# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 13_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 in den verschiedenen Gebieten so verschiedene sind. Die Einigkeit im Geist ist eben doch keine Einbildung. Und auch das gehört mit zu den Verdiensten Walthers, daß er in seine Studenten einen „Korpsgeist" zu pflanzen verstand wie nicht leicht ein zweiter. Ich glaube, Krämer hat auch gerade hierin Großes geleistet." L. F. Ausland. Über den gegenwärtigen Stand der Australischen Synode teilt Präses Th. Nickel im „Lutherischen Kirchenboten für Australien" folgendes mit: „Die Synode zählte am 31. Dezember letzten Jahres 169 Gemeinden und Predigtplätze mit 14,289 Seelen, 9301 kommunizierenden und 3026 stimmfähigen Gliedern. In 61 Gemeinde- und 3 Privatschulen wurden von 38 Lehrern und 20 Lehrerinnen 1733 Kinder unterrichtet; außerdem besuchten 293 Kinder die Sonntagsschule. Getauft wurden 480 Kinder, konfirmiert 333. Zum heiligen Abendmahl sind gegangen 17,605, getraut wurden 143 Paare und begraben 99 Personen. Für die verschiedenen Kassen der Synode wurden £3051.10.11 (rund $15,000) gesammelt. Vergleichen wir diese Zahlen mit denen vom vorletzten Jahre, so zeigt sich fast überall ein Wachstum. Die Synode hat sich um 11 Gemeinden und Predigtplätze, 2 Pastoren, 912 Seelen, 649 kommunizierende und 103 stimmfähige Glieder vermehrt. Auch die Zahl der Kommunizierten hat sich um 1088 vergrößert. Immerhin könnte die Zahl derer, die im Laufe des Jahres zum Abendmahl gegangen sind, eine größere sein. Durchschnittlich sind alle kommunizierenden Glieder zweimal das Jahr zum Tisch des HErrn gegangen. Da nun viele unserer Glieder drei-, viermal kommunizieren, so gibt es doch immerhin eine ganze Anzahl, die nur einmal oder gar nicht zum Abendmahl gegangen sind; das ist eine Geringschätzung des Sakraments, die ein Beweis von Gleichgültigkeit und Sicherheit ist. Die für Synodalzwecke erhobenen Kollekten belaufen sich auf £3051; das sind £678 weniger als im Jahr zuvor, und die geringere Summe erklärt sich daher, daß im vorletzten Jahre besondere Gaben für den Neubau an der Anstalt gegeben wurden." L. F. Jakob Treus Jubiläum. Der gute Jakob Treu war Lehrer in Unterbergen. Fünfundzwanzig Jahre hat er dort gewirkt! Der Anfang war schwierig gewesen. Er gehörte nicht zu den Menschen, die sich die Herzen im Sturm erobern. Sein Äußeres schon sah gar nicht eroberungslustig und eroberungsfähig aus. Klein von Person, etwas schiefe Schultern, struppiges, lang in den Nacken abfallendes Haar, breite, tappige Hände, eine stumpfe Nase — das waren nicht kriegstüchtige Truppen zum Sturmlauf gegen die Herzen. Wohl begreiflich also, daß er anfänglich ziemlich Mühe hatte mit den großen Unterbergener Mädels und Buben. Und wie um das Maß des Nachteils voll zu machen, war sein Vorgänger ein an Stattlichkeit und Schönheit unübertroffener Mann gewesen, ein wahrer Modellmensch, weshalb er sich für den abgelegenen Ort bald zu gut gedeucht und nach der Stadt getrachtet hatte. Natürlich kam er ohne Schwierigkeit hinein; denn in der Stadt weiß man Modellmenschen zu schätzen. Und jetzt dieser Zwerg von einem Oberlehrer! Dem braucht man doch nicht zu gehorchen! Wir sind ja größer als er! An den Eltern wäre es gewesen, ihren Sprößlingen den Sinn für einen andern Maßstab beizubringen. Allein auch ihnen fehlte die Begeisterung für den neuen Lehrer; denn er war schüchtern, still, zurückgezogen, und selbst die Dorfnoblessen, wozu in erster Linie der Wirt zählte, sahen ihn nie beim Abendsitz. Er mußte also seinen Kampf allein führen. Und er führte ihn nach seiner Art, ohne Geschrei und Schläge, mit stillem, aber bestimmtem Wesen. Mit steter Gleichmäßigkeit übte er einen