# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S98 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gebrauchen. Daß er aber die Schlüſſe, die aus dieſen ihm von Kindheit angepflanzten Ausdrücken gezogen werden können, ſelbſt nicht zog und zugab, beweiſt jede Seite ſeiner Schriften, indem kein Mann je beſtimm— ter und kräftiger auf den bibliſchen Kennzei— chen und Früchten der Wiedergeburt beſtand, als J. Wesley.“ In der That, wir erſtaunen über die Frechheit, mit welcher Naſt den John Wesley zu einem gemeinen Heuchler und Lüg⸗ ner herabwürdigen will. Wesley redet von der Taufe in den Ausdrücken der lutheriſchen Kirche, daraus geht doch für jeden Chriſten, der ſeinem Nächſten noch einen Funken von Gewiſſen und Wahrheitsliebe zutraut, unwi— derſprechlich hervor, daß er auch von Herzen glaubte, was er redete, und die Schlüſſe zugab, welche einfach und mit Nothwendigkeit aus ſei— nen Worten folgten. Er müßte denn, wie die heutigen Methodiſten, nicht gewußt haben, was er ſagte, und heute bejaht haben, was er mor— gen verneinte, was Niemand einräumen wird, der ſein Leben kennt. Naſt dagegen leuguet, daß Wesley die aus ſeinen eigenen Worten und Lehren ſich nothwendig ergebenden Schlüſſe gezogen und zugegeben habe, damit muß er na— türlich auch leugnen, daß Wesley ſelber glaubte, was er ſagte und lehrte. Deutlich gibt Naſt in den Worten, „daß Wesley allerdings als Prediger in der Kirche von Eng⸗ land einigemale von der Taufe in den Aus⸗ drücken der engliſchen und der lutheriſchen Kirche redet,“ zu verſtehen, daß er anders ge⸗ redet haben würde, wenn er nicht Prediger in der Kirche von England geweſen wäre, und ſich nur derſelben accommodirt habe. Somit erklärt Naſt J. Wesley offenbar für einen heuchleri⸗ ſchen Jeſuiten, — ein Vorwurf, den wir allen Ernſtes als ungegründet zurückweiſen. Ob— wohl Wesley's Erkenntniß in manchen Puncten unrichtig war, ſo ſteht er doch als ein edler, gewiſſenhafter und wahrheitsliebender Mann in unſerer Achtung zu hoch, als daß wir Naſt's gemeine Beſchuldigung ſeines Charakters un— geſtraft vorüber gehen laſſen könnten. Wesley hielt noch auf Ordnung während des Gottes— dienſtes, er hielt nach Gottes Wort mit der lutheriſchen Kirche die heil. Taufe für das Sacrament der Wiedergeburt — natürlich, daß er ſich damit den Haß einer Seete zuzieht, welche ſowohl chriſtliche Ordnung, als die hei— ligen Saeramente verwirft, und ſtatt deſſen das Sacrament der Bußbank erdichtet hat. Möch— ten die Methodiſten die Wahrheits- und die Ordnungs-Liebe annehmen, welche Wesley be ſeelte, und es wäre ein wichtiger Schritt zu ihrer Beſſerung geſchehen! Recht ſcherzhaft anzuhören iſt Naſt's Be— hauptung: „Uebrigens ſteht die Methodiſten— kirche auf rein bibliſchem Grunde,“ worauf gleich nachher die erbauliche Nachricht folgt, daß die Sacramente nur äußere Zeichen ſeien. Auf „rein bibliſchem Grunde,“ wie Herr Naſt ſagt, ſteht die methodiſtiſche Wahrheit, daß der HErr Chriſtus ein Ceremonien-Meiſter ſei, der die Sacramente als äußerliche Zeichen ein— geſetzt