# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S167 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 167 heißung und es ist kein Zweifel, daß der Sohn Gottes sie mit seiner Wirk- samkeit begleite, damit sie eine Kraft Gottes seien zur Seligkeit allen, die da glauben. Aber man sagt: Wie? wenn Christus, welcher besser, als wir, die äu- ßersten Gefahren unserer Seelen im Todeskampfe zu beurtheilen weiß, außer jenen bereits genannten Mitteln ein besonderes Sacrament hätte einsetzen wollen, um dadurch als durch das allersicherste Hülfsmittel das Ende unseres Lebens wider die Anläufe des Satans, welche dann gewöhnlich heftiger sind, und wider die Schrecken des Todes fest und wirksam zu verwahren? Ich ant- worte: Wenn der Sohn Gottes, unser Arzt, dafür gehalten hätte, daß dieses nützlich und nöthig sei, so hätte er ohne Zweifel ein besonderes Sacrament für die Sterbenden eingesetzt; denn die er liebt, die liebt er bis ans Ende. Joh. 13, 1. Und wenn es aus dem Worte Gottes offenbar wäre, daß Chri- stus ein solches Sacrament mit bestimmter Vorschreibung der Form, mit aus- drücklicher Ertheilung eines Befehls und mit Beifügung einer besondern Verheißung insgemein allen Gläubigen bis zum Ende der Welt in der To- desstunde zu verwalten eingesetzt hätte: so würde allerdings der Glaubens- gehorsam verlangen, daß man dasselbe mit gläubiger Ehrerbietung annehme und gebrauche. Zwar behaupten auch die Päbstlichen, daß die letzte Oelung ein solches Sacrament sei. . Das Tridentinum sagt, daß die Oelung der Kranken als ein wahres und eigentliches Sacrament des N. Test. von Christo, unserem HErrn bei Marcus Cap. 6, 12. 13. eingesetzt sei. Wir haben also den Sitz dieser Disputation in der Schrift, und es wird nun nicht schwer sein, zu be- stimmen, ob jene letzte Oelung, wie sie von den Päbstlichen beschrieben und gebraucht wird, von Christo als ein Sacrament des N. Test. eingesetzt sei. Denn zur Einsetzung eines Testamentes ist erforderlich, daß durch ein Wort Gottes befehls- und verheißungsweise die Materie, die Form, die Handlung und Kraft des Sacramentes vorgeschrieben sei, und zwar so, daß es nicht et- was entweder Persönliches oder Zeitweiliges sei, sondern daß der Befehl, solches zu thun, und die Verheißung der Wirksamkeit die ganze Kirche Neuen Testamentes aller Zeiten angehe, bis ans Ende der Welt, bis Christus zum Gericht kommt; denn eine solche Beschaffenheit hat es mit der Taufe und dem Mahl des HErrn. So hat zwar die Beschneidung Gottes Befehl und Verheißung, aber dieselben gehen uns nichts an. Die Apostel hatten den Befehl auf die Kranken die Hände zu legen, und die Verheißung, so werde es besser mit ihnen werden. Marc. 16, 18. Christus legte Koth auf die Augen der Blinden. Joh. 9, 6. Paulus legte sich auf den Todten. Apostelg. 20, 10. Seine Schweißtüchlein wurden auf die Kranken gelegt, Apostelg. 19, 12. u. s. w. Aber dies sind persönliche und temporelle Sachen und dür- fen ohne ein besonderes und betreffendes Wort nicht als Vorbild zur Nach- ahmung gebraucht werden. Die Stelle also, in welcher das Sacrament der letzten Oelung gegrün-