# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 6 — 1. Treten, meine Brüder, mehrere ſelbſtſtändige kirchliche Körperſchaften zu gemeinſamer Arbeit zuſammen, ſo iſt, namentlich wenn ſie ſich zumeiſt auf einem und demſelben Gebiete befinden, dies nicht nur eines der größten Hin⸗ derniſſe geſegneter gemeinſamer Arbeit, ſondern auch, bei der Verderbtheit des menſchlichen Herzens, große Gefahr, daß jede dieſer kirchlichen Körper⸗ ſchaften vor allem darauf denkt, ſich ſelbſt auszubreiten, und daß ſie daher den Segen der Vereinigung vor allem darnach bemißt, daß gerade ſie dadurch an Gliederzahl, Einfluß und Anſehen gewinnt. Ein furchtbar warnendes Bei⸗ ſpiel hierzu haben wir an der römiſchen Kirche. In den erſten Zeiten mit ihren großen Gaben den mit ihr verbundenen kirchlichen Körperſchaften nur willig dienend, ſuchten ihre Biſchöfe ſpäter nach und nach die eingegangene Verbindung nur dazu auszubeuten, ſich ſelbſt groß zu machen, bis ſie endlich, als der geweiſſagte Antichriſt im Tempel Gottes ſich offenbarend, das Reich, in welchem Chriſtus allein herrſchen ſoll, ſo weit es ihnen Gott zugelaſſen hat, in ein Reich ihrer Macht und Ehre verwandelt haben. So weit entfernt ich nun auch davon bin, in Abſicht auf unſere Vereinigung mit dem trüben Ge⸗ danken an einen ähnlichen Ausgang im Kleinen mich zu tragen, ſo haben doch auch wir ein noch nicht völlig erneuertes Herz, daher es gewiß thöricht wäre, wollten wir es uns verhehlen, daß von Selbſt⸗ und Parteiſucht, ſowohl nach außen als nach innen, nicht auch uns die nächſte Gefahr drohe. Was haben wir nun zu thun, dieſem gefährlichen Feinde zu begegnen? — Der heilige Apoſtel Paulus ſagt es uns in unſerem Texte. Denn wenn er darin ſeinem Timotheus die Verheißung gibt, daß er dann ſich ſelbſt, und die ihn hören, „ſelig machen“ werde, wenn er erſtlich „Acht habe auf ſich ſelbſt“, ſo gibt er uns damit zugleich zu erkennen, daß nichts ſo ſehr davor bewahre, bei ſeiner Arbeit für Gottes Reich ſelbſtſüchtig zu handeln, als wenn man vor allem die Seligmachung der Seelen zum Endzweck dieſer Arbeit mache. Es iſt dies ſo klar, daß es unnöthig zu ſein ſcheint, es erſt beweiſen zu wollen. Denn ſagt ſelbſt, was wird geſchehen, wenn wir wirklich die Selig⸗ machung der Seelen vor allem den Endzweck unſerer Verbindung zu gemein⸗ ſamer Arbeit ſein laſſen? Dann werden wir erſtlich als Geſammtkörper nicht darauf ausgehen, nur eine immer größere, eine ſogenannte „Achtung gebietende“ Gemeinſchaft zu werden und nur einen großen künſtlich geordneten, wenn auch hohlen, Bau zu errichten; viel weniger werden wir dann ungöttliche Mittel zur Erreichung eines ſolchen Zweckes anwenden; dann werden wir vielmehr gern klein, ja nichts ſein wollen, und indem wir nur darnach trachten, daß von uns, wie einſt von der apoſtoliſchen Kirche, möge geſagt werden können: „Der HErr aber that hinzu täglich, die da ſelig wurden, zu der Gemeine“, werden wir