# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S175 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Krankenbesuche. 175 dig darüber, bis er empfahe den Morgenregen und Abendregen (Jac. 5, 7.) Wohl aber sollen wir den Kranken fragen, ob er bereit sei im Glauben an Christum williglich zu sterben, wenn es Gott also gefiele und so er darauf bejahend antwortet, sollen wir Gott für solchen christlichen Vorsatz danken und den Kranken ermahnen, darin durch Hülfe des heiligen Geistes beständig zu verharren. Dann bete man über ihn, auch das heilige Vaterunser und ertheile ihm unter Handauflegung den Kirchensegen. Weniger gefährlichen Kranken pflege ich die obenerwähnten vier Stücke vorzuhalten, wie sie sich auch in der St. Louiser Agende finden: Alle Krankheit und der Tod kommt von der Sünde — alle Hülfe dagegen kommt von der Gnade Gottes — daher sollen wir uns zur Buße und zum Glauben reizen lassen — dann können wir uns getrost Gottes väterlichem Willen ergeben, mag es zum Leben oder Sterben gehen. Natürlich wird man hierbei von selbst auf die Hauptstücke des Katechismus kommen und bei wiederholten Besuchen daran die weitere Unterweisung anknüpfen. Mancher Kranke lernt da erst aus eigner Erfahrung den großen Nutzen des kleinen Katechismus kennen und das ist auch eine gute Frucht der bösen Tage. Noch nutzbarer wird diese seelsorgerliche Behandlung, wenn der Kranke auf die an ihn gerichteten Fragen Auskunft über allerlei Einzelnheiten seines Lebens giebt, z. B. über seine Familienverhältnisse, über seine Schul⸗ und Confirmationszeit, über besonders traurige oder erfreuliche Erlebnisse, namentlich über allerlei Hülfe Gottes in der Noth, über seine Leitung zu seinem Worte, die ersten Eindrücke desselben, das spätere Verhalten dagegen ꝛc. Bei fortgesetzten Krankenbesuchen plage ich mich nicht mehr, wie früher mit mühsamer Auswahl eines besondern Schriftabschnitts, sondern ich wiederhole gewöhnlich eine der letzten Predigten mit Hervorhebung dessen, was auf Kranke sonderlich Bezug hat, z. B. aus dem Evangelium am Sonntage Jud. den Vers: Wer mein Wort hält ꝛc. Die Kranken, die sich desto mehr nach der öffentlichen Predigt sehnen, je länger sie derselben entbehren mußten, hören mit besonderer Begierde die Wiederholung derselben an, weil ihnen nicht blos Text und Auslegung von früherher bekannt sind, sondern weil sie sich dabei mancher heilsamer Eindrücke erinnern. Bei denen aber, welche des Wortes Gottes überdrüssig öfter die öffentliche Predigt versäumt hatten, wird nicht selten das Verlangen darnach durch solche Wiederholung aufs Neue erweckt. Den Wiedergenesenen halte ich solche Stellen vor, wie Ps. 103, Jes. 38 u. a. und ermahne sie, Gott auch in seiner Gemeinde ihr Lobopfer darzubringen. Ihren Wunsch, daß auch ich dieß mit der Gemeinde thun möge, erfülle ich um so lieber, wenn sie vorher die öffentliche Fürbitte begehrt haben; beides aber geschieht mit Nennung des Namens, wie es Dr. Luther in der gemeinen Form das Volk zum Gebet zu vermahnen vorgeschrieben hat.