# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 05 04_S96 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtehend, immer bedenken, und gleich als ein ſteti⸗ ges Maal und Zeichen vor Augen und in Hän⸗ den haben. Ohne Zweifel wird er ſolches um— ſonſt nicht ſo ernſtlich hoffen und fordern, ſon— dern weil er weiß unſere Fahr und Noth, dazu der Teufel ſtetiges und wüthiges Stürmen und Anfechtung und will er uns davor warnen, rü— ſten und bewahren, als mit gutem Harniſch wi— der ihre feurige Pfeile, und mit guter Arznei wider ihre giftige, böſe Geſchmeis und Ein— geben. O welche tolle, unſinnige Narren ſind wir, daß wir unter ſolchen mächtigen Feinden, als die Teufel ſind, wohnen und herbergen je müſſen und wollen dazu unſer Waffen und Wehre verachten und faul ſein, dieſelbigen an⸗ zuſehen oder dran zu gedenken. Und was thun ſolche überdrüſſige, vermeſ— ſene Heiligen, ſo nicht wollen oder mögen den Katechismus täglich leſen und lernen, denn daß ſie ſich ſelbſt viel gelehrter halten, denn Gott ſelbſt mit allen ſeinen Heiligen, Engeln, Pro⸗— pheten, Apoſteln und allen Chriſten? Denn weil ſich Gott ſelbſt nicht ſchämet, ſolches täg⸗ lich zu lehren, als der nichts beſſers wiſſe zu lehren, und immer ſolch einerlei lehret, und nichts neues oder anders vornimmt, und alle Heiligen nichts beſſeres noch anders wiſſen zu lernen, und nicht können auslernen: ſind wir denn nicht die allerfeinſten Geſellen, die wir uns laſſen dünken, wenn wirs einmal geleſen und gehöret haben, daß wirs alles können, und nicht mehr leſen noch lernen dürften und kön⸗ nen das auf eine Stunde auslernen, das Gott ſelbſt nicht kann auslehren, ſo er doch daran lehret von Anfang der Welt bis zu Ende, und alle Propheten ſammt allen Heiligen daran zu lernen gehabt und noch immer Schüler ſind und bleiben und noch bleiben müſſen.“ Die tägliche Katechismusübung empfiehlt Dr. Luther ferner in ſeinem kleinen Katechis— mus zunächſt den Hausvätern, damit dieſe ihre Kinder und Dienſtleute dazu anhalten möch— ten, weil ſie außerdem dies oft unterlaſſen wür⸗ den und ſie doch zu ihrem eigenen Beſten und für ihr ganzes Leben daran gewöhnt werden ſollen; es erhellet namentlich aus den Anwei— ſungen zum Morgen- und Abendgebet, daß dabei täglich die zehn Gebote, der chriſtliche Glaube und das Vaterunſer geübt, und wie er an andern Orten ſagt, auch wohl des Mittags, alſo täglich dreimal aufgeſagt werden ſollen. Wollte Jemand dieſe Uebung der Kinder für ein bloß äußerlich Ding und für ein Lippen⸗ geplärr halten, dem antwortet Dr. Luther: „Daß etwan ein jung getauftes Kind, Mor⸗ gens, Abend und über Tiſch ſeine Zehen Ge— bote, Glauben und Vaterunſer ſpricht, das iſt recht gebetet und von Gott erhöret; denn es betet als ein Chriſt und Prieſter, in der Taufe geboren und geweihet durch Chriſtum.