# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1880 11 15_S172 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 172 Wort, das bereits die Masse des deutschländischen Volks durchdrungen und vergiftet hat, nun auch eine sittliche Verderbniß zu Tage kommt, wie sie frühere Zeiten nie gesehen haben, und die besonders zusammengedrängt in den größeren Städten sich offenbart? Furchtbar und entsetzlich sind die Verbrechen, die jetzt selbst von Jünglingen gar nicht so selten ausgeübt werden — Schandthaten, die früher kaum von in Lastern ergrauten Bösewichtern verübt wurden, und auch die erschreckende Zunahme des Selbstmords ist ein furchtbares Zeichen des weit verbreiteten Unglaubens und der Verachtung des göttlichen Worts. Wo sind aber die Prediger, davon es Jes. 58, 1. also lautet: „Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volke ihr Uebertreten und dem Hause Jakob ihre Sünde"? Ja, diese Volksprediger sind eben so wenig vorhanden als die früher erwähnten Hofprediger von echtem lutherischem Schrot und Korn. Die schriftwidrige Union hat eben den Bekenner⸗ und Zeugenmuth selbst in denen gebrochen, die wohl sonst für die Ehre göttlichen Worts einstehen und, wenn gleich auf gefühlsgläubige und gefühlsselige Weise, Christum predigen und die Sünde strafen, obgleich oft schwächlich und zaghaft genug. Eine reformatorische Stimme von hellem Posaunenklang, nach Luthers Vorgang, läßt sich nirgends vernehmen und am wenigsten in den sogenannten lutherischen Landeskirchen, die leider von dem unionistischen Gifte kräftig durchdrungen sind. Die einzelnen Posaunenstöße aus der Zeitschrift einer lutherischen Freikirche Deutschlands wider das eingedrungene Verderben sind den unionistischen Fürsten und ihren Räthen schwerlich zu Ohren gekommen, würden auch kaum beachtet werden, da von ihnen diese Zeugen nur als Revolutionäre auf kirchlichem Gebiete betrachtet werden. Ach, möchte sich doch Gott erbarmen, daß wenigstens die heilbaren Fürsten und ihre Gewaltigen sich „weisen und züchtigen" ließen durch jene schrecklichen Wirkungen des von dem Teufel beherrschten antichristischen Zeitgeistes! Dann würden sie auch in ihrem bürgerlichen Regiment „dem HErrn dienen mit Furcht" d. i. mit heiliger Scheu und kindlicher Ehrfurcht und „sich freuen mit Zittern." Es gilt also für sie, daß sie „den Sohn küssen", das ist, im wahren Glauben kraft seines Wortes beharrlich an Ihm, als ihrem HErrn und Könige, hangen und haften, ihm die Ehre geben und aus seinem Munde Weisheit lernen, damit Er, falls sie dies unterließen, „nicht zürne und sie umkämen auf dem Wege", das ist, als abfällige und im Abfall beharrende Fürsten und Räthe ewiglich verloren gingen und verdammt würden; „denn sein Zorn wird bald anbrennen"; das ist, wir leben in der allerletzten Zeit, jeder Tag kann jetzt der jüngste oder der letzte Tag dieses Weltlaufs sein; und „wenn sie (in der grauenhaften fleischlichen Sicherheit grade unsrer Tage) sagen werden: „Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen." 1 Thess. 