# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 23 — thum oder Rottengeiſt wehren möge. Und von dieſem Artikel ſagt Paulus inſonderheit, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig verſäuere. Darum er die particulas exclusivas, das iſt die Worte (nämlich ohne Geſetz, ohne Werk, aus Gnaden), dadurch die Werke der Menſchen ausgeſchloſſen, in dieſem Artikel mit ſo großem Eifer und Ernſt treibet, damit anzuzeigen, wie hoch es vonnöthen ſei, daß in dieſem Artikel neben reiner Lehre die antithesis, das iſt, alle Gegenlehre dadurch abgeſon⸗ dert, ausgeſetzt und verworfen werde.“ — Erſt dann gewinnt der Streit gegen die falſche Lehre für den einzelnen Chriſten praktiſche Bedeutung, wenn er ſieht, wie durch die Fälſchung anderer Stücke auch dieſe Lehre nicht rein bleiben kann. Gar ſchön weiſ't Luther nach in ſeiner Schrift von Conciliis und Kirchen, daß z. B. bei der Neſtorianiſch⸗Zwingliſchen Lehre von der Perſon Chriſti die von der Rechtfertigung unmöglich rein bleiben könne.*) So weiſ't er nach, daß die Lehre von der Rechtfertigung in der That ver⸗ nichtet wird durch die gottloſe reformirte Lehre, daß nicht Gott am Kreuz geſtorben ſei, ſondern nur der Menſch Chriſtus. Tröſte ſich doch einer, wenn er dieſem Irrthum anhängt, in Todesnoth des Blutes eines bloßen Men⸗ ſchen! Da gibt nichts Troſt, als das Blut JEſu Chriſti, des Sohnes Gottes, für die Sünden der Welt vergoſſen, wovon ein Tröpflein mehr werth iſt, als alles Geld, Gut und Werk der Menſchen, ja, mehr als Himmel und Erde. Wie aber an dieſem, ſo könnte man es an allen Artikeln nach⸗ weiſen, daß, wo einer angegriffen wird, da zugleich die Lehre von der Rechtfer⸗ tigung angetaſtet werde. Man nennt dieſen Artikel auch oft articulus stan⸗ tis et cadentis ecclesiæ (den Artikel der ſtehenden und fallenden Kirche), und er iſt das auch. Dr. Luther redet darüber alſo: „Dieſes iſt der höchſte Artikel unſers Glaubens. Wenn man nun denſelben entweder hinweg *) „Wir Chriſten“, ſchreibt er, „müſſen das wiſſen: wo Gott nicht mit in der Waage iſt und das Gewicht gibt, ſo ſinken wir mit unſerer Schüſſel zu Grunde. Das meine ich alſo: wo es nicht ſollte heißen: Gott iſt für uns geſtorben, ſondern allein ein Menſch, ſo ſind wir verloren. Aber wenn Gottes⸗Tod und Gott⸗geſtorben in der Waageſchüſſel liegt, ſo ſinket Er unter und wir fahren empor als eine leichte ledige Schüſſel.“ (XVI, 2728.) Aehnlich ſchreibt Luther von der Zwingliſchen Allöoſis, nach welcher in der Schrift die Gottheit genannt und die Menſchheit gemeint ſein ſoll: „Hüte dich, hüte dich, ſage ich, vor der Allöoſi; ſie iſt des Teufels Larve; denn ſie richtet zuletzt einen ſol⸗ chen Chriſtum zu, nach dem ich nicht gern wollte ein Chriſt ſein, nemlich daß Chriſtus hinfort nicht mehr ſei, noch thue mit ſeinem Leiden und Leben, denn ein anderer ſchlechter Heiliger. Denn wenn ich das gläube, daß allein die menſchliche Natur für mich gelitten hat, ſo iſt mir Chriſtus ein ſchlechter Heiland; ſo bedarf er wohl ſelbſt eines Heilands .. Dahin führet ihn ſein Dünkel und die verdammte Allöoſis, daß er die Perſon Thriſti zertrennet und läßt uns keinen andern Chriſtum bleiben, denn einen lauteren Menſchen, der für uns geſtorben und uns erlöſet habe. Welches chriſtliche Herz kann doch ſolches hören oder leiden? Iſt doch damit der ganze chriſtliche Glaube und aller Welt Seligkeit allerdings weggenommen und verdammt. Denn wer allein durch Menſchheit erlöſet iſt, wird auch nimmermehr erlöſ't.“ (Großes Bekenntniß. XX, 1180. 1206. f.)