“ (Aus⸗ legung des 110. Pſ.) Allein Dr. Luthers Rath geht nicht bloß die Kinder, ſondern auch die Erwachſenen an, wie dies unter anderm folgende kurze, aber treffliche Stelle beweiſt; nachdem er nämlich von ſolchen Leuten geredet hat, welche des Wortes Gottes ſatt ſind und es doch nie ge— ſchmeckt haben, ſo fährt er fort: „Aber ein 96 Chriſt gedenkt täglich an ſein Vaterunſer, an ſeinen chriſtlichen Glauben, oder Stücke vom Evangelio; das käuet er wiederum wie die Schafe thun und ſchleußts in ſein Herz. Aus ſolchen werden auch rechte Leute. Alſo lehret der erſte Pſalm v. . 2. 3.: Wohl dem, der nicht wandelt im Rath der Gottloſen u. ſ. w.“ (Hauspoſt. 5. Sonnt. n. Trinit.) Indem er hier auf den Katechismus alles das anwendet, was vom Worte Gottes gilt, weil er eben ein treuer Auszug daraus iſt, ſo gibt er zugleich eine deutliche Beſchreibung eines rechten Kate⸗ chismusſchülers, wozu dreierlei gehört, daß er an die Hauptſtücke des Katechismus gedenkt, wozu das Hören, Leſen oder Herſagen erfor⸗ dert wird, daß er das, woran er gedenkt, wieder käuet oder im Herzen bewegt, und daß er es in ſein Herz ſchließt oder darin be⸗ wahrt. Den vielfachen Nutzen dieſer täglichen Ka— techismusübungen werden diejenigen, welche hierin Dr. Luthers Rathe treulich folgen, am beſten durch eigene und immer reichere Erfah— rung kennen lernen; denn es iſt unmöglich, allen Nutzen und alle Kraft jedes Gebotes, jedes Artikels, jeder Bitte ꝛe. mit Worten zu beſchreiben, wie Dr. Luther ſelbſt davon in der Vorrede zum großen Katechismus Zeugniß gibt: „Was ſoll ich viel ſagen? Wo ich allen Nutzen und Frucht ſollt erzählen, ſo Gottes Wort wirket, wo wollte ich Papier und Zeit genug nehmen? Den Teufel heißet man Tau— ſendkünſtiger; wie will man aber Gottes Wort heißen, das ſolchen Tauſendkünſtiger mit aller ſeiner Kunſt und Macht verjagt und zu nichte macht? Es muß freilich mehr, denn hundert Tauſendkünſtiger ſein.“ Und kurz zuvor ſpricht er: „Nun ſollteſt du doch ja allein um deswillen ſolche Stücke gerne leſen, reden, denken und handeln, wes du ſonſt keine andre Frucht und Nutzen davon hätteſt, denn, daß du den Teufel und böſe Gedanken damit kannſt verjagen, denn er kann Gottes Wort nicht hören noch leiden, und Gottes Wort iſt nicht wie ein ander loſe Geſchwätze, wie von Dietrich von Bern ꝛc., ſondern wie Paulus Röm. 1. ſagt: Eine Kraft Gottes, ja freilich eine Kraft Gottes, die dem Teufel das gebrannte Leid anthut, und uns aus der maſſen ſtärket, tröſtet und hilft.“ In der⸗ ſelben Vorrede heißt es ferner: „Denn ob ſie es gleich allerdings aufs allerbeſte wüßten und könnten (das doch nicht möglich iſt in dieſem Leben), ſo iſt doch mancherlei Nutzen und Frucht dahinten, ſo mans täglich lieſet, und übet mit Gedanken und Reden nämlich, daß der h. Geiſt bei ſolchem Leſen, Reden und Gedan— ken gegenwärtig iſt, und immer neu und mehr Licht und Andacht dazu gibt, daß es immer beſſer und beſſer ſchmeckt und eingehet.“ Des⸗ gleichen in der Hauspoſtille am 20. Sonntag n. Trinit.: „Wenn wir nicht mehr thun, denn die Zehen Gebote oder das Vaterunſer über eine Stunde vor uns nehmen, ſo findet ſich all⸗ weg eine neue Frucht, daß man etwas merket und lernet, welches man vor nicht gewußt hat.