Druck aus gegen Unordnung und Unfleiß. In den Freistunden vervollkommnete er seine Methode durch treue Vorbereitung und Nachbereitung. Sein Unterricht war ein Muster von Klarheit und Faßlichkeit. Auf diesem Wege eroberte er sich mühsam den Boden, Schritt für Schritt. Nach drei Jahren besaß er eine feste Autorität in seinem kleinen Reiche. Alles ging so still und regelmäßig zu wie in einem Uhrwerk. Sein Einfluß hatte eine gute, erzieherische Wirkung auf die Kinder. Schon beim Grüßen auf der Straße merkte man es. Nur eins ging ihm ab: die Gabe zu glänzen. Er war kein Redner; an dem Examen fehlte das Bezaubernde, Augen und Ohren Entzückende, das, was die Frauen rühmen macht. Sie sprachen weiter nicht von ihm als etwa: „O ja, er ist doch ein ganz guter Lehrer!" Wenn aber die Frauen nicht von ihm sprechen, wer wollte es dann tun? So ging ein Jahr um das andere hin in gleichmäßiger, stiller Arbeit. Ihm war es wohl bei seinen Kindern und in seinem Gärtchen. Niemand achtete seiner besonders. Es gab nicht viel zu reden von der Schule. Alles ging seinen gewohnten, geraden Gang. Nichts Auffallendes, Unerhörtes ereignete sich, außer daß sich der Lehrer einmal verlobt hatte mit einer Jugendfreundin aus seiner Heimat, und diese starb eine Woche vor dem festgesetzten Hochzeitstage. Mit gleicher Treue wie ehedem arbeitete er an den Kindern der Schule. Man achtete kaum, daß er bleicher und bleicher wurde und abgezehrter. Da vernahmen die Unterberger, daß ihre Nachbarn, die Oberberger, das fünfundzwanzigjährige Wirken ihres Oberlehrers in einem Jubiläum zu feiern gedächten. Ja, war denn nicht Jakob Treu zu gleicher Zeit mit dem Nachbarlehrer eingezogen? So war es. Und wir sollten hinter den Oberbergern zurückbleiben? Niemals! Wir wollen unserm Lehrer auch ein Jubiläum machen. Jene wollen eine goldene Uhr samt Kette schenken. Wir wollen auch eine goldene Uhr samt Kette schenken! So wurde es abgemacht. Es wurde gesammelt. Die goldene Uhr samt Kette wurde besorgt. Am Abend des Examens sollte die Feier stattfinden. Der Präsident der Schulkommission war schon lange nachdenklich und gebückt einhergegangen; denn er studierte die Jubiläumsrede. Bleicher als sonst saß Lehrer Treu bei seinem Examen am Pult. Eigentümlich stach seine schwache, oft kaum hörbare Stimme ab gegen die lauten, frischen Antworten der Schüler. Die Erwachsenen achteten jedoch nicht sonderlich darauf, denn sie hatten eben die goldene Uhr samt Kette gesehen, und jedermann war gespannt, was der Präsident, der Bergbauer, in seiner Rede sagen werde. Und die Kinder waren es schon gewohnt. Nur da und dort mischte sich bei einem Mädchen etwas Feuchtes in den Blick, wenn er an des Lehrers Lippen hing. Am Abend kam man zur festgesetzten Stunde ins Schulhaus, um zu jubilieren. Man versammelte sich im Schulzimmer, das bald voll besetzt war. Nur der Lehrer fehlte noch. Man hatte ihn doch eingeladen. Man hatte ihm doch bedeutet, daß es ihm gelte! Und nun kam er nicht. Endlich machte sich der Präsident auf, um ihn aus seiner Wohnung abzuholen. Bald kam er zurück, allein, schreckensbleich: „Der Lehrer ist tot!" Ein einziger Aufschrei des Schmerzes erscholl aus der Kinderschar. Die Leute drängten sich hinüber in des Lehrers Wohnung. Da lag er in einer Blutlache. Ein Blutsturz hatte ihn nach der heutigen großen Anstrengung plötzlich dahingerafft. Auf dem Tischchen lag ein beschriebenes Blatt Papier. Darauf hatte der Lehrer die Notizen zu seiner Dankrede aufgesetzt. Mit zitternder Hand nahm der Präsident den Zettel; mit zitternder Stimme las er ihn vor. Am Schlusse hieß es: „Meine Lieben! Ich danke euch für euer Wohlmeinen. Ich will offen sein: es war mir oft, als arbeitete ich an einem undankbaren