# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. det sein soll, findet sich Marc. 6, 12. 13. und lautet also: „„Die Apostel gingen aus, und predigten, man sollte Buße thun, und trieben viele Teufel aus, und salbten Sieche mit Oel, und machten sie gesund.““ Mit dieser Stelle wollen wir die Beschreibung der päbstlichen Oelung der Reihe nach vergleichen; denn so wird, was in Frage ist, offenbar werden. Denn es ist etwas sehr Großes, Etwas für ein Sacrament des Neuen Testaments vorle- gen und halten, besonders in den letzten Nöthen, so daß man dann vom Wort und den übrigen Sacramenten abgeht und das letzte Hülfsmittel am Ende des Lebens in die letzte Oelung setzt. Zuerst wollen wir daher sehen, ob die Apostel jene Oelung den Ster- benden ertheilt haben zu dem Ende, daß dadurch als durch das allersicherste Hülfsmittel das Lebensende wider die Sünden, den Teufel und den Tod ver- wahrt sei. Aber von welcher Art jene Oelung der Apostel gewesen sei, von der Marcus schreibt, geht mit Bestimmtheit aus der Beschreibung der Evan- gelisten hervor. Matthäus Cap. 10, 1 sagt: „„Er gab ihnen Macht, aller- lei Seuche und Krankheit zu heilen.““ Lucas 9, 1 sagt: „„Er gab ihnen Gewalt und Macht, daß sie Seuchen heilen konnten.““ Auch Marcus selbst spricht: „„Er gab ihnen Macht, die Seuchen zu heilen und die Teufel aus- zutreiben.““ Und Marc. 6, 13. wird nichts anderes beschrieben, als wie die Apostel dies bei ihrer ersten Aussendung vollbracht, daß sie nämlich die Kranken geheilt haben mit Anwendung des äußeren Symbols, der Salbung mit Oel. Marcus sagt daher an jener Stelle durchaus nicht, daß die Apo- stel diejenigen, welche in den letzten Zügen lagen, gesalbt haben in der Meinung, daß sie in dieser Salbung das letzte und sicherste Hülfsmittel wi- der Sünde, Teufel und Tod hätten; vielweniger schreibt er vor, daß eine solche Salbung mit Oel in der ganzen Kirche Neuen Testamentes zu allen Zeiten bis zum Ende der Welt geschehen und erhalten werden solle; sondern er beschreibt die Gabe der Gesundmachung, von welcher, wie von andern Wundergaben, offenbar ist, daß sie eine temporelle gewesen sei und nach Aus- breitung des Evangeliums durch die ganze Welt aufgehört habe. Zum andern sagt Marcus auch von jener Gabe der Gesundmachung nicht, daß Christus den Aposteln durch seinen Befehl vorgeschrieben habe, die Materie des Oels bei allen Krankenheilungen nothwendig anzuwenden; son- dern nur dies sagt er, daß Christus ihnen Macht und Gewalt, Kranke zu heilen, gegeben, daß sie selbst aber das äußerliche Symbol der Salbung mit Oel angewendet haben. Die apostolische Geschichte aber bezeugt, daß sie nicht immer bei ihren Handlungen dieselben äußerlichen Symbole angewen- det haben; denn man liest, daß sie zuweilen allein das Wort, zuweilen Hand- auflegung, zuweilen Berührung, den Schatten, die Schweißtüchlein und. Koller zur Heilung der Kranken gebraucht haben. Ich achte auch nicht, daß die Meinung des Marcus sei, die Apostel hätten bei jener ersten Aussendung Niemanden geheilt, außer welchen sie mit Oel gesalbt hatten; denn er sagt: „„Sie salbten viele Sieche mit Oel.““ Und sollte auch wirklich in der ersten