5, 3. „Aber wohl allen, die auf Ihn trauen", wohl also auch allen Fürsten und ihren Räthen, die auf den HErrn Christum, als den König aller Könige und den HErrn aller Herren, die einige Zuversicht ihres Herzens setzen, deß durch Gottes Wort und im Glauben gewiß, daß Er, in dem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß, ihnen nicht nur in allen Nöthen ihres schweren Berufs kräftig beistehen und sie herausreißen, sondern am Tage der Offenbarung seiner Herrlichkeit auch sie erlösen werde von allem Uebel und ihnen aushelfen zu seinem himmlischen Reiche, dem Reiche der Herrlichkeit, das da ewiglich bleibet, nachdem Himmel und Erde und die Reiche dieser Welt vergangen sind. Was sollen wir deutschen Lutheraner hiesigen Landes nun sagen, nachdem wir die furchtbaren Verwüstungen so etwas ins Auge gefaßt haben, die auf des Teufels Antrieb und Fortwirkung der antichristische Zeitgeist in unserm alten Vaterlande angerichtet hat? Zum Ersten haben wir allerdings hohe Ursache, dem lieben Gotte von Herzen zu danken, daß dieser Greuel der Verwüstung im Glauben und Leben bei uns bis jetzt noch nicht derartig vorhanden ist wie drüben. Zwar ist es wahr: der Teufel kümmert sich nichts um das atlantische Meer. Als ein Geist vom trennenden Raum nicht beschränkt, kann er unter Gottes Verhängung und Gestattung an demselben Tage in allen fünf Erdtheilen durch „seine Engel" und durch die Naturkräfte allerlei irdischen und leiblichen Schaden und Verderben anrichten; auch kann er, als der Lügner von Anbeginn und der Vater der Lügen, geistig die Kinder des Unglaubens betrügen und verführen und in der Kirche wie im Staate einen Schwindelgeist über sie ausgießen; ja sogar die Gläubigen darf er mit den feurigen Pfeilen der geistlichen Anfechtungen zu derselben Stunde und in gar verschiedenen Ländern und Erdtheilen heimsuchen und plagen, nach seinem boshaften Absehen, um sie, wo möglich, von Christo abzureißen, nach Gottes gnädigem Absehen aber, um sie mit Christo inniger zu vereinigen, indem sie durch die Gnade des Heiligen Geistes mit dem Schilde des Glaubens und dem Schwerte des Geistes, dem Worte Gottes, sich seiner geistlichen Anfechtungen zu erwehren lernen. Jedoch hat, wie gesagt, hier zu Lande durch Gottes Gnade bis jetzt der Teufel in seinem antichristischen Zeitgeiste noch nicht solchen Greuel der Verwüstung angerichtet als drüben in unserm alten Vaterlande. Zum Andern haben wir rechtgläubigen Lutheraner hiesigen Landes, eingeboren oder eingewandert, englischer oder deutscher oder skandinavischer Zunge, Lehrer oder Hörer, nach besten Kräften durch Gottes Wort und Gebet dem Teufel zu widerstehen, daß sein antichristischer Zeitgeist nicht auch in unser Land und Volk immer mehr einreiße und der Satan seine hier noch mehr zerstreuten Streitkräfte sammle und sie wider Christum und sein Volk ins Feld führe. Und sind wir auch nur ein kleines Häuflein, so sind wir doch stark in dem HErrn und in der Macht seiner Stärke, angethan mit der geistlichen Waffenrüstung, dem Satan erfolgreichen Widerstand zu thun, das Feld zu behaupten und diese und jene dem Strome des Verderbens zu entreißen. Zum Dritten ziemt es uns, für unsere Volksgenossen drüben unsere Hände mit Gebet und Fürbitte ernstlich und beharrlich zu Gott aufzuheben, daß wenigstens die Heilbaren und Unwissenden unter den Verführten durch rechtschaffene Buße zu Gott und wahren Glauben an Christum dem Teufel und seinem antichristischen Zeitgeiste entrissen werden; denn an eine Volksbuße von Oben nach Unten und von Unten nach Oben wie zu Ninive und an eine Massenbekehrung ist wohl schwerlich zu denken. (Eingesandt.) Missionsbericht aus Californien. Die lieben Leser des „Lutheraner" werden sich erinnern, daß es der Missionscommission dieses Frühjahr durch Gottes Hilfe gelungen ist, Herrn Pastor Louis Wagner aus Chicago nach Californien zu senden, wohin ihn die Gemeinde des Herrn Pastor Bühler in San Francisco zwar als zweiten Prediger berufen hatte, aber