heiligen Schmuck. Summa: lernen wir es an Luther, daß wir hier keine Reformation anrichten können, wenn wir nicht dieſe Lehre feſt glauben, mit göttlicher Gewißheit verkündigen und feſthalten und bewahren. In der dritten Theſis wird die Aufmerkſamkeit hauptſächlich auf drei Punkte gelenkt: 1. auf die Lehre von der allgemeinen Erlöſung der Welt, 2. auf die Lehre von den Gnadenmitteln, und 3. auf die Lehre vom Glauben.