# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1911 06 13_S185 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr. Und ich sahe einen Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewig Evangelium, zu verkündigen denen, die auf Erden sitzen und wohnen, und allen Heiden, und Geschlechtern, und Sprachen, und Völkern, und sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott, und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist kommen, und betet an den, der gemacht hat Himmel, und Erde, und Meer, und die Wasserbrunnen. Offb. Joh. 14, 6. 7. Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten. Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis. 67. Jahrgang. St. Louis, Mo., den 13. Juni 1911. No. 12. „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet.“ Luk. 11, 23. Was der HErr damit sagen wollte, ist nicht schwer zu erkennen. Es gab nämlich schon zur Zeit Christi viele, die zwar nicht, wie die Schriftgelehrten, Pharisäer und Hohenpriester, darauf ausgingen, Christi Reich zu zerstören, die aber doch auch nichts taten, daß dasselbe befördert und ausgebreitet wurde. Sie wollten keine Gegner seines Reiches sein, sich aber auch nicht völlig dafür entscheiden, sondern eine gewisse Neutralität beobachten. Sie meinten daher, obgleich sie nichts für Christi Reich taten, doch schon darum für Freunde und Förderer desselben zu gelten, weil sie nichts dagegen taten. Was spricht aber Christus für ein Urteil über sie aus? Er fällt das strenge Urteil: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet.“ Er will damit also kurz sagen: Mag ein Mensch immerhin nichts in der Absicht tun, mein Reich aufzuhalten oder gar zu bekämpfen: wenn er nur ein müßiger Zuschauer ist, wenn er nur nicht willig und tätig dafür arbeitet, daß meine Kirche gesammelt und erbaut wird, so zerstreut er dieselbe schon durch seine Untätigkeit und Trägheit, so ist er schon damit ein Feind statt ein Freund, ein Gegner statt ein Beförderer meines Reiches. Diesem Urteil müssen wir alle beistimmen; denn es gilt selbst bei Menschen. Wer mir in meiner Not nicht beisteht, obwohl er kann, der offenbart damit, daß er mich nicht als Freund liebt, sonst würde er mir ja helfen; denn der Liebe Art ist, daß sie sich in der Tat offenbart. Wer in unserm letzten Bürgerkrieg nichts für die Union und ihre Erhaltung tun wollte, der galt schon darum für einen Feind derselben, wenn er auch nichts dagegen tat und redete. Neutralität galt und gilt nie in einem entscheidenden Kampfe. Wohlan denn, meine Lieben, laßt uns denn auch diesen Maßstab des Wortes Christi: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet“ an unser Christentum legen — wie steht es da mit uns? Es ist wahr, es ist niemand unter uns, der sich etwa ärgert, wenn Christi Reich ausgebreitet, sein Evangelium immer reiner gepredigt, immer mehr Schulen und Kirchen zum Bau der Christenheit gegründet, immer mehr Menschen zu Christo wahrhaft bekehrt werden. Aber wie? Sind wir auch alle tätige, eifrige und willige Teilnehmer an diesem großen Werke christlicher Liebe? Beten wir nicht nur mit aufrichtigen Herzen täglich: „Dein Reich komme“, sondern beweisen wir auch die Aufrichtigkeit unsers Gebets? Vernehmen wir mit herzlichem Interesse, was im Reiche Christi, in der Christenheit, unter den Heiden vorgeht, und freuen wir uns über den Fortgang und die Ausbreitung seines Reiches? Oder gibt es nicht solche unter uns, die viel begieriger sind, etwas von Welthändeln zu hören als von der Kirche? Gibt es nicht solche unter uns, die nicht nur gar kein Herz für die Heidenmission haben und nie ein Scherflein dafür darreichen, sondern die selbst dafür kein Opfer bringen wollen, daß in ihrer eigenen Mitte Kirchen und Schulen erbaut, Anstalten zur Ausbildung von Predigern und Lehrern gegründet werden? Sind nicht solche unter uns, die sich wider jedes Werk setzen, das zur Verbesserung des eigenen Gemeindewesens unternommen wird, die es offen erklären, sie hätten genug für diese Kirche bezahlt, sie wollten das übrige andern überlassen, ja, die so wenig Interesse an dem Wohl und Wehe ihrer eigenen Gemeinde nehmen, daß sie fast nie in der Gemeindeversammlung erscheinen, wo doch beraten und beschlossen werden muß, was zur Erhaltung und Beförderung des Reiches Christi unter uns nötig ist, die diese Arbeit immer ihren Brüdern überlassen? Kurz, sind nicht manche unter uns, die so untätig, so gleichgültig, so träge und lau in Sachen des Reiches Christi sind, daß, wenn alle so wären, nicht nur keine Kirchen und Schulen gebaut werden könnten, sondern auch, was schon besteht, alles wieder verfallen müßte? Was urteilt aber Christus von solchen Namenchristen? Er spricht: „Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet.“ Sehet da, nicht Freunde und Gönner, sondern Feinde und Zerstörer des Reiches Christi sind sie. O Gott, welch ein schweres Urteil, welch ein verdammendes Wort! Selbst wahre Christen, die manchmal unterlassen, etwas für Christum zu