# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 13_S190 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 190 wird. Unsere Kinder sollen etwas viel Besseres haben; sie sollen nach Gottes Befehl und aller wahren Christen Wunsch wirklich erzogen werden und darum in eine lutherische Gemeindeschule gehen. Und wo ja in einer Gemeinde noch keine solche Schule wäre, da wollen wir mit allem Ernste darauf dringen, daß eine eingerichtet wird. Und diese unsere kostbaren, lieben lutherischen Gemeindeschulen wollen wir hegen und pflegen, auch wenn wir viel von unserm irdischen Gut daranwenden müssen. Das Kapital ist gut angelegt. Wir Lehrer wollen uns unserer hohen, köstlichen Aufgabe immer mehr bewußt werden und dann mit aller Treue und allem Fleiße in unsern Schulen arbeiten. Die Arbeit ist wirklich einer vollen Manneskraft würdig und wert. Wir Pastoren wollen fortfahren, wie bisher, so auch fernerhin, Gemeindeschulen zu gründen und zu fördern. Ja, wir wollen dies tun mit noch größerem Eifer als je zuvor, denn der Satan wütet mehr als je gegen unsere Schulen. Wie viele Scheingründe kann er doch gegen Einrichtung einer Schule vorbringen! Er flüstert uns zu: „Deine Gemeinde kann noch keine Schule erhalten", oder: „Du hast kein Recht, die Kinder aus der guten Staatsschule zu nehmen und zu verlangen, daß sie sich mit dem begnügen, was du in der Schule leisten kannst", und anderes mehr. Allein, wir wollen diesen triftig klingenden Gründen kein Gehör schenken, sondern einfach tun, was wir aus Gottes Wort als unsere Pflicht erkennen, und als rechte Hirten auch der Lämmlein, der Kinder in unsern Gemeinden, uns annehmen und in aller Treue und Selbstverleugnung christliche Schulen für sie einrichten, erhalten und vermehren. Gott gebe uns Pastoren, Lehrern und Gemeindegliedern zum Wollen das Vollbringen! F. H. S. Albert Friedrich Hoppe. Am 31. Mai entschlief fein sanft und stille in seiner Wohnung zu St. Louis Professor A. F. Hoppe, D. theol., im hohen Alter von nahezu 83 Jahren. Am 3. Juni fand sein Begräbnis statt, bei dem sein langjähriger Seelsorger, P. C. C. Schmidt, über Phil. 1, 21 die Leichenpredigt hielt. Still und zurückgezogen, nicht vielen bekannt, hatte er seit langen Jahren gelebt, unermüdlich tätig für unsere schöne große Ausgabe von Luthers Sämtlichen Schriften. Aber denen, die ihn näher kannten, wird der fromme, freundliche, bescheidene, für Luther und seine Werke begeisterte Gelehrte unvergessen bleiben. Auch Fernerstehende, die ihm wegen seiner Verdienste um unsere Lutherausgabe ein dankbares Andenken bewahren, werden gern etwas Näheres von seinem Leben und Wirken erfahren. Wir bringen deshalb mit einigen Auslassungen einen Lebenslauf zum Abdruck, den der Verstorbene eigenhändig vor mehreren Jahren niedergeschrieben hat, nicht für die Öffentlichkeit, sondern, wie es darin heißt, „auf die Bitte meiner einzigen Tochter, damit sie nach meinem Tode denen, die es etwa begehren, über meinen Lebensgang Auskunft geben kann". Gerade so, wie hier beschrieben, war der Mann, dem diese Zeilen ein Ehrengedächtnis sichern sollen. L. F. I. Ich bin am 24. Juli 1828 in Rostock geboren. Mein Vater ist Joachim Christian Hoppe, Wundarzt, meine Mutter Charlotte, geb. Ludewig, Tochter des Magisters Joachim Heinrich Ludewig, Professors der englischen Sprache an der Landesuniversität. Meine liebe Mutter starb jung, als ich etwa vier