# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 27_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 209 Ausland. Aus London. Am Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti, war es unsern beiden Gemeinden in London vergönnt, ein liebliches Missionsfest zu feiern. Missionar A. Hübener benutzte seine Amerikafahrt dazu, uns in unserer Einsamkeit aufzusuchen und mit Gottes Wort und Erzählungen aus seinem Missionsleben zu stärken und zu erfreuen. Am Nachmittag hielt er uns eine ermunternde Predigt und am Abend einen lehrreichen Vortrag über Ostindien. Es war das erste Mal, daß es unsern hiesigen Gemeinden beschieden war, einen Heidenmissionar in ihrer Mitte zu haben und aus seinem Munde die Wahrheiten bestätigt zu hören, die ihnen in der Predigt über den jämmerlichen Zustand des natürlichen Menschen, sowie über die selige Wirkung des Evangeliums an seinem Herzen fortgesetzt gesagt und bezeugt werden. Die Festversammlung bewies ihre Dankbarkeit für das gehörte Wort und ihren Eifer in der Mission mit einer Kollekte von $48.70, wovon zwei Drittel für unsere Tamulenmission bestimmt wurden, der Rest unter die Freikirche und den Brasilianischen Distrikt verteilt werden soll. Später empfing der Ortspastor noch eine kleine Gabe von einem Knaben und überwies sie der zu gründenden Schule für die Kinder unserer lieben Missionare. Dem Pastor in London brachte der schöne Tag des Missionsfestes noch die besondere Freude, sich am Mahle des HErrn erlaben und erquicken zu können. K. Knippenberg. Anläßlich des 300jährigen Jubiläums der englischen Bibel, dessen auch wir an dieser Stelle gedacht haben, sagt ein englisches Blatt: „Wenn in den monatlichen Listen der Bücher, die sich am besten verkaufen lassen, ein Buch mehrere Monate den ersten Platz behält, so gilt das als ein merkwürdiges Ereignis. Es kommt so gut wie niemals vor, daß ein solches Buch ein Jahr lang überhaupt auf der Liste bleibt. Dagegen nimmt noch heute, dreihundert Jahre seit dem ersten Erscheinen der englischen Übersetzung der Bibel, der Verkauf der Heiligen Schrift beständig zu. Im Jahre 1909 war die Zahl der verkauften Bibeln etwa 18 Millionen; im letzten Jahr sollen es 20 Millionen gewesen sein. Man berechnet die Zahl der im vorigen Jahrhundert verkauften Exemplare auf 341 Millionen. Die Nachfrage scheint stets größer zu sein als das Angebot. Auslegungen veralten und werden vergessen. Wissenschaftliche Bücher werden nutzlos. Werke über wissenschaftliche und soziale Fragen haben ihre Zeit und verlieren ihren Wert. Einige Klassiker werden in späteren Zeiten noch gelesen, aber doch nur von wenigen, gebildeten Leuten. Aber das am weitesten verbreitete Buch der Welt wendet sich an alle und findet seinen Leserkreis unter allen Klassen von Menschen in allen Ländern, ist ihnen der Wegweiser für ihr Leben, und seine Popularität und sein Verkauf nimmt von Jahr zu Jahr zu. Und das Buch ist die Bibel." L. F. Nikolaus Decius und sein Lied. Nikolaus Decius, auch Nikolaus von Hof genannt, war anfangs Mönch, dann Propst des Klosters Steterburg in Wolfenbüttel, trat aber beim Beginn der Reformation der evangelischen Lehre bei und wurde dann Schulkollege in Braunschweig, wo er durch Aufführen vielstimmiger Gesangstücke großes Aufsehen erregte. Er war Meister in der Musik und schrieb zu seinen Liedern auch gleich die Melodien. Im Jahre 1524 kam er als Prediger nach Stettin, wo er, wie man sagt, von den Römischen vergiftet, nach kurzer, aber segensreicher Wirksamkeit 1529 starb. Von ihm sind die Lieder: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'" und „O Lamm Gottes unschuldig". Das allbekannte Lied „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'" ist eine deutsche Bearbeitung des uralten Liedes „Gloria in excelsis Deo". Dieser Gesang, den schon die Engel bei der Geburt