# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 13_S193 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 193 Volke. Es war nicht so. Ihr habt euren Dank nur fünfundzwanzig Jahre lang zusammengespart. Vergebt mir! Eine kleine Portion davon hätte mich in einer Zeit vielfachen gemütlichen Druckes allerdings oft ermuntert. Ich mußte ohne das auskommen. Ich war täglich bestrebt, meine Arbeit Gott zu tun und nicht den Menschen. Doch ich war ein Mensch. Ein anerkennend, freundlich Wort hätte mir wohlgetan. Wie ich höre, wollt ihr mir eine goldene Uhr schenken. Ich fürchte, sie werde mir nur noch die Todesstunde anzeigen. Verkauft sie dann samt der Kette, die doch nie zu mir gepaßt hätte, und schafft dafür das biblische Bilderwerk an, das ich so lange gewünscht habe. Kinder, vergeßt nicht! Gott befohlen!" Es war ein trauriges Heimgehen. Ach, er war ein so guter Lehrer! Unsere Kinder lernten so viel! Und sie waren so sittsam und gut gewöhnt in allem! Und wir haben es ihm nie gedankt! Und das hätte ihm doch wohlgetan. Es hätte ihn ermuntert, wohl gar sein Leben verlängert. Ach, daß er doch wenigstens noch diesen Sommer gelebt hätte! Ja, am Ende nur bis morgen. So hätte er doch gehört, wie dankbar wir ihm sind! So hätte er doch noch die goldene Uhr gesehen! Aus „Knüppel und Knorren". „Gott läßt sich nicht spotten!" Anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts reiste ein Holzhändler aus dem Fränkischen ins Altbahrische zum Holzeinkaufe. Als er am Schalter der Eisenbahnstation seines Wohnortes eine Fahrkarte gelöst hatte, drückte ihm der Stationsvorstand die Hand mit den Worten: „Und nun reisen Sie mit Gott!" worauf der Abreisende achselzuckend erwiderte: „Ach was, wenn es da gut bestellt ist" — dabei zeigte er auf seine wohlgefüllt aussehende Geldtasche —, „dann braucht man den alten Gott nicht zum Reisen." Das war ein frevles Wort, hat auch dem betreffenden Bahnbeamten nicht gefallen, und er ließ den Mann ohne weitere Antwort, aber mit traurigem Blick weiterziehen. Zwei Tage später las man in den Zeitungen, daß in einem Walde zwischen M. und T. in Oberbahern ein Geschäftsmann aus Franken raubmörderisch angefallen und durch einen Pistolenschuß am Kopfe schwer verwundet worden sei. Wer war der Angefallene? Unser Holzhändler! Angelockt durch die gutgefüllte Geldtasche, die im Eisenbahnzuge öfters prahlerisch zur Schau gestellt worden war, hatte sich dem Geschäftsmann ein Begleiter und Führer durch den zu durchwandernden Wald angeboten und seinem Schutzbefohlenen unversehens eine Kugel in den Kopf gejagt. Wohl gelang es dem Getroffenen, seinen Angreifer noch in die Flucht zu schlagen, dann brach er zusammen und kam erst nach längerer Zeit notdürftig geheilt, aber leidend und entstellt in seine Heimat zurück, und ein langes Leiden machte dem Leben dieses noch im besten Alter stehenden Mannes ein Ende. Eine schwere Leidenszeit war nötig, um dies harte Herz zu erweichen und hinzuführen zu dem „alten Gott", dem er einst seine Geldtasche vorgezogen hatte, aber er hat ihn noch gefunden und ist, soweit Menschen sehen konnten, versöhnt mit seinem Schöpfer und Erlöser heimgegangen! Wozu Gottes Wort nütze ist. Das steht deutlich geschrieben 2 Tim. 3, 16, nämlich „zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit". Steht etwa auch dabei: „zu schlechten Witzen"? Viele scheinen sich nur dann eines Bibelspruches zu erinnern, wenn sie