“ Ferner bringt der Katechismus denen, die ſich fleißig üben, den Nutzen, daß ſie dadurch vor allerlei Irrthum bewahret werden; „Denn,“ ſagt Dr. Luther, „wo ein Chriſt fleißig wäre, und hätte nicht mehr, denn den Katechismus, die zehen Gebote, den Glauben, das Vaterunſer und die Worte des HErrn von der Taufe und Sacra⸗ ment des Altars, der könnte ſich frei damit weh⸗ ren und aufhalten wider alle Ketzereien. Kein beſſer Wort noch beſſere Lehre wird aufkommen, denn ſo im Katechismo aus der h. Schrift kürzlich verfaßt iſt. Darum ſoll man dabei bleiben, auf daß, wenn ein Ketzer oder Schwärmer auf⸗ tritt, und andres lehret, man ſagen könne: das iſt nicht recht gelehret, denn es ſtimmt nicht mit meinem Katechismo.“ (Hauspoſt. 8. Sonnt. n. Tr.) Ein merkwürdiges Zeugniß endlich, wie viel der kleine Katechismus zum Gedeihen der gan⸗ zen Reformation beigetragen hat, findet ſich in einem Briefe Dr. Luthers an den Markgrafen von Brandenburg v. J. 1531; er ermuntert ihn darin zu heilſamen Verordnungen wegen fleißiger Uebung des Katechismus und fährt dann fort: „Derſelbige Katechismus würde viel Gutes bringen, wie er denn alles Gute, ſo in unſerm Volk jetzt iſt, gebracht hat und noch bringet, und kein ſtärker beſſer Kunſt iſt, die Leute bei der Andacht und der Kirch ganz zu erhalten, denn der Katechismus, wie wir das täglich erfahren.“ Was nun Dr. Luther Andern gerathen, ſich täglich im Katechismus zu üben, das hat er auch ſelbſt auf eine ſolche Weiſe gethan, daß er hierin nicht weniger als in andern Dingen als ein rechtes Vorbild vorleuchtet. Namentlich ſollen alle Prediger von ihm lernen, immer beſſere Katechismusſchüler und als ſolche auch immer beſſere Katechismuslehrer zu werden und zwar letzteres nicht bloß in den gewöhnlichen Examinibus, ſondern auch in beſondern regel— mäßigen Katechismuspredigten; inſonderheit ſollen ſie von ihm die große Kunſt lernen, alles was ſie lehren, aus dem Katechismus her und wieder hinein zu leiten, denſelben fleißig anzu⸗ führen, die herrlichen Dinge, die er enthält, die reichen Früchte, die er bringt, oft und ein— dringlich darzulegen und unermüdet die flei⸗ ßige, ja tägliche Uebung deſſelben anzurathen und einzuſchärfen. Auch in ſeinem Hauſe trieb Dr. Luther den Katechismus ſehr eifrig mit ſeinen Kindern und Dienſtleuten. Er ſelbſt ſagt davon: „Wenn ich zu Morgens aufſtehe, ſo bete ich mit den Kindern die zehn Gebote, den Glaͤuben, das Vater Unſer und irgend einen Pſalm dazu. Das thue ich nur darum, daß ich mich alſo da— bei behalten will, und will mir den Mehlthau nicht daran laſſen wachſen, daß ichs könne,“ und bald darauf ſagt er: „Darum gefället mir kein Stand ſowohl, wollte auch keinen lieber annehmen, denn ein Schulmeiſter ſein, daß ich mich alſo dahin zwänge, daß ich die Zehn Ge— bote, den Glauben, das Vater Unſer, betete, daß mir der Teufel nicht einen ſolchen Roſt und Ueberdruß ſollte machen.“ Wie treulich er die— ſen Unterricht unter ſeinen Hausgenoſſen ge— trieben hat, davon zeugen auch die kurzen und kräftigen Katechismusſprüche, welche im 11. Cap. ſeiner Tiſchreden aufgezeichnet und jedem Chriſten zu empfehlen ſind. Aehnliches mochte