# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 169 Aussendung jenes äußere Symbol der Gabe gesund zu machen allgemein gewesen sein, so sagt doch Christus nach der Auferstehung Marc. 16, 18. nicht: die Kranken werden sie salben, so werden sie gesund werden; sondern: „„Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden.““ Die Salbung mit Oel war also zur Zeit der Apostel nicht ein allgemeines nothwendiges Symbol der Heilung, sondern Marcus erzählt bei der ersten Aussendung der Apostel, da sie allein in das jüdische Land ausgesendet wurden, wobei Vieles temporell und persönlich war, allein von einer die zwölf Apostel betreffenden Thatsache, nämlich mit welchem äußerlichem Symbol sie die Gabe der Gesundmachung gebraucht haben. Aber Cap. 16, 18., wo ihnen befohlen wird, in alle Welt auszugehen und das Evangelium aller Creatur zu predigen, redet Christus nicht nur von den Aposteln, sondern auch von denen, die da glauben würden, wenn er spricht: „„Auf die Kranken werden sie die Hände legen““ u. s. w. Warum machen wir daher nicht vielmehr aus der Handauflegung, welche ein Wort Christi hat, das nicht nur die Apostel, sondern auch die Gläubigen angeht, ein allgemeines Sacrament für die Kranken? Die Antwort liegt nahe. Weil er von Zeichen, das ist, von Wundergaben redet, welche temporell waren. Und doch haben selbst damals, als die Wundergabe in völligem Schwange war, die Apostel nicht allgemein, immer nothwendig die Handauflegung bei der Gabe, gesund zu machen, angewendet! Vielmehr wird daher diese Antwort gelten bei der Salbung mit Oel, von welcher wir lesen, daß sie bei der ersten und particularen Aussendung der Apostel nicht sowohl ausdrücklich von Christo geboten, als nur, daß sie von den Aposteln vorgenommen worden ist. Drittens, sagt der Evangelist nichts weder von einem Befehl Christi, daß das Oel jener Salbung vorher mit bestimmten Worten exorcisirt und consecrirt werden müsse, noch daß die Apostel dergleichen gethan haben. Viertens, liest man nicht, daß die Apostel diejenigen gesalbt haben, von denen sie mit Wahrscheinlichkeit voraussetzten, daß sie bald sterben würden; sondern sie heilten durch ihre Salbung die Kranken, damit sie zu der Zeit an jener Krankheit nicht stürben. Fünftens, von einer Anwendung jener Form der Worte, welche die Päbstlichen vorschreiben, liest man keinen Buchstaben in der evangelischen Geschichte. Sechstens, liest man auch nichts von einem Befehle Christi, die fünf Sinnenwerkzeuge zu salben, noch, daß die Apostel dergleichen gethan haben. Siebentens, sagt Marcus nicht, der Zweck und die Wirkung jener Salbung sei gewesen, daß durch dieselbe die Sünde getilgt und die Nachstellungen des Teufels in den Sterbenden zurückgetrieben würden u. s. w., sondern daß durch das äußere Symbol die Gabe der leiblichen Gesundmachung ausgeübt würde. Es ist daher ganz offenbar aus dem bloßen Gegensatz, daß Christus Marc. 6, 13. weder eingesetzt noch angedeutet habe (wie das Tri⸗