# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Martin Chemnitz über die letzte Oelung. 163 die Ueberbleibsel der Sünde tilgt, und die Seele des Kranken erleichtert und stärket, indem sie in ihm ein großes Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit erregt, wodurch der Kranke unterstützt, sowohl die Beschwerden und Mühseligkeiten der Krankheit nicht so schwer trägt, als auch den Versuchungen des der Ferse nachstellenden Teufels leichter widersteht, und zuweilen die Gesundheit des Leibes, wo es dem Heile der Seele frommen mag, erlanget. Drittes Hauptstück. Von dem Ausspender dieses Sacramentes und der Zeit, wann es ertheilt werden soll. Dasjenige nun aber, was sich auf die Vorschrift über Diejenigen bezieht, die entweder dieses Sacrament empfangen oder ausspenden sollen, ist auch nicht undeutlich in den vorerwähnten Worten gelehret; denn es wird dort zugleich gezeigt, daß die eigentlichen Ausspender dieses Sacramentes die Priester der Kirche seien; durch welche Benennung an jener Stelle nicht die Aeltesten oder Vornehmsten im Volke zu verstehen sind, sondern entweder die Bischöfe oder die von diesen durch Auflegung der Hände zum Priesterthum ordenklich geweiheten Priester. Es wird auch erkläret, daß bei den Kranken diese Oelung anzuwenden sei, besonders aber bei denjenigen, die so gefährlich darniederliegen, daß sie sich am Ende ihres Lebens zu befinden scheinen: daher es auch das Sacrament der Sterbenden genannt wird. Sollten die Kranken nach dieser Oelung wieder genesen, dann können sie, wenn sie auf's Neue in ähnliche Lebensgefahr gerathen sollten, wiederholt durch den Beistand dieses Sacramentes gestärkt werden. Darum ist in keiner Beziehung Gehör zu geben Denjenigen, welche gegen den so offenbaren und klaren Ausspruch des Apostels Jacobus lehren, diese Oelung sei entweder eine menschliche Erdichtung oder ein von den Vätern überkommener Ritus, aber weder ein göttliches Gebot noch auch eine Verheißung der Gnade in sich schließend; auch Denjenigen nicht, die behaupten, daß sie schon aufgehört habe, gleichsam als sei sie nur auf die Gnade der Heilungen in der ersten Kirche zu beziehen; und welche sagen, der Ritus und der Gebrauch, welchen die heilige römische Kirche bei Ausspendung dieses Sacramentes beobachtet, sei dem Ausspruche des Apostels Jacobus entgegen, und müsse deshalb in einen andern umgewandelt werden; und endlich, welche behaupten, diese letzte Oelung dürfe von den Gläubigen ohne Sünde verachtet werden: denn alles dieses widerstreitet auf das offenbarste den deutlichen Worten eines so großen Apostels. Und wahrlich, die römische Kirche, aller andern Kirchen Mutter und Meisterin, beobachtet bei Ausspendung dieser Oelung in Bezug auf dasjenige, was das Wesen dieses Sacramentes ausmacht, nichts anderes, als was der heilige Jacobus vorgeschrieben hat. Die Verachtung eines so großen Sacramentes könnte aber auch ohne ein schweres Verbrechen und ohne Beleidigung des heiligen Geistes selbst, nicht Statt finden.