# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 27_S204 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 204 menschen zu Herzen gehen und unterstützen daher reichlich Kranken-, Armen-, Witwen- und Waisenhäuser; aber die geistliche Not ihres Nächsten achten sie nicht, denn von dieser Not wissen sie ja nichts. Ihr Christen aber, die ihr es wohl wißt und selbst erfahren habt, welche Not es ist, nicht wissen, wie man selig werden könne, o zeigt nun auch durch die Tat, wie hingegen euch nicht nur die leibliche, sondern noch mehr die geistliche Not der armen gefallenen Menschen zu Herzen gehe, und unterstützt darum mit Freuden solche Anstalten, die nur um des Seelenheiles der Welt willen errichtet und so nötig sind. „Der Bericht ist vortrefflich geraten. Wem Christi Reich unter uns am Herzen liegt, wird denselben mit Freuden lesen und sicherlich am Schlusse auch davon überzeugt werden, daß unsere Delegatensynode im HErrn versammelt gewesen ist und unter des HErrn gnädiger Herzlenkung gerade das beschlossen hat, was von ihr beschlossen worden ist. Sollte aber mancher der lieben Leser ja meinen, unsere Synode hätte doch weislichere Beschlüsse fassen können,3) so lasse er sich diese seine Meinung dazu dienen, nicht seine gebende und helfende Hand zurückzuziehen, sondern dieselbe um so fröhlicher auftun und zugleich zu dem bittend und flehend aufzuheben, der aus der Menschen Torheit, wenn sie dieselbe in Einfalt lauterer Herzen begehen, immer endlich die größte Weisheit macht." Eingesandt von Fr. S. Von weltlicher Obrigkeit, Nächstenliebe und Wandel im Licht. Röm. 13. Geliebte Christen! Jedermann soll der Obrigkeit untertan sein, die Gewalt über ihn hat, unter welcher er steht. Allen obrigkeitlichen Behörden und Personen soll ein Christ nach den geltenden Gesetzen und Ordnungen untertan sein. Es tut dabei nichts zur Sache, von welcher Form diese Obrigkeit ist, auch nicht, ob sie ihre Gewalt mit Recht oder Unrecht erlangt hat: wie und wenn sie einmal da ist, so soll ein Christ ihr untertan sein. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott. Hätte Gott dabei nicht seine Hand im Spiel, so würde es wegen der wilden und ungezügelten Freiheitslust der Massen überhaupt zu keiner doch so notwendigen Obrigkeit gekommen sein, noch könnte irgendeine Obrigkeit bestehen. Ein Christ soll daher wissen, daß die bestehende Obrigkeit von Gott geordnet ist. Wer sich also wider die Obrigkeit setzt, der widerstrebt Gottes Ordnung. Die aber widerstreben, die werden über sich ein Urteil empfangen, und zwar von Gott. Denn bedenke auch: die Gewalthaber und Herrschenden sind nicht bei guten Werken, sondern bei bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht zu fürchten haben vor der Obrigkeit, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zu gut, dich zu schützen. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. Darum versteht jetzt jeder Christ, daß es notwendig ist, der Obrigkeit untertan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen zu Gott. Deshalb müssen wir auch Steuern bezahlen, denn die Behörden sind Gottes Dienerinnen, die in eben erwähnter Beziehung beständig tätig sind, nämlich die Bösen zu strafen und die Guten zu schützen. So gebt nun allen, was ihr schuldig seid: die Steuer, dem die Steuer gebührt, den Zoll, dem der Zoll gebührt, die Furcht, dem die Furcht gebührt, die Ehre, dem die Ehre gebührt. — Nur wo die Obrigkeit klar von Gott Verbotenes gebietet, da gilt der Spruch: „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen." Ja, wir Christen sollen allen geben, was wir schuldig sind; wir sollen niemand etwas schuldig bleiben. Nur eine Schuld ist da, die wir nie als ganz und völlig abbezahlt ansehen können. Das ist die Liebe zum Nächsten. Diese Schuld bleibt uns durch das ganze Leben bis zu dem allerletzten Wort, das wir dem Nächsten sagen, bis zu dem letzten Blick, den wir auf den Nächsten richten können. Denn Gottes Gesetz verlangt immer und stetig von uns, daß wir den Nächsten lieben. Wer seinen Nächsten liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn das „Du sollst nicht ehebrechen", „Du sollst nicht töten", „Du sollst nicht stehlen", „Du sollst nicht falsch Zeugnis geben", „Du sollst nicht begehren", und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt: „Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst." Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses, sondern nur und immer Gutes. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Die Liebe ist die eigentliche Sache, die Gott von uns fordert, was unser Verhalten zu unserm Nächsten anlangt. Alle einzelnen Gebote sind nur Erweisungen der Liebe. Immer und stetig, so wiederhole ich, verlangt Gott von uns, daß wir den Nächsten lieben. Und wir Christen werden dazu ermahnt „durch die Barmherzigkeit Gottes", wie wir das im letzten Briefe gesehen haben. Ach, liebe Christen, überhaupt, wir wissen das ja — was? Ei, die Zeit, daß die Stunde da ist, daß wir, die Gott einmal aufgeweckt hat aus dem Todesschlaf der Sünde, immer und immer aufstehen von dem Sündenschlafe, der uns arme schwache Menschen so leicht überwältigen will. Ja, wahrhaftig, dafür ist Zeit und Stunde da! Denn unser Heil, unser ewiges Heil, die ewige Seligkeit, ist uns jetzt näher, als da wir erstlich gläubig wurden und durch den Glauben zu Gottes Gnade kamen. Die Nacht, die Nacht dieses elenden Erdenlebens, des Lebens im Fleische, ist vorgerückt, sie ist am Vergehen; der Tag aber, der Tag, der uns die ewige Herrlichkeit und Vollendung bringen soll, ist nahe herbeigekommen. So laßt uns denn — die Kraft dazu schenkt Gott uns ja — ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Laßt uns nicht Werke tun, die zur Finsternis des Unglaubens gehören. Laßt uns dem ewigen Tage entgegengehen in der Waffenrüstung, die dem Lichte des Glaubens, die dem Lichte Gottes angemessen ist, das uns erleuchtet. Laßt uns in solcher Waffenrüstung, die Gott uns täglich darreicht, ritterlich kämpfen wider Teufel, Welt und Fleisch, die uns in die Nacht zurückziehen und des ewigen Tages uns unwert machen wollen. Ja, laßt uns ehrbarlich und wohlanständig wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern der Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Hader und Neid. Laßt uns vielmehr anziehen den HErrn JEsum Christum; laßt uns seine Weise annehmen, seinem Lichtwandel und Tugendleben ähnlich werden, ihm in allen Stücken nachfolgen! 3) Es war nämlich unter anderm nach gründlicher Besprechung, auf welche drei volle Tage verwendet waren, beschlossen worden, unser praktisches Predigerseminar nicht nur organisch, sondern auch örtlich von dem theoretischen zu trennen.