unsers Heilandes sangen, war bei den griechischen Christen in frühester Zeit die regelmäßige Morgenandacht und hieß in den Kirchen des Morgenlandes deshalb nur „Der Morgengesang". Er stand in frühester Zeit in so hohem Ansehen, daß er in einer der ältesten Handschriften des Neuen Testaments sich als Anhang zur Heiligen Schrift findet. Der ursprüngliche griechische Text wurde durch den Bischof Hilarius von Poitiers ums Jahr 360 ins Lateinische übertragen und also in die abendländische Kirche eingeführt. Auch unsere lutherische Kirche nahm diesen Gesang auf in ihre Agende unter dem Namen „große Doxologie" (Lobpreisung). Da er manchen unserer Leser nicht bekannt sein dürfte, so mag er hier folgen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen! Wir loben dich, wir benedeien dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner herrlichen großen Ehre willen: HErr Gott, himmlischer König, allmächtiger Vater; HErr, du eingeborener Sohn, JEsu Christe, HErr Gott, Lamm Gottes, du Sohn des Vaters, der du trägst die Sünde der Welt; erbarme dich unser! der du trägst die Sünden der Welt; nimm an unser Gebet! der du sitzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! — denn du allein bist heilig, du allein bist der HErr, du allein bist der Allerhöchste, JEsus Christus, mit dem Heiligen Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen." Aus dieser großen Doxologie ist dann durch Decius unser Lied „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'" entstanden. Der erste Vers ist eigentlich das vollständige Lied und enthält auch den ganzen Engelgesang. Die übrigen drei Verse sind nur die Lobpreisung, die man in alten Zeiten als Schlußanhang zu allen Psalmliedern hinzufügte. Also preist der zweite Vers Gott den Vater, als den allmächtigen Schöpfer und Regierer, der dritte Vers Gott den Sohn, den Eingeborenen, als unsern Versöhner, als Lamm Gottes und unsern HErrn und Gott, der um Erbarmen angerufen wird, und endlich der vierte Vers Gott den Heiligen Geist, der das Werk des Sohnes vollführen möge, und schließt in der letzten Strophe mit einem Amen, umschrieben durch die Worte: „Dazu wir uns verlassen." Als im Jahre 1781 Kaiser Joseph II. von Österreich den Evangelischen in seinem Reiche Religionsfreiheit geschenkt hatte, sang man an allen Orten des Kaiserreichs: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'." Besonders ergreifend aber erklang dies Lied auf dem Hellstär-See an jenem Morgen, als das neuerbaute evangelische Kirchlein an den Ufern dieses Sees eingeweiht werden sollte und nun die Christen auf Kähnen von allen Seiten herruderten. Ein Pastor in einem Kahne hob an: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'", und alsbald stimmten alle in dem nächsten Kahn ein, und so fort, bis der ganze Chor sein Loblied ertönen ließ. Freilich kehrten nach dem Tode des Kaisers die alten Zeiten des Druckes wieder; das Kirchlein wurde den Evangelischen wieder genommen. So war es auch ein sehr feierlicher Augenblick, als am 22. April 1709 dies Lied von einer ungeheuren Menge zu Hirschberg in Schlesien gesungen wurde. Nach dem Westfälischen Frieden hatten die Evangelischen in Hirschberg wie an andern Orten ihre Kirchen an die Katholischen herausgeben müssen und waren nun genötigt, weite Wege zurückzulegen, wenn sie in den Gottesdienst wollten. Da erwirkte König Karl XII. die Erlaubnis zur Erbauung neuer Kirchen. Bereits am 22. April zog eine große Menge hinaus vor das Schildauer Tor, um den Bauplatz abzustecken, wobei sie mit fröhlichem Munde sangen: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'." Auf diesem Platze wurde dann die mächtige Gnadenkirche erbaut, deren Räume 6000 Sitzplätze zählen. In großer Fährlichkeit hat einmal Gott dies Lied zu einem Zeugnis für die sündige Menschheit ertönen lassen. Als er