# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 13_S189 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 189 gleich den HErrn, aber sie haben das Feuer gesehen und kommen nun zum Missionar, um es näher zu besehen. Ich rede natürlich nur von solchen Heiden, die Christen werden. Sie kommen allerdings mit ihrem heidnischen Herzen, immer voller Sorge um Essen, Trinken und Kleidung, und hoffen, daß es dafür wohl etwas abwerfen werde. Durch den Missionar aber ruft ihnen der HErr entgegen: „Tritt nicht herzu! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, da du auf stehest, ist ein heilig Land", 2 Mos. 3, 5. Das heißt: Ihr Heiden, gebt eure falschen, fleischlichen Hoffnungen und Erwartungen vom Christentum auf, denn hier handelt es sich um eure Seele, um Gott, Himmelreich und Seligkeit. Während des ganzen Taufunterrichts wird ihnen das immer und immer wieder gesagt. Sie sehen nun lauter Wunder; ungezählte neue Wahrheiten gehen auf vor ihren Augen. Der Heilige Geist schafft ihnen neue Herzen und bekehrt sie zu Christo, ihrem Heilande. Nur wenige gehen während des Lernens hinter sich. Bei den meisten wirkt Gottes Wort so kräftig in ihren Herzen, daß sie sich willig taufen lassen. So ist unsere Gemeinde hier entstanden. Wir aber sprechen mit Luther: O HErr, durch deines Lichtes Glast Zu dem Glauben versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen: Das sei dir, HErr, zu Lob gesungen. Halleluja! Es sei mir noch ein Beispiel gestattet, um zu zeigen, in welchem Verhältnis die Heidenpredigt zum Kommen der Heiden zum Christentume steht. Auf dem Felde zu Jericho stand ein Mann Josua gegenüber. Josua fragte ihn: „Gehörest du uns an oder unsern Feinden?" Dieser Mann steht auch durch die Heidenpredigt den Heiden gegenüber. Die Heiden erkennen ihn noch nicht; sie wissen nicht, ob er Freund ist oder Feind, ob sie sich von ihm abwenden und fliehen oder zu ihm kommen sollen. Wie sich der Mann Josua zu erkennen gab und antwortete: „Nein, sondern ich bin der Fürst über das Heer des HErrn und bin jetzt kommen", so gibt er sich den Katechumenen — das sind diejenigen Heiden, welche sich zur Taufe vorbereiten lassen — zu erkennen. Und wie Josua auf sein Angesicht zur Erde fiel, den Mann anbetete und um sein Wort ersuchte, so werden die Heiden Christen, lassen sich taufen, hören sein Wort, glauben an ihn und beten ihn an; auch beginnen sie die Schuhe auszuziehen von ihren Füßen, nämlich den alten Menschen immer mehr abzulegen. Jos. 5, 13 ff. Auf diese Weise sind wir hier zu unserer Christengemeinde gekommen. — Lieber Glaubensbruder, du willst jetzt wieder von mir scheiden. Gehe hin und sprich: „Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen." Wir treiben das Missionswerk hier an deiner Statt. Aber es gibt in diesem Werke so vieles zu tun, was niemand an deiner Statt tun kann. Du selbst mußt glauben an den HErrn der Kirche, du selbst mußt seinem Missionsbefehl gehorsam sein und den HErrn der Ernte bitten, daß er Arbeiter in seine Ernte sende, ja du mußt sie ihm senden helfen. So legen wir dir ans Herz, auch für uns Missionare zu beten, auch für die neugewonnenen Christen, die ich dir heute gezeigt habe, daß sie dem HErrn treu bleiben, und für die Heiden, daß sie sich bekehren und leben. Auch das Geben darfst du nicht unterlassen. Die Heidenmission ist ein Werk in fremden Landen und kostet viel. Doch soll das nicht mein Schlußwort sein. Es sei Gott zur Ehre gesagt, seine Kinder in der Heimat haben nun schon siebzehn Jahre lang unser Missionswerk getrieben. Was du heute gesehen hast, das konnte nur mit ihrer Hilfe zustande kommen. Dazu hat uns Gott eine Missionsleitung in der Heimat gegeben mit einem Herzen voller Geduld, Liebe, Vorsicht, Wachsamkeit und Glaubensmut, daß nur unter solcher Leitung bisher so viel erreicht und errungen werden konnte. Aber wir geben Gott allein die Ehre. Wohin wir auch blicken, überall drängt es uns zu dem Bekenntnis: „Der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich." Vanihambadi. R. Freche, Missionar. Die Kommission für Heidenmission bringt hiermit unsern Christen zur Kenntnis, daß die Heidenmissionskasse gegenwärtig nicht nur leer ist, sondern $2000.00 Schulden hat. Dazu stehen in nächster Zeit außer den laufenden Ausgaben, wie sie die Erhaltung der Missionare in einem Heidenlande mit sich bringt, unvermeidliche größere Ausgaben bevor. Wir bitten herzlich und dringend um Gaben und Kollekten. Im Namen der Kommission L. Fürbringer. Einige Urteile über das öffentliche Schulwesen, und was wir Lutheraner daraus lernen sollen. Im Ladies' Home Journal war kürzlich ein scharfes Urteil über das öffentliche Schulwesen zu lesen. Der Schreiber sagte unter anderm: „Ist unser öffentliches Schulwesen wert, daß wir es aufrechterhalten? Ich meine nicht. Wir müssen etwas finden, wodurch unsere Kinder wirklich erzogen werden." Er begründet sein Urteil einmal damit, daß er sagt, daß in den öffentlichen Schulen von einer eigentlichen Erziehung gar nicht die Rede sein könne, und zum andern durch Hinweis auf das beklagenswerte Resultat solcher vermeintlichen Erziehung, nämlich die allenthalben überhandnehmende Zuchtlosigkeit und Unkeuschheit unter dem amerikanischen Volke. Der berühmte Professor der Clark-Universität, Dr. Stanley Hall, gewöhnlich "The Child's Friend" genannt, der es zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, „das Kind" zu studieren, sagte in einer Rede, gehalten vor einer großen Versammlung angehender Lehrer und Lehrerinnen, etwa folgendes: „Ihr Leute tut mir eigentlich alle leid. Ihr geht nun hinaus in die Schulen mit rosigen Hoffnungen; ihr glaubt, eure Arbeit werde viel Segen haben. Ihr glaubt, von eurer Arbeit hinge das Wohl des Landes ab, denn ihr werdet ja mithelfen, die Jugend zu erziehen. Aber ich wiederhole, ihr tut mir leid; denn ihr könnt in den öffentlichen Schulen gar nicht erziehen, weil Gottes Wort fehlt. Eure Arbeit wird lediglich darin bestehen, den Verstand der euch anvertrauten Jugend zu bilden. Die einzigen Leute in unserm Lande, die es verstehen, die Kinder zu erziehen, sind die Lutheraner und die Katholiken in ihren Religionsschulen." So weit die Urteile. Was sagen nun wir Lutheraner dazu, Gemeindeglieder, Lehrer und Pastoren? Wir meinen kurz etwa folgendes. Wir Gemeindeglieder wollen unsere Kinder durchaus nicht in die religionslose Staatsschule schicken, die selbst von tüchtigen amerikanischen Lehrern und Professoren als ungenügend, ja als gefährlich angesehen