Jahre alt war; doch erinnere ich mich, daß sie mich jeden Abend vor dem Schlafengehen beten ließ. Danach nahm meine Großmutter mütterlicher Seite, die verwitwete Magisterin Katharina Maria Ludewig, geb. Wichmann, Mutterstelle bei mir ein. Von ihr habe ich die beiden schönen Weihnachtslieder gelernt: „Lobt Gott, ihr Christen allzugleich" und „Vom Himmel hoch, da komm' ich her". Unerwähnt will ich nicht lassen, daß unser gottseliges Dienstmädchen uns Kindern die Passionshistorie erzählte. Im Jahre 1839 trat ich in die Quinta des Gymnasiums zu Rostock ein und machte zu Ostern 1849 mein Abiturientenexamen. Mit dem Religionsunterricht war es auf dem Gymnasium in etlichen Klassen nicht gut bestellt. In Quinta war freilich ein gläubiger Religionslehrer, Doktor E., aber in Quarta und Tertia folgte ihm der rationalistische Lehrer M., welcher den Unterricht mit einem derartigen Gebete begann: Du, den Worte nicht nennen, deine ungeschaute Gegenwart belebe jeden unserer Gedanken und Empfindungen; leite sie, Unerschaffener, zu dir ꝛc. In Sekunda hatte Doktor B. den Religionsunterricht, in welchem er uns die verschiedenen gnostischen Systeme vorführte, aber nicht unsern Heiland JEsum Christum. Endlich in der Prima hatten wir wieder das Glück, einen gläubigen Lehrer zu bekommen, den Magister K., zweiten Prediger an der St. Marienkirche. Derselbe hat mich auch konfirmiert. Bei meinem Abgang von der Schule gab mir der Professor Busch den für jeden Studierenden sehr beherzigungswerten Rat, ich solle mir das Textbuch, welches bei meinem Studium zugrunde läge, die Bibel, in den Ursprachen recht geläufig machen. Unmittelbar danach hatte ich meine Militärpflicht zu erfüllen, wurde aber dadurch in meinem Studium nicht sehr gehindert, da ich schon nach einem halben Jahre der Landwehr zugewiesen wurde. Mein Studium wurde dann hauptsächlich durch Professor Franz Delitzsch geleitet und beeinflußt, der sich meiner sehr liebreich annahm, ja, mich fast täglich zum Spaziergange abholte. Auch an Professor Otto Krabbe hatte ich eine gute Stütze. Als dann Delitzsch nach Erlangen fortberufen wurde, folgte ich ihm dorthin und studierte daselbst ein Jahr lang. Nach Rostock zurückgekehrt, fand ich dort den von Dorpat erlangten Professor Philippi vor, der sich von da ab meiner treulich angenommen hat, in solcher Weise, daß er auch mit mir und andern Mitstudenten nicht allein exegetische Conversatoria in seinem Hause hielt, sondern auch (wie schon Delitzsch getan hatte) mit uns zusammen zum heiligen Abendmahle ging. Im Jahre 1853 bestand ich mein Tentamen und nahm dann zunächst eine Hauslehrerstelle auf dem Lande an bei P. M. Staak, bis ich mich im Jahre 1855 mit der Witwe des Hofrats Crull verheiratete und mit ihr und zwei Kindern (deren eines ist Professor Crull in Fort Wayne) nach Amerika auswanderte, versehen mit einer Empfehlung des Oberkirchenrats Kliefoth an Professor Walther. In New York, wo ich Präses Wyneken als Rekonvaleszenten von einer Krankheit antraf, fand ich bei P. Brohm eine Einladung Walthers vor, daß ich vorläufig mit meiner Familie bei ihm Quartier nehmen möchte, bis sich eine Anstellung für mich gefunden hätte. Dies geschah. Zu Anfang Oktober 1855 rückten wir bei Walther ein. Doch wiewohl sonst so viele Berufe kamen, „daß wir uns" (wie Walther sich ausdrückte) „Prediger drechseln möchten", so blieb jetzt doch alles still, und nie-