# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 22 — dieſe Worte in der Schrift zu verſtehen, was Vergebung der Sünden ſei, was Glauben, was Gnade, was Gerechtigkeit ſei, ſo haben ſie dieſen edlen, hoch⸗ nöthigen, fürnehmſten Artikel, ohne welchen niemand Chriſtum erkennen wird, jämmerlich beſudelt und den hohen, theuern Schatz des Erkenntniß Chriſti, oder was Chriſtus und ſein Reich und Gnade ſei, gar unterdrückt und den armen Gewiſſen einen ſolchen ſo edlen großen Schatz und ewigen Troſt, daran es gar gelegen, jämmerlich geraubet.“ Dieſe Worte müſſen wir zu unſerer Zeit wiederholen. Nicht nur die Papiſten haben damals dieſen Brunnen des Heils ſchändlich beſudelt, ſondern dasſelbe haben alle Secten wieder gethan, die nach der Reformation aufgekommen ſind. Man glaubt das freilich heut zu Tage vielfach nicht mehr. Allein wir müſſen der Unio⸗ niſterei unſerer Zeit kräftig entgegen treten, da man ſich ſo leicht verführen läßt, zu glauben: In der Lehre von der Rechtfertigung ſeien wir doch mit den Methodiſten, Presbyterianern ꝛc. einig, wenn auch freilich nicht in der Lehre vom Abendmahl, von der Perſon Chriſti ꝛc. Wir müſſen es bezeugen, daß ſich kein Schatten der rechten Lehre von der Rechtfertigung in den den Secten eigenthümlichen Lehrſyſtemen findet. Freilich, die Worte ſprechen ſie auch aus: Wir werden gerecht aus Gnaden allein durch den Glauben; aber kaum haben ſie das geſagt, ſo weiſen ſie den Menſchen auf ſeine Buße, ſein Ringen und Kämpfen, ſeine Heiligkeit, und es tritt ſo zu Tage, daß ſie den Menſchen doch durch ſich ſelbſt in den Himmel bringen wollen. Wer aber das thut, der nimmt uns das göttliche Licht, das uns allein noch leuchten kann in der Sündennacht dieſer Welt und läßt uns in greulicher Finſterniß. Darum: „Von dieſem Artikel kann man nichts weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erden und was nicht bleiben will. Denn es iſt kein an⸗ derer Name den Menſchen gegeben, dadurch wir können ſelig werden, ſpricht Petrus Ap. Geſch. 4, 12. Und durch ſeine Wunden ſind wir geheilet, Eſ. 53, 3. Und auf dieſem Artikel ſteht alles, was wir wider den Pabſt, Teufel und Welt lehren und leben. Darum müſſen wir des gar gewiß ſein und nicht zweifeln, ſonſt iſt es alles verloren und behält Pabſt und Teufel und alles wider uns den Sieg und Recht.“ (Schmalk. Art. 2. Theil.) Dieſe Worte ſollten wir alle auswendig können. Um dieſes Artikels willen nennt uns der Pabſt Ketzer und die Secten ſprechen, wenn wir denſelben predigen, wir halten die Bekehrung auf und machen die Leute ſicher. Sie behalten daher Recht wider uns, ſo bald wir ihnen in dieſem Artikel weichen. Die Concordienformel ſagt im Artikel von der Rechtfertigung: „Dieſer Ar⸗ tikel von der Rechtfertigung des Glaubens (wie die Apologie ſagt) iſt der vornehmſte der ganzen chriſtlichen Lehre, ohne welchen kein arm Gewiſſen einigen beſtändigen Troſt haben, oder den Reichthum der Gnaden Chriſti recht erkennen mag, wie auch Dr. Luther geſchrieben: Wo dieſer einige Artikel rein auf dem Plan bleibet, ſo bleibet die Chriſtenheit auch rein und fein einträchtig und ohn alle Rotten; wo er aber nicht rein bleibet, da iſts nicht möglich, daß man einigem Irr⸗