# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 21 — Stern aller Lehre ſei, in welchen alle andern Lehren hineingewachſen ſind und aus dem ſie auch wieder heraus fließen. Auf dieſem Artikel beruht alle Selig⸗ keit, und darum iſt er für jeden Chriſten unbedingt nothwendig. Es würde nichts helfen, wenn einer alle andern Lehren, z. B. die von der heiligen Drei⸗ einigkeit, von der Perſon Chriſti ꝛc. genau kennen würde, wenn er dieſen nicht wüßte und glaubte. Ein Fehler in irgend einem andern Artikel würde nicht ſo großen Schaden anrichten für die Seele des Chriſten, als ein Irr⸗ thum in dieſer Lehre. Und wie es mit dem einzelnen Chriſten iſt, ſo iſt es auch mit der ganzen Kirche bewandt. Ihr iſt dieſer Artikel unentbehrlich, wenn ſie Seelen aus des Teufels Gewalt in Gottes Reich einführen ſoll. Re⸗ den wir von der Rechtfertigung, ſo reden wir von der chriſtlichen Religion, denn die Lehre der chriſtlichen Religion iſt eben keine andere, als die Offen⸗ barung Gottes darüber, wie man vor Gott gerecht und ſelig wird durch die Erlöſung, ſo durch Chriſtum JEſum geſchehen iſt. Alle andern Religionen zeigen andere Wege, die zum Himmel führen ſollen. Die eine verlangt, man müſſe gute Werke thun und ſo den Himmel verdienen; die andere, man müſſe ſehr tugendhaft ſein, ſich ſehr um die Welt verdient machen, dann erlange man das Heil; die chriſtliche Religion allein zeigt einen andern Weg zum Himmel durch ihre Lehre von der Rechtfertigung, und damit etwas für die ganze Welt Unerhörtes und Ungeahntes, Gedanken, die im Herzen Gottes verborgen waren vor Grundlegung der Welt. Darum verlieren alle andern Lehren ihre Bedeutung, wenn die Lehre von der Rechtfertigung nicht recht iſt. Es kann uns gleichgiltig ſein, ob das Weſen Gottes in drei oder ſechs Perſonen beſtehe, ſo lange wir ihn fürchten müſſen als den eifrigen Gott über uns Sünder. Erſt dann, wenn wir wiſſen und glauben, daß wir armen Sünder aus Gnaden durch Chriſtum mit Gott dem Vater verſöhnt ſind und allein durch den Glauben, den der Heilige Geiſt allein wirkt, die Gerechtigkeit erlangen, die vor Gott gilt, wird die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit eine Lehre voll Troſtes und Seligkeit. Wer uns darum jene Lehre angreift, der taſtet uns die ganze Lehre, die ganze Bibel, die ganze chriſtliche Religion an. So lang dieſe Lehre bei uns ganz rein iſt, kann kein Irrthum in andern Punkten bei uns haften. Es iſt ſo, wie Luther wiederholt ſagt: „Dieſe Lehre leidet keinen Irrthum.“ Sie iſt die Sonne am Himmel der Kirche und wo ſie aufgeht, da müſſen alle Schatten verſchwinden. Unſer Concordien⸗ buch ſagt hierüber in der Apologie Artikel 4: „Dieweil aber ſolcher Zank iſt über dem höchſten fürnehmſten Artikel der ganzen chriſtlichen Lehre, alſo, daß an dieſem Artikel ganz viel gelegen iſt, welcher auch zu klarem richtigen Verſtande der ganzen heiligen Schrift fürnehmlich dienet, und zu dem un⸗ ausſprechlichen Schatz und dem rechten Erkenntniß Chriſti allein den Weg weiſet, auch in die ganze Bibel allein die Thür aufthut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewiſſen einen rechten beſtändigen gewiſſen Troſt haben oder die Reichthümer der Gnaden Chriſti erkennen mag: — ſo bitten wir .... Denn dieweil die Widerſacher gar nichts verſtehen noch wiſſen, was durch