# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S97 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) während ſeiner Abweſenheit an ſeiner Statt wahrſcheinlich ſeine fromme Ehefrau thun, denn er erinnert ſie in einem Briefe, von Eis— leben aus und zwar wenige Tage vor ſeinem ſeligen Ende, an die Lehre des Katechismus, die ſie treibe. Von ſeiner beſondern und täglichen Kate⸗ chismusübung redet er in der Vorrede zu ſei— nem großen Katechismus mit folgenden Wor⸗ ten: „Ich bin auch ein Doctor und Prediger, ja ſo gelehrt und erfahren, als die alle ſein mö— gen, die ſolche Vermeſſenheit und Sicherheit haben (daß ſie mit einmaligem Ueberleſen alles können und nichts mehr bedürfen wollen): noch thue ich wie ein Kind, das man den Katechis— mus lehret, und leſe und ſpreche auch von Wort zu Wort des Morgens und wenn ich Zeit habe,, die Zehen Gebote, Glanben, das Vater Unſer, Pſalmen ꝛc. Und muß noch täglich dazu leſen und ſtudiren und kann dennoch nicht beſtehen, wie ich gerne wollte, und muß ein Kind und Schüler des Katechismi blei⸗ ben, und bleib's auch gerne.“ Wie ihm ſolche Uebung immer unentbehrlicher ge— worden ſei, bekennt er öffentlich mit dieſen Worten: „Ich will von mir ſelbſt ſagen, ich bin ein Doctor der heil. Schrift, je mehr ich den Kinderglauben, Vater Unſer, Taufe und Sacrament anſehe, je mehr ſchmeckt mirs. Ich könnte wohl auch mit den überdrüſſigen, ſatt— ſamen Geiſtern ſagen: Ich kann den Glauben, Vater Unſer, die Worte der Taufe, des Sacra⸗ ments, Pſalter ꝛc., aber ich erfahre es täglich und muß bekennen, daß, wenn ich ſchon heute den Glauben gebetet, das Vater Unſer geſpro— chen, die Worte der Taufe, und des Sacra⸗ ments angeſehen habe, und morgen ſolches nicht von Stück zu Stück wiederhole, ſo wird mir meine Seele kalt und faul; ſpreche ichs den dritten Tag auch nicht, ſo werde ich noch kälter und fäuler, bis ich gar ins Verachten komme.“ (Hauspoſt. Grün Donnerſtag.) Wenn hier ein Mann, wie Dr. Luther, von ſich ſelbſt bekennt, wenn er nur zwei Tage die Uebung des Katechismus unterlaſſe, ſo werde er immer kälter und fauler und komme gar ins Verachten, was ſolls mit denen werden, welche einen Tag nach dem andern, ja ſelbſt Woche, Monate, und ganze Jahre ohne dieſe ſo nöthige Uebung vorbeigehen laſſen? Sollte das bisher Geſagte nicht für alle Leſer eine Weckſtimme ſein, von nun an dem Rath und Vorbild Dr. Luthers gemäß ſich fleißiger, ja täglich im Ka— techismus zu üben? Denjenigen, welche einen ſolchen Vorſatz faſſen, will ich zur Ausführung deſſelben noch einige Winke geben. Ein Chriſt gewöhne ſich, ſogleich früh vor oder nach dem Morgengebete für ſich im Stillen oder noch beſſer, wenn er allein iſt, laut, wenig⸗ ſtens die zehn Gebote, die drei Glaubensarti— kel und das Vater Unſer Anfangs ohne die Auslegung langſam und mit Andacht zu ſagen. Er bedenke und erwäge dabei, was Gott will, daß er nach jedem einzelnen Gebote thue oder laſſe, nach jedem einzelnen Theile eines Glau— bensartikels glauben und bekennen und nach jeder einzelnen Bitte des Vater Unſer hoffen und erbitten ſolle. Während er dieſes thut, 9⁷ wird der heilige Geiſt manche gute Gedanken und Bewegungen in ihm wirken, denen er— Raum laſſen und der Spur derſelben nachgehen möge, geſetzt auch, daß er bei einem Gebote, Artikel, Bitte oder bei einzelnen Worten län⸗ ger als bei andern mit ſeiner Andacht ver⸗ weilte. Er gedenke aber auch des Tages über an das, was er am Morgen gelernt und was der heil. Geiſt da durch ihn gewirkt hat, und trachte mit allem Fleiß darnach, alſo zu wan— deln, zu glauben und zu beten. Er mache es ſich zur feſten Regel und halte ſich dieſelbe im⸗ mer aufs Neue vor, auf ſolche Weiſe wenig- ſtens die erſten drei Hauptſtücke Tag für Tag, nicht einen ausgenommen, vor ſich zu nehmen und ſich darin zu üben. Sollte er es darnach einmal des Morgens unterlaſſen haben, ſo hole er es ſogleich nach, ſobald er daran denkt, oder verſchiebe es nicht allzulange, denn ſonſt wird es leicht wieder vergeſſen. Sollte er aber wie— der Tage, ja Wochen ohne dieſe heilſame Uebung haben hingehen laſſen, ſo verliere er deshalb noch nicht den Muth, ſondern fange ſo— gleich und immer wieder von Neuem damit an, denn auch dieſe Arbeit in dem HErrn ſoll nicht vergeblich ſein. Bei dieſer Uebung wird jeder erfahren, wie träge und verdroſſen ſein Fleiſch und Blut, d. i. wie die Welt mit ihrer Luſt und Laſt ihn oft davon abhalten und der Teufel es ihm auf alle Weiſe wehren und erſchweren wird, denn er