# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 7 — an aller unſerer Kunſt, Weisheit und Tüchtigkeit verzagen und auf alle eigene Ehre bei unſerem Werke gänzlich verzichten. Und was wird dann zum andern jede einzelne Synode unſeres Verban⸗ des thun? Eine jede wird ſich dann nicht ſowohl darüber freuen, daß ſie ſelbſt, ſondern daß Chriſti Reich einen Zuwachs erhalte; und wenn dies nicht durch ſie, ſondern durch andere geſchieht, wird ſie mit Paulus ſagen: „Was iſt ihm denn? Daß nur Chriſtus verkündigt werde, ſo freue ich mich doch darinnen, und will mich auch freuen.“ Ja, iſt und bleibt die Seligmachung der Seelen vor allem der Endzweck jeder Synode unſeres Verbandes, ſo wird eine jede es ſogar für einen beklagenswerthen Verluſt achten, wenn zwar ſie gewönne, Chriſtus aber dadurch auch nur Eine Seele verlöre. Welchen Einfluß wird es aber endlich drittens auch auf unſere lieben Gemeinden und ihre Prediger und auf das Verhältniß derſelben zu einander haben, wenn alle für den Einen Endzweck unſerer gemeinſamen Arbeit die Seligmachung der Seelen erkennen? Dann werden ſie alle ebenſo friedlich als eifrig an Einem Joche ziehen. Mögen dann immerhin allerlei Streit⸗ fragen auftauchen — die Frage: Wodurch wird am beſten für die Seligkeit der Seelen geſorgt? wird dann immer ſchnell die rechte Löſung geben. Wie leicht werden ſich dann die fließenden Grenzen jeder Gemeinde regeln laſſen! Dann werden unſere lieben Gemeinden einander wie einſt Abraham dem Loth in allen ſolchen Fällen zurufen: „Lieber, laß nicht Zank ſein zwiſchen mir und dir, und zwiſchen meinen und deinen Hirten; denn wir ſind Gebrüder. Willſt du zur Linken, ſo will ich zur Rechten; oder willſt du zur Rechten, ſo will ich zur Linken.“ Das, wodurch Chriſto die meiſten Seelen gewonnen werden, das möge zwiſchen uns entſcheiden. Wie weit entfernt wird daher dann eine Gemeinde und ihr Prediger auch davon ſein, diejenigen, welche von einer anderen Gemeinde um des Seelenheils willen in heilige Zucht genom⸗ men worden ſind, als willkommene Ueberläufer mit Freuden aufzunehmen! Wie weit entfernt werden wir dann ſein, einander Dinge aufnöthigen zu wollen, welche frei ſind und die unbeſchadet der Seligkeit ſo oder auch anders ſein können! Kurz, ſo lange unſere Synodal⸗Conferenz die Seligmachung der Seelen zu dem Endzweck ihrer gemeinſamen Arbeit machen wird, ſo lange wird ſie auch immer Johannes dem Täufer von Herzen nachſprechen: „Er muß wachſen, ich aber muß abnehmen“, und eine jede unſerer Synoden, eine jede unſerer Gemein⸗ den und ein jeder unſerer Prediger wird nach dem Grundſatz des heiligen Pau⸗ lus handeln: „Wiewohl ich frei bin von jedermann, habe ich mich doch ſelbſt jedermann zum Knechte gemacht, auf daß ich ihrer viele gewinne. Ich bin jedermann allerlei geworden, auf daß ich allenthalben je etliche ſelig mache.“ Und ſo wird denn dann der giftige Wurm der Selbſtſucht nie am Baume unſeres Bundes nagen und der HErr, der ihn gepflanzt hat, ihn fröhlich auf⸗ blühen, wachſen und gedeihen und Früchte bringen laſſen zum ewigen Leben für viele.