hauptsächlich in der Absicht, die Mission daselbst unter unserer Mithilfe kräftig in Angriff zu nehmen. Der nachstehende interessante Missionsbericht hierüber theilt uns denn mit, welcher höchst erfreuliche und gesegnete Anfang daselbst von den beiden lieben Brüdern bereits gemacht worden ist und welche heilige Pflicht unsere Synode hat, dieses so viel versprechende Missionsgebiet auf alle mögliche Weise zu fördern. Der westliche Synodaldistrict hat daher in seiner eben in Concordia, Mo., gehaltenen Versammlung beschlossen, wo möglich nächsten Sommer noch zwei Missionare nach Californien und einen nach Oregon zu senden, und hofft dabei auf die kräftige Mitwirkung und Unterstützung unserer übrigen Synodaldistricte, die wir schon im letzten Jahre so reichlich und mit aufrichtigem Danke erfahren durften. Wir zweifeln nicht: wer nachstehenden Bericht lies't, wird mit seliger Lust und Freude erkennen, welch ein seliges Werk der HErr Christus in unserer innern Mission uns anvertraut hat, und wird nicht zurückstehen wollen, wenn es gilt, dasselbe auch mit seinem Gebet und Gaben zu unterstützen. Ja, theure Brüder und Schwestern, lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an den Glaubensgenossen, lasset uns Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Gedenket unserer Missionskasse. Ohne die Beiträge eurer Liebe können wir dies selige Werk nicht ausrichten, und ist es doch ein so gesegnetes Werk in Zeit und Ewigkeit! Leset nachfolgenden Bericht und freuet euch, daß ihr Gehilfen dieses Werkes sein dürfet. O. H. * Hochgeehrte und geliebte Missionscommission! Da durch Gottes reiche Gnade dieses Jahr unserer lieben Gemeinde hier in San Francisco es einigermaßen ermöglicht ist, ihren geliebten Seelsorger, Herrn P. J. M. Bühler, einmal zur Synodalversammlung des Westlichen Districts unserer Synode ziehen zu lassen, und ihm, meinem lieben Vater und Bruder im HErrn, somit eine Freude und ein Genuß bereitet ist, den ihm nach zwanzigjähriger Entbehrung nun auch der treue Gott zwanzigmal erhöhen und versüßen wolle, indem er ihn nicht nur alle theuren Verwandten und Freunde mit herzlichstem Wiedersehen begrüßen lasse, sondern auch in Bezug auf die Synode ihn mit Davids Jubel erfülle: „Siehe, wie fein und lieblich ist's, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen" (Ps. 133.) — so kann ich mich nicht nur bei dieser Gelegenheit einer Pflicht entledigen, da ich im Dienste der Synode stehe und daher Rechenschaft abzulegen habe, sondern ich will, so viel ich kann, durch diesen ersten Missionsbericht, indem ich denselben mit Hrn. P. Bühler schicke und so im Geiste gleichsam mitreise und mit bei Ihnen bin, auch unser aller Freude mehren. Gott sei Lob und Preis, daß er uns in dieser kurzen Zeit unserer Missionsthätigkeit doch schon so begnadet hat. Gleichsam als die erste These stellten wir im Beginn unserer Mission den Grundsatz auf: in keiner der zahlreichen größeren Städte und Städtchen zu predigen. Warum nicht? Weil wir, anstatt zwölf zu sein, blos zwei sind! Nur dann und wann einmal an einem solcher Plätze, die alle ziemlich von Deutschen bewohnt werden, — ja, es gibt sogar ganz deutsche Städtchen — zu predigen, das würde, anderer Gründe nicht zu gedenken, von den Leuten eher für etwas Zweckloses als für Gottes Werk angesehen werden. Wir wandten uns daher bis jetzt nur an solche Plätze, wohin wir nicht nur aufgefordert wurden zu kommen, sondern denen wir auch zugleich wirklich dienen konnten. Unser erster Zweck