einen Witz machen wollen. Da gehe ich zum Beispiel mit einem oberflächlich Bekannten an einem Neubau vorüber und wundere mich über die vielen Wohnungen darin. „Ja", sagt mein Begleiter, „das steht ja schon in der Bibel: ‚In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen!'" Da preist einer seinen Zucker an, und wirklich, der Mann läßt mit halbzölligen Buchstaben darüber drucken: „Prüfet alles und das Gute behaltet!" Ein andermal sitze ich mit einer Gesellschaft zu Tisch, und da einige Gäste ausgeblieben sind, müssen die unteren nachrücken. Sofort heißt es auf der einen Seite: „Freund, rücke hinauf!" auf der andern: „Wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden." Das ist eine kleine Blumenlese; jeder Leser wird sie gewiß aus eigener Erfahrung noch erweitern können. „Aber das ist doch harmlos und gar nicht böse gemeint!" höre ich sagen. Das ist wohl gar manches Mal der Fall. Aber es ist doch sehr vom Übel! Solch ein „Witz" klebt wie ein Schmutzfleck an dem Gotteswort und bleibt in der Erinnerung damit verknüpft. Die Sache ist also gar nicht so harmlos, wie sie aussieht. Zudem, wie verträgt sich diese häßliche Gewohnheit mit dem dritten Gebot? Gottes Wort soll einem Christenmenschen zu heilig sein, um es zu schlechten Witzen zu mißbrauchen. Kein seltenes Vorkommnis. Der alte Vater Ulrich ist dem jungen Frieder nicht mehr klug genug gewesen, und ist alles nicht recht gewesen, was er getan und geraten hat. „Vater! wir taugen nicht mehr zusammen", sagte der junge Frieder. „Ihr seid gar zu gut und verderbt mir meine Kinder und könnt Euch in meine Lage und in die Lage dieser Welt nicht finden. Gebt mir nur so viel, daß ich ein klein Häuslein neben Euer Haus bauen kann — wir wollen doch in Freundschaft leben." Da gab ich's ihm, und er baute ein Häuslein; darein schenkte ich ihm eine Bibel, ich konnte ihm sonst nichts geben. Als er ging, sprach die Mutter zu ihm: „Gott segne dir dein neues Häuslein, Frieder! Willst jetzt von deinem Vater und deiner Mutter scheiden; aber laß mir nur nicht von Gottes Wort, so wird alles noch gut gehen, magst bei der Mutter wohnen oder allein." Und so ist's auch gegangen. Zwei Tage darauf hat sich des Frieders Elisabeth eine Wunde gestoßen, da ist der Frieder zum alten Vater Ulrich gesprungen und hat Öl und Wein für die Wunde geholt, und der Vater hat's ihm gegeben. Zwei Wochen darauf haben sich Frieders zwei älteste Knaben so unartig gegen den Frieder betragen, daß er nicht mit ihnen fertig werden konnte. Da hat er den alten Vater Ulrich geholt, der hat ein paar freundliche Worte gesagt, da sind sie zum Frieder hingegangen und haben ihn um Verzeihung gebeten. Nachher hat's ihm der junge Frieder gedankt. „Vater", sagte er, „es wäre doch besser gewesen, ich wäre bei Euch geblieben. Ich habe gemeint, ich wollt's gescheiter angreifen als Ihr, so bin ich in andere Fehler gefallen, die oft noch schlimmer waren als die Eurigen! Wollen wir nicht wieder zusammenziehen?" Verheißung und Kraft. Ein alter Kirchenvater hat gebetet: HErr, gib uns, was du forderst, und dann fordere, was du willst! Und dies Gebet ist in Erfüllung gegangen an ihm und an Unzähligen. Er gibt erst Kraft und dann erst fordert er. Schon die Nähe eines Menschen gibt manchmal große Kraft. Welche Heldentaten leistet der Soldat unter den Augen seines Königs! Fast übermenschliches vollbringt der Mann, wenn er auf Weib und Kinder blickt. Nun erst