# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 165 Tage Widerstand thun und alles wohl ausrichten mögen, Eph. 6, 13., und Gott Dank sagen, der uns den Sieg giebt wider den Tod und den Stachel desselben, 1 Cor. 15, 57. Ueber diese zwei Stücke ist kein Hader, denn beides bekennen wir mit vollem Munde. Sondern die Frage ist, welches jene Hülfsmittel oder viel- mehr Gegenmittel seien. Denn damit dieselben wider den Tod und den Sta- chel desselben wirksam seien, so ist nöthig, daß sie nicht von Menschen erdich- tet oder vermuthet, sondern von dem Sohne Gottes selbst, welcher unser wah- rer Arzt ist, eingesetzt und zubereitet seien, und zwar mit angehängter Verhei- ßung von ihrer Kraft und Wirksamkeit. In der Werkstätte der Seelenarz- neien selbst, wie Basilius die heilige Schrift so schön und wahr nennt, müssen jene Heilmittel und Gegenmittel gesucht werden, welche mitten im Tode zum Leben kräftig sind. Jene Eintheilung aber, welche das tridentinische Decret wie zum Grund zu legen scheint, ist falsch: daß nämlich Christus einige Mit- tel der Seligkeit für die Lebenden, andere für die Sterbenden bereitet habe; gleich als ob die, durch welche er uns Gnade mittheilt und uns in derselben erhält, während wir in dieser Welt wohl und gesund sind, nicht weiter gültig wären oder nicht hinreichten, wenn wir an dem Lebensziele angekommen sind und nun durch den Tod zu einem andern Leben übergehen müssen, sondern als ob man sich dann nach andern Hülfsmitteln umzusehen hätte. Christus, welcher die Auferstehung und das Leben, ja des Todes Tod und ein Gegen- gift wider den Tod ist, wie Irenäus spricht, redet ja von dem Wort des Evan- geliums, durch welches uns jenes Leben angeboten und mitgetheilt wird, und vom Glauben, durch welchen Christus, unser Leben, im Wort ergriffen und angenommen wird, also, daß die Kraft und Wirksamkeit des Evangeliums und des Glaubens nicht nur, während wir hier leben, zur Seligkeit kräftig ist, sondern er begreift auch ausdrücklich die Todesstunde, die Auferstehung der Todten und das Leben der zukünftigen Welt. Joh. 5, 24. 25., 6, 50. 51., 11, 25. ꝛc. Ueberall hörst du, daß den Sterbenden weder ein anderes Wort, noch ein anderer Glaube vorgestellt wird, als den Lebenden, sondern er versichert, daß jenes Wort, was wir durch den Glauben ergreifen, während wir leben, gerade im Tode zum Leben Kraft habe und äußere; ja eben des- wegen ergreifen wir jenes Wort, während wir leben, im Glauben, damit wir in der Todesstunde kraft desselben durch den Tod in das Leben übergehen. Denn hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elen- desten unter allen Menschen, 1 Cor. 15, 19. Daher pflegt Paulus in sei- nen Episteln zu beten, daß die Gläubigen in dem, was sie in diesem Leben ergriffen haben, bis an den Tag Christi erhalten und gestärkt werden, 1 Cor. 1, 8. und Phil. 1, 6., Eph. 4, 30., Ebr. 3, 14., Offb. 2, 10. 25., 1 Cor. 3, 22., Röm. 8, 33. Im Tode sind daher keine anderen Mittel der Seligkeit zu suchen, als welche, während wir leben, dem Glauben im Wort zur Annahme angeboten werden. Denn das einzige wahre und hinreichende Gegenmittel gegen den