# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 27_S208 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 208 staltsdirektor M. Lücke. Vor 50 Jahren zählte die Anstalt 3 Professoren und 78 Schüler, heute 8 Professoren und 234 Schüler. L. F. Aus unserer Korrespondenz. Vor einigen Wochen schrieb eine Witwe aus North Dakota: „Ich, Endesunterzeichnete, habe mit großer Freude die täglichen Berichte über die Delegatensynode und die Berichte über die wunderschöne Waltherfeier gelesen und möchte gerne auch eine kleine Gabe zu der Kollekte für den Waltherfonds beitragen, wozu der inliegende Dollar bestimmt ist. Indem ich Sie freundlichst bitte, diese geringe Gabe an den Kassierer besorgen zu wollen, danke ich Ihnen herzlich im voraus für Ihre Freundlichkeit und bitte, meinen Namen nicht zu nennen." Vor einigen Tagen kam ein nur mit N. N. unterzeichneter Brief aus Illinois: „Sehe aus dem letzten ‚Lutheraner', daß die Heidenmission Not leidet. Beiliegend finden Sie einen Dollar für diese Mission." Und schon vor einiger Zeit schickte uns ein Dienstmädchen aus New York ebenfalls einen Dollar mit folgenden Worten: „Habe im ‚Lutheraner' gelesen, daß die Studentenkasse in Not ist. Ferner habe ich auch gesehen, wie groß die Not ist an Predigern und Lehrern. Die Liebe zu meinem HErrn JEsu hat mich genötigt, gerade in dieser Abendstunde die Feder in die Hand zu nehmen und diese kleine Gabe für die armen Studenten zu senden. Ferner will ich die Lehranstalten in mein Gebet einschließen. Ich bin nur ein Dienstmädchen, darum, bitte, nehmen Sie es nicht übel, daß die Gabe so klein ist. Der HErr wolle auch die kleine Gabe segnen! Es ist von Herzen gegeben. Es grüßt Sie Ihre Mitchristin N. N. aus der Gemeinde des Herrn Pastor X." Mögen solche Beispiele andere Witwen und Dienstmädchen reizen nach dem Wort St. Pauli: „Euer Exempel hat viele gereizet", 2 Kor. 9, 2. Mögen besonders auch solche dadurch gereizt werden, die viel leichter und viel reichlicher geben können, als in der Regel Witwen und Dienstmädchen es vermögen. Und noch ein gutes Exempel wird in diesem Schreiben gegeben. Viele gute Werke werden unterlassen, viele Gaben werden der Kirche und ihren Lehranstalten und Missionen entzogen, weil man die Sache aufschiebt und dann vergißt oder auch später nicht dazu kommt. Da ist der beste Rat: Gleich das tun, wozu man beim Lesen eines Berichtes aus Liebe und Dankbarkeit bewogen wird; gleich die Gabe in ein Kuvert stecken und seinem Pastor bringen oder an den Kassierer schicken. L. F. Kardinal Gibbons von Baltimore feierte am 6. Juni sein 50jähriges Priesterjubiläum und sein 25jähriges Jubiläum als Kardinal und höchster Würdenträger der römischen Kirche in unserm Lande. Das war wieder eine Gelegenheit für die römische Kirche zu glänzen, und für die Politiker in unserm Lande, ihr Weihrauch zu streuen. 15,000 Menschen faßte der Raum, in dem die Feier abgehalten wurde, und auf der Bühne saßen um den Kardinal 600 eingeladene Gäste, darunter Präsident Taft, Vizepräsident Sherman, Expräsident Roosevelt, Oberrichter White, der Vorsitzer des Repräsentantenhauses Clark, sein Vorgänger Cannon, Gouverneur Crothers von Maryland, Senator Root von New York und andere Größen. Alle Genannten redeten außer dem Oberrichter White, der bekanntlich selbst der römischen Kirche zugehört, und vermischten wieder in gröberer oder feinerer Weise Staat und Kirche. Präsident Taft sagte freilich ausdrücklich: „Wir sind hier nicht als Glieder irgendeiner Kirchengemeinschaft. Wir sind hier nicht in irgendeiner amtlichen Stellung." Aber welches Recht hatte dann Vizepräsident Sherman, zu Gibbons zu sagen: „Ich bin hier, um für die größte gesetzgebende Körperschaft der Welt" (er meinte damit den Senat) „zu reden und in ihrem Namen Sie an diesem Tage und bei dieser Gelegenheit zu beglückwünschen und Ihnen unsere loyale Achtung und herzliche gute