# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — Unter den Gegenſtänden, welche der Conferenz zur Beſprechung und Be⸗ ſchlußnahme vorlagen, wurden nun zunächſt die von Prof. Loy entworfenen Theſen über die Frage: „Was iſt unſere Aufgabe der engliſchen Bevölkerung unſeres Landes gegenüber?“ aufgenommen und in der zweiten und dritten Sitzung eingehend beſprochen. Theſis 1 lautet: „Die evangeliſch⸗lutheriſche Kirche hat unſtreitig die Aufgabe, die großen Thaten Gottes in engliſcher Sprache hier zu Lande zu verkündigen, zum Erſten, weil ſie ſonſt dem Befehl des HErrn, allen Völ⸗ kern das Evangelium zu predigen, nicht nachkäme, und zum Andern, weil ſie ſonſt ihrer ſpeciellen Pflicht in dieſem Lande nicht nachkommen würde.“ Die Conferenz erkannte, daß es Pflicht der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche ſei, auch außerhalb ihrer nächſten Grenzen das Evangelium zu verkündigen, denn da ſteht Chriſti Befehl: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Creatur.“ Nur zu eng geſpannte Gewiſſen könnten mei⸗ nen, dieſe Worte hätten nur den Apoſteln gegolten, da der HErr ja gleich dazu geſetzt habe: „Und ſiehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Damit deute er ja an, daß der Befehl, wie die Verheißung ſeiner Gnadengegenwart, der Kirche aller Zeiten gegeben ſei. Wollen wir es alſo wagen, uns einen Theil der ganzen Kirche Chriſti zu nennen, ſo müſſen wir uns auch zu unſerm Theil an der ganzen Pflicht dieſer Kirche bekennen. Dazu komme gerade bei uns noch hinzu, daß wir in dieſem Lande unter ſo eigenthümlichen Verhältniſſen leben, wie ſie wohl in keinem andern Lande der Erde ſich wieder finden. Durch den traurigen wiedertäuferiſchen Geiſt der Secten um uns her iſt es ja dahin gekommen, daß hier Tauſende bei uns leben, welche als Ungetaufte keiner kirchlichen Gemeinſchaft angehören. Dieſe verſchmachteten und zerſtreuten Schafe ſollen aufgeſucht werden, derer ſoll man ſich annehmen, denn ſie ſind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Zwar ſei unſere Aufgabe hier nicht die, welche die Kirche unter den Heiden hat, ſon⸗ dern die, einem Volke, welches zwar noch Stücke der göttlichen Wahrheit kennt, aber zugleich große und gefährliche Irrthümer feſthält, das volle ſelig⸗ machende Evangelium zu bringen. Iſt es doch in gar vielen noch chriſtlich ſein wollenden Gemeinden dahin gekommen, daß Chriſtus gar nicht mehr unter ihnen verkündigt wird, ſondern die Leute mit dem Stroh menſchlicher Klugheit abgeſpeiſ't werden. Unter ſolchen Umſtänden dürfte ja einmal ein Rückſchlag erfolgen und eine Zeit kommen, in der das amerikaniſche Volk wieder einen Hunger nach dem im Lande theuer gewordenen reinen Worte des Evangeliums bekommt. Da ſollen wir denn auch an unſerem Theile bereit ſein, und Leute haben, welche dem engliſchen Volke die reine ſeligmachende Wahrheit auch in ihrer Sprache verkündigen können. Zwar müſſen wir uns nicht einbilden, daß eine ſolche Arbeit von unſerer Seite auch alsbald große Erfolge haben werde. Wir müſſen im Gegentheil zum Voraus wiſſen, daß