# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S164 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 164 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. Canon 1. Wenn Jemand sagt, die letzte Oelung sei kein wahres und wirkliches, von Christo unserm Herrn eingesetztes, und vom heiligen Apostel Jacobus verkündigtes Sacrament, sondern nur ein von den Vätern angenommener Ritus oder eine menschliche Erfindung: der sei im Banne. Canon 2. Wenn Jemand sagt, durch die heilige Oelung werde den Kranken keine Gnade mitgetheilt, noch Sünden nachgelassen, noch auch würden die Kranken dadurch erleichtert; sondern sie habe schon aufgehört, als wäre sie ehedem nur die Gnade der Heilungen gewesen: der sei im Banne. Canon 3. Wenn Jemand sagt, der Ritus der letzten Oelung und der Gebrauch, welchen die heilige römische Kirche beobachtet, widerstreite dem Ausspruche des heiligen Apostels Jacobus, und müsse daher umgeändert werden und könne von den Christen ohne Sünde mißachtet werden: der sei im Banne. Canon 4. Wenn Jemand sagt, die Priester der Gemeinde, welche der heilige Ja- cobus ermahnt herbeizurufen, um den Kranken zu salben, seien nicht die vom Bischof geweiheten Priester, sondern die Aeltesten einer jeden Gemeinde, und daß deswegen der eigentliche Ausspender der letzten Oelung nicht der Prie- ster allein sei: der sei im Banne.“ Hierzu giebt nun Chemnitz die folgende Kritik: Es ist kein Zweifel, daß, wie das tridentinische Decret versichert, unser Widersacher, der Teufel, welcher das ganze Leben hindurch nach Gelegenheit sucht unsere Seelen zu verschlingen, hauptsächlich in jener Zeit, wenn er vor- hersieht, daß uns das Ende des Lebens nahe bevorstehe, alle seine List anwen- det, uns gänzlich zu verderben und, wo möglich, von dem Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit mit Gewalt abzubringen. Dazu kommen in dieser Schwachheit Angst und Schrecken vor dem nahenden Tode aus dem Anblick der Sünden. Daher entsteht der äußerste und schwerste Kampf des Glau- bens wider die Sünden und wider die Anfechtungen des Fleisches und des Teufels, welche dann hausenweise und schwerer als gewöhnlich einstürmen, endlich wider den Tod selbst. Und wenn dann der Glaube erliegt und unser Widersacher obliegt, so ist es um unsere Seligkeit geschehen. Denn nach die- sem Leben hat weder Buße noch Versöhnung statt. Daher ist auch dieses ge- wiß, daß unser allergütigster Erlöser, dessen Wille es ist, daß seine Knechte zu jeder Zeit mit heilsamen Mitteln wider alle Gefahren der Seligkeit versorgt seien, nicht nur Hülfsmittel bereitet habe, durch welche die Christen, während sie leben und gesund sind, in der Gnade erhalten werden; sondern vornehm- lich, daß sie in dem letzten Lebensact, wo der gefährlichste Entscheidungsmo- ment eintritt, durch ein festes Schutzmittel und durch eine kräftige Stütze des wankenden Glaubens verwahrt und stark gemacht werden, daß sie am bösen