# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 27_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 202 geschehen, der da recht beiße, der muß durchs junge Volk geschehen, das in Gottes Erkenntnis aufwächst und Gottes Wort ausbreitet und andere lehret. Niemand, niemand glaubt, welch ein schädliches, teuflisches Vornehmen das sei, und gehet doch so still daher, daß niemand es merkt und will den Schaden getan haben, ehe man raten, wehren und helfen kann. Man fürchtet sich vor Türken und Kriegen und Wassern; denn da versteht man, was Schaden und Frommen sei; aber was hier der Teufel im Sinn hat, sieht niemand, fürchtet auch niemand, geht still herein, so doch hie billig wäre, daß, wo man einen Gulden gäbe, wider die Türken zu streiten, wenn sie uns gleich auf dem Halse lägen, hie hundert Gulden gegeben würden, ob man gleich nur einen Knaben könnte damit auferziehen, daß er ein rechter Christenmann würde, besser ist und mehr Nutzens vermag denn alle Menschen auf Erden. Derhalben bitte ich euch alle, meine lieben Herren und Freunde, um Gottes willen und der armen Jugend willen, wollet diese Sache nicht so gering achten, wie viele tun, die nicht sehen, was der Welt Fürst gedenkt. Denn es ist eine ernste und große Sache, da Christo und aller Welt viel an liegt, daß wir dem jungen Volke helfen und raten. Damit ist denn auch uns und allen geholfen und geraten. Und denkt, daß solchen stillen, heimlichen, tückischen Anfechtungen des Teufels will mit großem christlichen Ernst gewehret sein. Liebe Herren, muß man jährlich so viel wenden an Büchsen, Wege, Stege, Dämme und dergleichen unzählige Stücke mehr, damit eine Stadt zeitlichen Frieden und Gemach habe; warum sollte man nicht vielmehr doch auch so viel wenden an die bedürftige arme Jugend, daß man einen geschickten Mann oder zween hielte zu Schulmeistern?" (St. Louiser Ausg. X, 461 f.) Ihr seht, liebe Brüder und Schwestern, aus obigen Worten unsers Vaters Luther, daß wir inbezug auf unsere christlichen Schulen uns beständig allen Schlaf aus den Augen wischen und wacker sein müssen, soll uns der Teufel nicht ein großes Leid antun. Laßt uns daher, die wir jährlich so viel wenden an Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Putz und Bequemlichkeit und andere unzählige Stücke, willig und bereit sein, unsere Synodalbaukasse zu füllen, daß Prediger und Lehrer ausgebildet werden können. Wolle doch keiner unter uns sagen: Der Ansprüche, die an uns gestellt werden, sind zu viel! Des Anklopfens für die Synodalkassen ist kein Ende! Dieses Mal wird man ohne mich fertig werden müssen! — Gewiß, Gott könnte ohne uns alle fertig werden. Er könnte zum Beispiel die heiligen Engel als Prediger und Lehrer aussenden. Dann brauchten wir keine Lehranstalten zu erhalten und keine Professoren anzustellen; denn die Engel brauchen nicht zu studieren, sondern sind alle von Natur tüchtige Theologen, voll seliger Erkenntnis Gottes. Dann brauchten wir auch keine Kollekten für die Mission. Die heiligen Engel bedürfen keiner Kleidung, keiner Zehrung auf dem Wege, keines Reisegeldes. Kurz, der Aufbau des Reiches Gottes würde uns dann keinen Cent kosten. — Du darfst auch nicht einwenden, die Engel verstünden sich nicht auf die Verkündigung des Evangeliums. Welch feine Prediger sie sind, haben sie zu Weihnachten, zu Ostern und bei andern Gelegenheiten bewiesen. Und daß sie gern Kinder hüten und pflegen und ihnen dienen, bezeugt der Heiland selbst. Warum zieht denn Gott uns Christen zum Aufbau seines Reiches heran, trotzdem wir gar oft ihm so