habe, wodurch ſich die Chriſten, Juden und Heiden unterſcheiden ſollten. Nur darum 98 gebrauchen die Methodiſten die Sacramente, damit ſie nicht mit den Jnden und Heiden ver⸗ wechſelt werden und dadurch beweiſen, was für heilige und fromme Leute ſie ſind — Naſt iſt darum ſehr zornig, daß ihn die Baptiſten in ihren Kirchen nicht zum Abendmahle zulaſſen wollten, weil er denkt, Glaube hin, Glaube her, am beſten wäre es, wenn die „Chriſten von jeder Secte“ mit einander zum Abendmahle gingen. Die Baptiſten haben die verſtändige Antwort gegeben, wo keine Gemeinſchaft des Glaubens ſei, könne auch kein gemeinſamer Genuß des heil. Abendmahles ſtatt finden; ſie iſt aber zu hoch, als daß Naſt ſie begreifen könnte. Auch gebraucht er das Wort Sacra— ment und ſchwärmt damit gegen den „alten Vater Peter Schmucker“ an, der bekanntlich geſchwärmt hatte, daß das Wort Sacrament ein „heidniſches“ ſei. — Doch auf den „rein bibliſchen Grund“ der Methodiſtenkirche zurück— zukommen, ſo fragen wir Hrn. Naſt, ob darauf auch die Gräuel der Bußbank ſtehen, ob da auch die Lehre von der vollkommenen Heilig-— keit der Methodiſten ſteht, ob da auch die Lehre ſteht, daß die Methodiſten als uuberufene Pre⸗ diger in ein fremdes Amt greifen dürfen? Natürlich wird Hr. Naſt, wenn auch er noch die geringſte Achtung vor Gottes Wort hat, antworten müſſen, von jenen methodiſtiſchen Gräueln und Irrlehren ſteht auch nicht das geringſte Wort auf bibliſchem Grunde, ſondern gerade das Gegentheil. Wir werden daher den Ausſpruch des Hrn. Naſt mit ſeiner Einwilli— gung dahin verbeſſern: „Die Methodiſtenſecte ſteht auf ganz unbibliſchem, rein ſchwärmeri— ſchen Grunde.“ Nein, Herr Naſt, die Zeiten ſind vorüber, wo die Methodiſten-Prediger mit den Verſicherungen, ſie predigen die reine Lehre und den lutheriſchen Glauben, die einfäl— tigen Lutheraner fangen konnten. Eine rei— nere, chriſtliche Erkenntniß verbreitet ſich, auf den Bergen liegt das Morgenroth einer ſchö— nern Zukunft, hoffentlich wird bald die helle Sonne in viele Herzen ſcheinen und der dunklen Nacht methodiſtiſcher Seelenquälerei ein Ende machen. Bekannt iſt es, daß die Methodiſten ſich durch die Menge ihrer Entdeckungen auf reli⸗ giöſem Gebiete auszeichnen. So Peter Schmucker, ſo auch Naſt, der mit demſelben ſcharfſichtigen Auge begabt zu ſein ſcheint. Und zwar hat dieſer Vorzug der Methodiſten ſeinen natürlichen Grund. Sie ſind es ja, von de⸗ nen die heil. Schrift weiſſagt 2 Tim. 3, 6.: Aus denſelbigen ſind, die hin und her in die Häuſer ſchleichen, und führen ge⸗ fangen ꝛc. Natürlich, daß dieſe Schleicher von den Weiblein allerlei Neuigkeiten erfah— ren, welche dann irgend ein methodiſtiſcher Bruder, Vater, oder Pabſt im Apologeten be⸗ kannt macht. Auch ſchwärmen ſie durchs ganze Land, um einen Genoſſen zu machen, und was gibt es da nicht für Neues zu ſehen? — Naſt hat nun diesmal eine ganz beſonders ſchauer⸗ liche Erſcheinung gehabt, ob wachend oder träumend, hat er leider nicht bemerkt, was nur dazu beiträgt, um die Sache in ein geheimniß— volleres