fürchtet ſich vor Gottes Wort wie vor einem glühenden Ofen; wegen dieſer drei Feinde kann auch dieſe chriſtliche Uebung nur unter immerwährendem Kampf fortgeſetzt werden; aber Gott gibt auch ſolchen Katechis— musſchülern einen Sieg nach dem andern, und dieſe Uebung wird ihnen immer lieber, nutzrei⸗ cher und unentbehrlicher werden; noch nützli— cher wird ſie, wenn man täglich eine oder zwei Seiten aus Dr. Luthers großem Katechismus der Reihe nach lieſt; es iſt weit gerathener, wenig auf einmal, aber gründlich, als viel und nur oberflächlich zu leſen, noch beſſer iſt es, wenn man ſich ſelbſt oder ſeine Hausgenoſſen bei jedem Satze fragt, was darin geſagt ſei, und ihn auch wohl wiederholt. Wer dieſe Weiſe der Hausandacht befolgt, der wird ſich bald durch eigene Erfahrung von dem großen Nutzen derſelben überzeugen und ſie daher nicht leicht gegen eine andere Weiſe vertauſchen. Endlich iſt jedem Chriſten zu rathen, wenn er einen Pſalm oder ein Kapitel der Bibel, am beſten nach der Reihenfolge, vor ſich nimmt und, wie Dr. Luther ſagt, eine Weile darin ſtudiert, was wo möglich jeden Tag geſchehen ſoll, daß er ſich ſelbſt oder Andere frage, in welches der erſten drei Hauptſtücke und inſon⸗ derheit zu welchem Gebot, Artikel und zu wel— cher Bitte das in der Bibel Geleſene gehöre, ob er es kann thun oder laſſen, von einem guten Werke, oder von einer Sünde handle, und dann gehört es zu einem der zehn Gebote, ob ferner das Geleſene von den hohen Werken und Wohlthaten des dreieinigen Gottes handle, ob es namentlich zur Schöpfung und Erhaltung aller Creaturen oder zu unſrer Erlöſung und Rechtfertigung und zu unſrer Heiligung und Erhaltung im wahren Glauben und demnach zu einem der drei Glaubensartikel gehöre; endlich ob das Geleſene irgend ein Gut, um das wir Gott bitten, oder ein Uebel erwähnt, gegen welches wir Gott anrufen ſollen, und dann gehört es zu einer der ſieben Bitten des Vater Unſers. So wird der Katechismus in die Bibel und die Bibel in den Katechismus gebracht, der eben deshalb aus ihr hergenom— men iſt, daß er uns in ſie hineinführen ſoll. Und nun zum Schluß noch die letzten Worte Dr. Luthers aus ſeiner Vorrede zum großen Katechismus: „Darum bitte ich abermal alle Chriſten, ſonderlich die Pfarrherren und Pre— diger, ſie wollen nicht zu früh Doctores ſein, und alles zu wiſſen ſich dünken laſſen. Es ge— het an dünken und geſponnen Tuch viel ab; ſondern ſich täglich wohl drinnen üben und im⸗ mer treiben, dazu mit aller Sorge und Fleiß ſich vorſehen vor dem giftigen Geſchmeis ſol— cher Sicherheit oder Dünkelmeiſter, ſondern ſte⸗ tig anhalten, beide mit leſen, lehren, lernen, denken und dichten, und nicht alſo ablaſſen, bis ſo lang ſie erfahren und gewiß werden, daß ſie den Teufel todt gelehret, und gelehrter worden ſind, denn Gott ſelber iſt, und alle ſeine Hei— ligen. Werden ſie ſolchen Fleiß thun, ſo will ich ihnen zuſagen, und ſie ſollens auch innen wer— den, welche Frucht ſie erlangen werden, und wie feine Leute Gott aus ihnen machen wird, daß ſie mit der Zeit ſelbſt fein bekennen ſollen, daß je länger und mehr ſie den Katechismum treiben, je weniger ſie davon wiſſen, und je mehr ſie daran zu lernen haben, und wird ihnen, als den Hungrigen und Durſtigen, das allererſt recht ſchmecken, das ſie jetzt vor großer Fülle und Verdruß nicht riechen mögen. Da gebe Gott ſeine Gnade zu, Amen. (Eingeſandt.) Methodismus. — Luc. 6, 22—23. Selig ſeid ihr, ſo euch die Menſchen haſſen, und euch abſondern, und ſchelten euch, und verwerfen euren Namen, als einen boshaftigen, um des Menſchen Sohnes willen. Freuet euch alsdann, und hüpfet; denn ſiehe, euer Lohn iſt groß im Himmel. Desgleichen thaten ihre Vä— ter den Propheten auch. Zu dieſer Freude geben uns die Methodiſten in No. 15. des „Chriſtlichen Apologeten“ wie— der hinreichenden Grund, wofür wir Gott nicht genug danken können. Denn um des Menſchen Sohnes willen, weil wir an ſeinem Worte feſthalten, wird der Name unſerer Kirche von ihnen geläſtert und werden wir gewürdigt, die Schmach Chriſti zu tragen. Doch bevor wir das Nähere darüber mittheilen, iſt es unſere Pflicht, die Ehre eines edlen und gewiſſenhaf— ten Mannes, des John Wesley gegen einen ſchamloſen Angriff des Herrn Naſt zu retten. Derſelbe ſagt: „Daß J. Weslehy allerdings als Prediger in der Kirche von England, was er bis zu ſeinem Tode blieb, einigemal von der Taufe in denſelben Ausdrücken re⸗ det, welche die ſymboliſchen Bücher ſeiner ſowohl, als der lutheriſchen Kirche