# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Der Irvingismus. zusammen geordnet und mit verschiedener Werthgebung (dort, unter den Pro- pheten Languedocs, vom A. T. vorzüglich Joel 3, 1 ff., hier vorzugsweise Jes. 1, 22—26, bei beiden vom N. T. gleichmäßig Eph. 4. und 1 Cor. 12), um eine solche Theorie zu stützen, aufgerufen wurden. Was aber die Erschei- nung betrifft, die wir hier im Auge haben und deren Vertretung die obenste- henden drei Schriften nach vielen anderen (seit der Publication des Irving- schen Manifests und seit der Herausgabe des Buchs: „Die Kirche Christi in unserer Zeit' 1845) mit aller Kraft übernommen haben, so unterscheidet sich dieselbe von den voraufgehenden in mehrern Stücken, die allerdings haupt- sächlich durch die vorgeschrittene Entwickelung der Kirche Christi und ihres Kampfes bedingt sind. Denn nicht bloß etwa die Kräfte, die hier wirksam sich erzeigen (religiöse und theologische zugleich), nicht blos die Hingebung, womit dieser Sache gedient wird, sind es, welche der Erscheinung der prätendirten Irving'schen Kirchenerneuerung ihre Bedeutung verleihen, sondern es sind vor Allem die Elemente, welche derselben zur Unterlage dienen, aus welchen der Irvingismus sich erbaut. Denn es ist ja nicht zu verkennen, daß derselbe einerseits zu großem Theil mit Werkstücken baut, die unserer kirchlichen Ent- wickelung entnommen sind; das Resultat der kirchlichen und gläubigen For- schung unsrer Tage hat er nicht nur hinter sich, sondern vor sich. Die Lehre von der Taufe, wie sie in No. 3. vorgetragen wird, ist rein lutherisch; das Collegialsystem aber, wenn man will die „Christokratie“, wie dasselbe sich aus- spricht in No. I., ist keine neue apostolisch-prophetische Offenbarung, sondern von der lutherischen Kirche im Schweiße ihres Angesichts erworben. Ebenso wenig kann es in Abrede gestellt werden, daß der Irvingismus andererseits sich an dominirende antikirchliche Sympathien in unsrer Zeit anlehnt: seine Indifferenz gegen „die Confession“ und „die Symbole“, welche höchstens ge- faßt werden als eine Erinnerung dagewesener Glaubenskraft und Treue, ist schon ein hinlänglicher Beweis davon. Endlich kommt hinzu das eigenthüm- lich Irving'sche, das sich wenigstens theilweise mit den beiden vorausgehenden Elementen vermengt und eine ganz absonderliche σύγχρασις zu Tage bringt. Daß alles dieses die Kritik der Irving'schen Theorie erschwert, sieht man wohl am besten daraus, daß eine solche Kritik noch zur Zeit nicht einmal versucht worden ist. Wir können uns mithin, auch wegen unserer natürlichen Gren- zen, nicht heraus nehmen, eine solche hier liefern zu wollen; wohl aber möch- ten wir einige Winke geben, die einer folgenden umfassenderen Prüfung zur Grundlage dienen könnten. So spricht sich nun die Irving'sche Doctrin, ihre Begründung und Recht- fertigung versuchend (was der hauptsächliche Vorwurf von den in No. 3 ent- haltenen Vorträgen ist), im Wesentlichen dahin aus. Diese Doctrin, heißt es, sei nicht etwa ein Ergebniß theologischer Forschung, nicht eine auf dem Baum Deutscher Wissenschaft gewachsene Frucht (überhaupt seien die Stammhalter des Glaubens nicht auf den Kathedern zu finden), sondern hier habe sich wiederholt, was von Anfang an, nach Matth. 11, 25 ff. 1 Cor.