Dunkel zu hüllen. Ob dieſe entſetz⸗ liche Erſcheinung Wirklichkeit war, oder eine Vorſpiegelung des Schwarmgeiſtes, das wird Herr Naſt wahrſcheinlich dann erklären, wenn der „alte Vater Peter Schmucker“ ein Recept von ſeiner Confirmations-Maſchine gibt. Naſt erblickte jenes Schreckbild in der Geſtalt grauſiger Männer, welche er „Altlutheraner“ nennt. Damit übereinſtimmend berichtet ein Schleicher aus Fort Wayne, daſelbſt ſei eine neue „Religions-Secte“ geſehen worden, welche er „alt-lutheraniſch“ nennt. Ob die „Altlutheraner“ und die „Altlutheraniſchen“ eine oder zwei Religionsſecten bilden, darüber ſcheinen die Schwärmer noch uneinig zu ſein, doch wird es der bekannten Spürkraft der Schleicher ſicherlich bald gelingen, es ausfindig zu machen. Indeſſen bitten wir jeden, auf die „Altlutheraner“ und beſonders auf die „Altlutheraniſchen“ zu ſehen, da wir geſpannt ſind, ihre Bekanntſchaft zu machen. Nach Naſt müſſen die Altlutheraner verzweifelte Leute ſein, da ſie „auf Luthers Worte ſchwö⸗ ren.“ Naſt wird wahrſcheinlich der erheben— den Ceremonie beigewohnt haben, als die „Alt— lutheraner“ gerade ihren feierlichen Schwur auf Luthers Worte ablegten — eine Ceremonie, die gewiß höchſt wohlthätig auf ihn gewirkt ha— ben wird, da er ſie mit beſonderem Wohlgefal⸗ len erwähnt, und die auch durch ihre Länge ſehr würdig und erbaulich geweſen ſein wird. Wenn man bedenkt, daß Luthers Worte in 24 ſtarke Bände verfaßt ſind und die Altluthera— ner auf jedes Wort Luthers, ja auf jeden Buchſtaben geſchworen haben, ſo wird ziemlich viel Zeit zu dieſer rührenden Arbeit gehört haben, die jedoch Hr. Naſt bei ſeiner bekannten Vorliebe für Luthers Lehre nicht lang gewor— den ſein wird. Oder bedeutet „Altlutheraner“ im ſchwärmeriſchen Sinne des Hrn. Naſt ſo viel als Exlutheraner, als einen geweſenen Luthe— raner, der einmal geſchworen hatte, der Kirche Gottes und der chriſtlichen Wahrheit tren zu bleiben, aber um der Schwärmerei und des Geldes willen dieſen Schwur brach, und der nun von ſeinem Gewiſſen geſtachelt die Wahr⸗ heit zu verläſtern getrieben wird? Wir kennen ſolche Exlutheraner. Nührend iſt in der That die Sorge, welche der „Apologet“ für den Geldbeutel der „wah— ren Chriſten“ in Deutſchland hegt. Er hat davon gehört, daß jetzt öfter lutheriſche Predi⸗ ger, von den Gaben ihrer Glaubensgenoſſen unterſtützt, hieher kommen, um der Kirche Chriſti zu dienen. Von dieſen ſagt er: „Wüß⸗ ten die wahren Chriſten Deutſchlands den wah— ren Stand der Dinge, ſie würden ihre Miſ— ſionsgaben zu beſſern Zwecken verwenden.“ Wir ſind glücklicher Weiſe mit einer großen Anzahl der „wahren Chriſten“ Deutſchlands, welche ihre Gaben für Nordamerica verwen⸗ den, genau bekannt, und können dem „Apolo⸗ geten“ die beruhigende Verſicherung geben, daß ſie den „wahren Stand der Dinge“ ſehr genau kennen, und eben dadurch zu ihrem aufopfern⸗ den Eifer für das Heil ihrer Brüder angetrie— ben werden. Beſonders erfreuen ſich die „wahren Chriſten Deutſchlands“ einer höchſt gründlichen Kenntniß vom „wahren Stande“