# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 27_S210 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 210 nämlich im Jahre 1842 die große Üppigkeit der Stadt Hamburg durch das schwere Gericht der Feuersbrunst heimsuchte, die wohl den dritten Teil der Stadt in Asche legte, da stand selbst brennend in dem Feuermeer der hohe St. Petriturm noch lange als ein Wahrzeichen da. Endlich hob das darauf befindliche Glockenspiel so laut, daß man es überall auf der Brandstätte vernehmen konnte, an zu spielen: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'“, und als der Vers zu Ende war, stürzte der Turm mit dem Glockenspiel zusammen. Scriver sagt in seinem „Seelenschatz“: „Ich habe zuweilen wahrgenommen, daß auch bei schweren Ungewittern und stockfinsterer Nacht die Nachtigall in ihren Dornhecken sich hat lieblich hören lassen. So habe ich auch gottselige Christen gehört, welche bei dergleichen Gewittern fröhlich mit den Ihrigen anstimmten: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'.“ Ich freute mich darüber und sagte mit Freudentränen bei mir selbst: „So recht, liebes Vögelein, so recht, ihr christlichen Seelen! Lasset uns des Friedens genießen, lasset unsern Gott donnern und blitzen, daß er die sichere Welt schrecke und seine große Gewalt und Herrlichkeit kundmache; das geht aber seine Kinder nichts an, denen er Gnade und Friede in Christo JEsu versprochen hat.“ (Synodalfreund.) Christen geben für Gottes Reich aus Liebe. Als vor 28 Jahren, im Jahre 1883, unser prächtiges Seminargebäude in St. Louis eingeweiht wurde, sagte der selige D. Walther in der Festpredigt unter anderm: „Kein hochherziger Millionär hat diesen Prachtbau aufgeführt und unserer armen Kirche zum Geschenk angeboten. Kein Fürst hat uns durch eine von ihm aufgelegte Schulsteuer mit Gesetzesgewalt dazu genötigt, für dieses Werk unfreiwillige Opfer zu bringen. Kein Nichtlutheraner ist von uns angesprochen und ihm zugemutet worden, zur Errichtung dieser Herberge, einer Pflanzschule unserer Kirche, wider sein Gewissen auch nur einen Heller beizutragen. Keinem Menschen ist durch unevangelische Beschwerung seines Gewissens seine Gabe abgedrungen und abgepreßt worden. Keinem ist durch lügenhafte Vorspiegelung, daß er durch reichliche Gaben reichlichen Sündenablaß erwerben und sich, wie man zu sagen pflegt, eine Stufe in den Himmel bauen werde, seine Gabe trüglich abgelockt worden. Keinem ist durch Erregung seines Ehrgefühls und niedrige heuchlerische Schmeichelreden seine Gabe abgeschmeichelt worden. Wir Lutheraner verabscheuen den Grundsatz, daß der Zweck das Mittel heilige. Gemäß dem apostolischen Grundsatz: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ ist daher unter uns nichts geschehen, als unsere Liebe freundlich gereizt worden. In lebendigen Farben ist uns nur die schreiende Not zahlloser Kinder unserer Kirche vor die Augen gemalt worden, welche in diesem Lande der Einwanderung wie Schafe ohne Hirten in geistlichen Wüsten umherirren und ohne die Predigt des trostvollen Evangeliums endlich geistlich verschmachten müßten. Vor allem aber ist uns vorgehalten worden die Liebe Christi, des guten Hirten, der das Verlorene sucht, der für alle Menschen sein Blut vergossen habe, der alle Menschen selig haben wolle und alle Menschen, auch die vereinsamten Kinder unserer Kirche, zu sich gerufen haben wolle, und daß gerade wir, die er mit dem Brot des Lebens so reichlich versorgt hat, hierbei seine berufenen Werkzeuge seien. „O ihr Brüder, laßt uns unsern Brüdern helfen!