# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1858_S162 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 162 Martin Chemnitz über die letzte Oelung. „Die Lehre von dem Sacramente der letzten Oelung. Es hat aber dem heiligen Kirchenrathe gut geschienen, der vorhergehenden Lehre von der Buße das, was hier vom Sacramente der letzten Oelung folgt, beizufügen, welches von den Vätern für die Vollendung nicht allein der Buße, sondern auch des ganzen christlichen Lebens, das eine immerwährende Buße sein soll, erachtet worden ist. Er erklärt und lehret daher zuvörderst hinsichtlich dessen Einsetzung, daß unser gütigster Erlöser, welcher für seine Diener zu jeglicher Zeit durch heilsame Mittel gegen alle Pfeile jeder Feinde hat vorsehen wollen, gleichwie er die größte Hülfe in den andern Sacramenten zubereitet hat, durch welche die Christen sich, so lange sie leben, von jedem schweren Geistesschaden unverletzt bewahren können, eben so das Ende des Lebens, durch das Sacrament der letzten Oelung, gleichsam wie durch eine sehr starke Schutzwehr, befestiget hat; denn obwohl unser Widersacher durch das ganze Leben hindurch Gelegenheiten sucht und ergreift, um unsere Seelen in jeder möglichen Art zu verschlingen, so giebt es doch keine Zeit, wo er alle Kräfte seiner Hinterlist heftiger anspannet, um uns ganz zu verderben, und, wenn er es vermöchte, uns selbst von der göttlichen Barmherzigkeit fortzustoßen, als wenn er sieht, daß das Ende unseres Lebens uns bevorsteht. Erstes Hauptstück. Von der Einsetzung des Sacramentes der letzten Oelung. Diese heilige Oelung der Kranken ist aber von Christus unserem Herrn eingesetzet worden als ein wahres und wirkliches Sacrament des neuen Bundes, welches bei Marcus wenigstens angedeutet, durch Jacobus, den Apostel und Bruder des Herrn, aber den Gläubigen anempfohlen und verkündiget worden. Er sagt: „„Ist Jemand unter euch krank; er rufe zu sich die Priester der Gemeinde; und die beten über ihn, mit Oel ihn salbend, im Namen des Herrn; und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und hat er Sünden auf sich, die werden ihm erlassen werden,““ durch welche Worte er, wie die Kirche aus von Hand zu Hand empfangener apostolischer Ueberlieferung gelernt hat, die Materie, Form, den eigentlichen Ausspender und die Wirkung dieses heilsamen Sacramentes lehret. Als die Materie erkannte nämlich die Kirche das vom Bischofe geweihete Oel, denn die Oelung stellt sehr passend die Gnade des heiligen Geistes vor, mit welcher die Seele des Kranken unsichtbar gesalbt wird, und endlich die Form seien jene Worte: „„Durch diese Oelung““ ꝛc. Zweites Hauptstück. Von der Wirkung dieses Sacramentes. Wesen und Wirkung dieses Sacramentes wird ferner durch diese Worte erklärt: „„Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und hat er Sünden auf sich, die werden ihm erlassen werden.“ Denn das Wesen besteht eben in dieser Gnade des heiligen Geistes, dessen Salbung die Vergehen, die etwa noch auszusöhnen sind, und