Gesinnung auszusprechen"? Die Senatoren vertreten auch viele protestantische Bürger, die von einer solchen Ehrenbezeugung vor einem der obersten Diener des großen Antichristen nichts wissen wollen. Präsident Taft zeigte sich als einen schlechten Kenner der Weltgeschichte, wenn er von Gibbons sagte: „Einer der Grundsätze seiner Kirche ist Achtung vor gesetzlicher Autorität." Denn nie hat eine Körperschaft göttliche und menschliche Autorität so mißachtet wie die Papstkirche. Und Expräsident Roosevelt hat die ihm seinerzeit von lutherischer Seite erteilte Belehrung wenig zu Herzen genommen, denn er kam wieder auf sein altes Thema und sagte: „Wir werden Präsidenten haben, die Katholiken sind, ebensowohl wie Präsidenten, die Protestanten sind", eine Erwartung, in der er sich wohl gründlich täuschen wird. Natürlich hat dann auch Kardinal Gibbons selbst sich vernehmen lassen und dabei geredet von den „heiligen und von Gott gegebenen Rechten des Gewissens", obwohl seine Kirche je und je diese Rechte aufs schändlichste geschmälert und geraubt hat; auch nannte er den Präsidenten einen „beglaubigten Diener und Bevollmächtigten Gottes", obwohl er nach seinem Amtseid jede Regierung, die den Papst nicht anerkennt, für widergöttlich halten muß. Aber Rom und seine Würdenträger sind immer auch lügnerisch, heuchlerisch und schlau. L. F. Über 5000 Personen haben seinerzeit dem falschen Propheten John Alexander Dowie ihr Geld anvertraut, um die Stadt Zion in der Nähe von Chicago zu gründen. Eine Zeitlang ging alles äußerlich gut, und die irregeleiteten Anhänger Dowies schwammen im Glück. Aber schon vor dem Tode des Lügenapostels mehrten sich die Zeichen, daß das Ende nicht mehr fern sei, und seitdem ist es rasch bergab gegangen. Kürzlich wurden die Aktieninhaber ausbezahlt. Sie erhielten nur 12 Cents am Dollar. Das ist das Ende des großen Betrugs, aber nicht die schlimmste Folge desselben. Viel größer als der Verlust an irdischem Gut ist der Seelenschade, den Dowie seinen Anhängern, unter denen auch Lutheraner waren, gebracht hat durch seine falsche, seelenverderbliche Lehre. „Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?" Matth. 16, 26. Seele verloren, alles verloren! L. F. Den Anhängern der Christian Science mag das eben Gesagte zur Warnung dienen. Die Päpstin dieser ebenso unchristlichen wie unwissenschaftlichen Sekte, Frau Mary Baker G. Eddy, hat zwar nicht nach Dowies Weise ihren betrogenen Anhängern das Geld abgenommen durch verwegene Gründungen und Spekulationen. Daß sie aber in anderer Weise auf deren Kosten sich bereichert hat, ist allgemein bekannt; namentlich hat sie es getan durch ihr Buch "Science and Health", das von ihr auf eine Stufe mit der Bibel gestellt wurde, in immer neuen, veränderten Auflagen erschien und von ihren Anhängern zu einem hohen Preise gekauft werden mußte. Schon vor dem Tode der Frau Eddy gab es einzelne Personen und Gemeinden, die sich gegen ihre Tyrannei auflehnten. Nach ihrem Tode entspann sich ein öffentlicher Streit, da eine Anhängerin behauptete, die rechte Vertreterin der Christian Science zu sein. Und seitdem regt es sich bald hier, bald da, und die Anzeichen mehren sich, daß man den Zwang, der von der Muttergemeinde in Boston ausgeübt wird, nicht mehr dulden will. Kürzlich haben wieder zwei Gemeinden, eine in Minneapolis und die andere in Duluth, Minn., ihre Unabhängigkeit von der Muttergemeinde in Boston erklärt und nennen sich nun "Christian Science Reformed". Frau A. E. Smith, die an der Spitze der Gemeinde in Minneapolis steht, war von dem Verwaltungsrat in Boston, der die Wacht über die „Lehre" hat, der Ketzerei beschuldigt worden, und die Unabhängigkeitserklärung war die Folge davon. Auch hier gilt, daß der Seelenschade, den diese unchristliche Sekte unter ihren fanatischen Anhängern anrichtet, viel größer ist als der Betrug und die Tyrannei, die sie übt. L. F.