# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S181 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Irvingismus. 181 scher Schriften von Rudelbach. So wenig wir nun mit Rudelbach über- einstimmen können, wenn er hier die Absicht und den Wunsch ausdrückt: „daß lutherische Christen sie (die Irvingianer) als irrende Brüder betrachten mögen,“ da wir fest überzeugt sind, daß die Irvingianer mit ihrer schwärme- rischen Amts⸗, Kirchen⸗ und chiliastischen Hoffnungs⸗Lehre den Grund des christlichen Glaubens, in völliger Blindheit über das Wesen des Evangeli- ums, umstoßen: so müssen wir doch auf die Rudelbachsche Kritik der irvin- gianischen Grundsätze, so weit dieselbe bereits vorliegt, als auf einen höchst werthvollen Beitrag zu einer lutherischen Polemik gegen die mehrgenannte Sectirerei hinweisen. Das Resultat dieser Kritik finden wir in folgenden Worten Rudelbachs: „Ihre Theorie von den vier Aemtern in der Kirche ist nichts mehr und nichts weniger als ein Spinngewebe, daran sie ihren ganzen Bau in freier Luft befestigt haben. Was Luther vor allem und mit Recht verlangt, daß wir nämlich, überall wo wir bestimmen wollen nach der Schrift, ein festes, klares, gewisses Gotteswort vor uns haben müssen, ist hier so wenig beachtet, daß im Gegentheil die Principalstellen nicht nur an- ders ausgelegt werden können, sondern müssen, wenn überhaupt die Schrift mit sich selbst übereinstimmen soll. Das ganze System ist durch alle Adern und Geflechte ein Donatistisches; es kann nicht zur Ruhe kommen, bis es zu dem Schlusse gelangt, daß „„alle die Gläubigen in Eins gesammelt und durch sichtbare Separation von den Ungläubigen als Eins aufgezeigt werden müssen.““ Die ganze Kritik hier mitzutheilen, läßt der enge Raum unserer Zeit- schrift nicht zu. Wir begnügen uns, das Resumé hier wiederzugeben, welches Rudelbach von den irvingianischen Lehren gibt auf Grund der von ihm recensirten drei Schriften. Rudelbach sagt selbst hiervon: „Wir fürch- ten weder, daß wir in dem vorstehenden Abrisse den Irvingschen Freunden und Brüdern etwas untergeschoben, das nicht in ihrem Sinne liegt —deshalb haben wir überall ihre selbsteigenen Worte angeführt—, noch daß irgend ein wesentliches Moment dieser Theorie übersehen, vorbeigegangen sei; auch ist keinem Stück der Betrachtung ein anderer Werth gegeben, als eben der, den sie selbst darauf gelegt haben.“ Das Rudelbachsche Resumé ist folgendes: Es ist freilich nicht zum ersten Mal, daß die Instauration der Kirche, wo man dieselbe als einen neuen, absoluten Anfang postulirte, auf eine Theorie von der Wiederherstellung der Gnadengaben, Aemter und Kräfte basirt ward, nicht zum ersten Mal, daß eine Er- neuerung in Angriff genommen ward vor der Erneuerung, von welcher es hieß: „Siehe, ich mache Alles neu.“ Von den Donatistischen Gaben- Charismen (Optatus de schismate Donatistarum II, 1—10) bis zu den Pro- pheten Languedocs (die bald ihre Prophetie auf ganz Europa ausdehnten) im Beginn des 18. Jahrhunderts hat dieser Gedanke aufzuckend wie ein Blitz, der über den heitern Himmel fährt, sich öfters aufgethan. Eben so wenig ist es zum ersten Mal, daß alt- und neutestamentliche Stellen, obwohl anders