“ so riefen wir einander zu. Und siehe, hierauf haben sich in unsern Gemeinden tausend und aber tausend Herzen und Hände ohne Säumen und mit Freuden geöffnet. Die Bewohner des Landes haben mit den Bewohnern der Städte, die Armen mit den Reichen, die Frauen mit den Männern, die Jungfrauen mit den Jünglingen und selbst Waisen und Witwen gewetteifert, zu helfen, daß dieser Bau errichtet und auf das herrlichste geschmückt werde.“ Möge Gott auch jetzt, da wir uns anschicken, für die von unserer letzten Synode bewilligten Neubauten zu kollektieren, die Herzen unserer lieben Christen fröhlich und willig machen, daß sie reichlich geben, damit das Werk vollendet werde. Besser arm und fromm als reich und gottlos. Eben das ist das Gebrechen zu Sodom gewesen, wie noch heutigentages, daß jedermann allein auf sich trachtet und zu sich scharrt mit Recht und Unrecht, es bleibe ein anderer, wo er kann. Gott hat es gegeben, daß man bauet und pflanzet; aber daß man allein alles, was man kann, zu sich kratzt und den Nächsten Not leiden läßt, sich keines andern Menschen annimmt, das ist die Klage und Schuld alle miteinander. Die Städte Sodom und Gomorra waren gelegen in einem fetten, köstlichen Lande und rechter Schmalzgrube, da allerdings die Fülle und genug gewesen ist, daß Moses sagt, als ein Garten Gottes, so schön von Bäumen und allen edeln Früchten, Korn, Wein, Öl, als hätte es Gott selbst erbaut und ihm einen Garten zugerichtet. Darum hatte das Volk, so in der Stadt war, einen guten Mut, meinten, sie hätten einen gnädigen Gott, schlugen alle Furcht aus. Solche Sicherheit brachte sie zu solcher greulichen Sünde. Damit hat Gott angezeigt, was Reichtum und Überfluß Gutes bei den Menschen wirkt. Jedermann strebt danach, daß wir genug und die Fülle haben und gut Leben, aber die Schrift lehrt, daß uns nichts Fährlicheres begegnen mag. Darum wäre es besser, daß alles aufs allerteuerste und nicht so großer Überfluß dagewesen wäre, so wären sie wohl fromm blieben; aber weil sie alle Fülle hatten und im Sause lebten, wie Christus spricht, wurden sie also gestraft. So wir Christen sein wollen, soll unser endlich Gesuch nicht sein: freien, sich freien lassen, kaufen, verkaufen, pflanzen, bauen, wie Christus sagt, daß die Gottlosen sonderlich vor dem Jüngsten Tag tun werden (ob wir schon das auch zur Notdurft des Leibes brauchen müssen), sondern unser endlich Gesuch soll sein etwas Besseres und Höheres, nämlich das selige Erbe im Himmel, welches nicht vergeht. (Luther.) Ein beachtenswerter Rat. Der bekannte verstorbene Pfarrer Löhe gab seinen Schülerinnen einst den Rat: „Legt euch ein Käßchen an, eine kleine Schachtel, oder was es sein mag, da hinein legt jedesmal am Sonntag, oder sooft ihr Geld einnehmt, ein Geldstück nach der Weisung des Apostels Paulus: „Auf je der Sabbater einen lege bei sich selbst ein jeglicher unter euch und sammle, was ihn gut dünkt, auf daß nicht, wenn ich komme, dann allererst die Steuer zu sammeln sei“, 1 Kor. 16, 2. Dieses Geld ist nicht mehr euer eigen, sondern Gottes Geld, und ihr werdet sehen, wieviel lieber und leichter man aus diesem „Gotteskäßchen“ gibt als aus dem eigenen Beutel. Auch werdet ihr zu jedem guten Zweck etwas bereit haben. Denn solch ein Käßchen wird niemals ganz leer sein.“ Ich habe, so erzählt eine seiner Schülerinnen, diesen Rat befolgt, und er ist mir nicht nur eine Quelle der Freude, sondern greifbaren Segens geworden. Ein anderer bekannter christlicher Schriftsteller, Professor Hilty, sagt in seinem Buch „Für schlaflose Nächte“: „Wenn man stets in genügenden Geldverhältnissen leben will, so muß man damit anfangen, einen bestimmten, wenn auch noch so kleinen Prozentsatz seines Einkommens für wohltätige Zwecke zu verwenden. Das kann jeder, und es ist eine Täuschung, zu glauben, daß man damit ärmer wird. Das Gegenteil ist der Fall!