mürrisch und ungeschickt helfen? Ach, das ist seine grundlose Liebe und Freundlichkeit. Er will uns Gelegenheit geben, daß wir, die wir hier auf Erden in unserm irdischen Berufe mit lauter nichtigen und vergänglichen Dingen zu tun haben, nun auch Werke tun können, die nicht vergehen, sondern ewigen Nutzen schaffen. Wunderbar! Wir armen sündigen Menschen sollen dem Sohne Gottes bauen helfen an seinem ewigen Reiche, das er am Jüngsten Tage, wenn alles andere aufhört, in vollendeter Schönheit dem Vater überantworten wird. Während daher Gottes Reich wohl ohne unsere Gaben kommt und gebaut wird, so wollen wir doch alle unsern himmlischen Vater bitten, daß wir mithelfen dürfen, und wollen uns dazu gegenseitig reizen und locken. Unsere Präsides und Visitatoren wollen dafür sorgen, daß die Bedürfnisse unsers Synodalhaushaltes in ihren Kreisen ins rechte Licht gestellt werden. Unsere Prediger wollen ihre Zuhörer lustig und willig zur Arbeit im Weinberge des HErrn machen. Unsere Schullehrer wollen ihren Kindern zeigen, wie auch sie schon ihrem Heilande dienen können. Ihr Gemeinden, besprecht diese wichtige Sache in euren Versammlungen, ihr Väter und Mütter mit den Eurigen am Familientische! Wenn wir so alle lebendiges Interesse an dem Aufbau des Reiches Gottes in unserer Mitte bekunden und gemeinsam am Netze ziehen, jeder nach seinem Vermögen, dann ist es in der Tat ein Geringes, die Beschlüsse der letzten Synode zur Ausführung zu bringen. Wir haben in unserer Synode auf dem Lande und in den Städten viele reiche Leute. Von diesen erwartet Gott reiche Gaben; denn also schreibt Paulus an den Prediger Timotheus: „Den Reichen von dieser Welt gebeut, daß sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichtum, sondern auf den lebendigen Gott, der uns dargibt reichlich, allerlei zu genießen; daß sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, behilflich seien, Schätze sammeln, ihnen selbst einen guten Grund aufs Zukünftige, daß sie ergreifen das ewige Leben." Wir haben in unserer Synode auch viele geringe Leute; die wollen nicht meinen, daß ihre kleinen Beiträge überflüssig seien. An dem Scherflein der Witwe, das sie in den Gotteskasten legte, hatte unser Heiland seine helle Freude. Und gerade die vielen kleinen Gaben, die an irdischen Gütern arme Christen aus Liebe zu ihrem Heilande in unsern Synodalkasten eingelegt haben, haben Großes ausgerichtet in der Ausbreitung und Erhaltung der lutherischen Kirche Amerikas. „Es ist dem HErrn nicht schwer, durch viel oder wenig helfen." Hiermit will ich denn meinen Brief beschließen und euch alle herzlich bitten, nun baldigst diese Angelegenheit in eurer Mitte zu beraten und dann Antwort zu geben, was ihr von unsern Synodalbeschlüssen haltet. Ihr wißt ja, daß die Synode euch nichts zu befehlen hat und auch nichts befehlen will. Ausdrücklich steht in unserer Konstitution: „Die Synode ist inbetreff der Selbstregierung der einzelnen Gemeinden nur ein beratender Körper. Verbindlichkeit kann ein Synodalbeschluß erst dann haben, wenn ihn die einzelne Gemeinde durch einen förmlichen Gemeindebeschluß freiwillig angenommen und selbst bestätigt hat." JEsus Christus, unser hochgelobter Heiland, segne ferner in Gnaden die Auferziehung und Unterweisung unserer Jugend, daß sie aufwachse in seiner Furcht zum Preise seines Namens! Insonderheit segne er die rechtgläubigen Lehranstalten zur Ausrüstung treuer Arbeiter in seinem Weinberge! Es grüßt euch im Namen der Delegatensynode Euer geringer Mitbruder Hamburg, Minn., 7. Juni 1911. F. Pfotenhauer.